- Aus der Community
Mit Diabetes in einer WG – von Halbrobotern und Tamagotchis
3 Minuten

Im letzten Jahr habe ich bereits über alleine Wohnen mit Diabetes geschrieben, heute kommt die Fortsetzung zum Leben in einer Wohngemeinschaft: vom WG-Casting bis zum gemeinschaftlichen Blutzuckermessen.
Das Casting
Die WG-Suche in einer neuen Stadt gestaltet sich meist schwierig – es gibt viele Bewerber auf wenige Wohnungen. Daher werden in den meisten Wohngemeinschaften sogenannte „Castings“ abgehalten, bei denen man die Wohnung besichtigen darf und die potentiellen neuen Mitbewohner kennenlernen kann. Da bei uns Menschen mit Diabetes sogar noch ein (manchmal nicht ganz so pflegeleichtes) Haustier, die Diabetessau, einzieht, stellt sich die Frage, ob dies bereits bei den Besichtigungen erwähnt werden sollte.
Natürlich ist das kein Muss und bei den Castings, die höchstens eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen, sollte sich der Diabetes einfach mal hinten anstellen.
Aber wir kennen ihn ja – gerade in aufregenden Situationen spielt er gerne mal verrückt. Der Griff zum Blutzuckermessgerät oder zur Insulinpumpe ist diskret und muss auch nicht zwingend kommentiert werden – allerdings wird sich das Gegenüber in einem Gespräch wundern, was man da gerade tut. Während ich messe oder eine Korrektur abgebe, erkläre ich also kurz und knapp, dass ich Diabetes habe, und ich denke, dass diese unbekümmerte Haltung gut ankommt.
Ja, ich bin ein Roboter
Auch bei der Besichtigung meiner jetzigen Wohngemeinschaft musste ich meinen Blutzucker messen, da ich mich zittrig fühlte und eine Unterzuckerung erahnte. Da ich zu der Zeit einen Sensor trug, musste ich nur kurz auf das Gerät schauen und die Jungs staunten nicht schlecht über die heutige Technik.
Ja, ich bin ganz offiziell ein halber Roboter.

Nachdem ich nun ein paar Monate in einer WG lebe, kann ich das Pro und Contra aus meinem ersten Post so unterstreichen.
Es ist einfach sehr beruhigend zu wissen, dass immer jemand da ist, wenn etwas mit dem Diabetes nicht stimmt. Dabei geht es nicht mal nur um die Hilfe bei Unterzuckerungen, sondern auch darum, dass man einfach mal über den Diabetes ablästern kann und auf andere Gedanken gebracht wird.
Insulinpumpe? Das ist ihr Tamagotchi!
Als ich eingezogen bin, stand natürlich ein klärendes Gespräch an, in dem ich meine Mitbewohner über meinen Diabetes und seine Eigenarten aufklärte. Ich erzählte, wie sich eine Unter- oder Überzuckerung anfühlt und was ich tun muss, um diese wieder in den Griff zu bekommen. Besonders wichtig war dabei das Handling der orangefarbenen Glukagon-Spritze, die bei uns im Kühlschrank lagert und mich in der Not retten soll. Mit der Zeit lernten meine beiden Mitbewohner viel dazu – zum Beispiel, dass es tausende Dinge gibt, die den Blutzuckerwert beeinflussen können, und dass einige Nahrungsmittel besser sind als andere. Meine Insulinpumpe wird allerdings noch immer liebevoll Tamagotchi genannt. Auch mit den „Nummern“ und den Zielwerten haben sie es noch nicht so raus, aber das können sie auch getrost mir, dem Profi, überlassen.
Besonders spannend wurde es allerdings, als sie es endlich wagten, mit meinem Ersatzmessgerät ihren Blutzucker zu testen.
Ich erklärte ihnen die Funktionsweise des Gerätes und nach einigen zögerlichen Versuchen mit der Lanzette kam endlich auch ein Blutstropfen aus dem Finger.
Die Finger taten danach zum Glück nur für eine Stunde weh!

Ihr seht: In einer WG kann man bei den richtigen Mitbewohnern ganz entspannt und offen mit seinem Diabetes umgehen – man wird nicht verurteilt, wenn der Blutzuckerwert mal über das Ziel hinausschießt, und anstatt Panik zu schieben, bekommt man bei einer Unterzuckerung den Traubenzucker ans Bett gebracht.
Es gilt nur eine Regel:
Egal, was im Haushalt piept, grundsätzlich bist es erst mal du mit deinen Diabetesgeräten.
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multi postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 1 Woche
Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.
olivers postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliverzojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂




Hey Oliver, kannst mich gerne mal anschreiben. Viele Grüße
Gunnar
@gunnar83: hallo, aktuell im Frankfurter Raum. Wir können aber gerne mal ein Treffen organisieren, zwecks Austausch.
Viele Grüße
Oliver