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Kontaktallergien und Hautreaktionen: Sind die Acrylate im Kleber schuld?
3 Minuten
Triggerwarnung: Wunden
Genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen in Deutschland das Messsystem FreeStyle Libre zur kontinuierlichen Glukosemessung nutzen, gibt es nicht. Der Hersteller Abbott hält sich bedeckt, aber Dr. Jens Kröger schätzt, dass es etwa 50.000 sein müssten. Für ihn ist es deshalb nicht weiter verwunderlich, dass mit der Verbreitung des FreeStyle Libre auch die Zahl der Fälle von Hautirritationen zunimmt: Schließlich bleiben die Sensoren mit 14 Tagen Liegedauer deutlich länger auf der Haut als die Pflaster beispielsweise von Pumpenkathetern. Für mich ein sehr interessantes Thema, denn schließlich bin ich in einem früheren Beitrag schon einmal der Frage nachgegangen, ob möglicherweise der Hersteller für diese Hautreaktionen haftbar gemacht werden kann.
Beschwerden beginnen oft erst nach einigen Monaten
„Je länger die Liegezeit, desto höher ist das Risiko für Hautreaktionen“, erklärte Kröger beim T1Day in Berlin. Er bombadierte die Zuhörer dann mit Fachbegriffen wie Irritationsdermatitis, Erysipel sowie Hyper- und Hypopigmentierungen und Urtikaria. Gemeint sind Hautrötungen, Entzündungen, Quaddeln und Farbveränderungen der Haut. Häufig treten die Beschwerden erst nach etlichen Monaten auf, nachdem der Patient bereits etliche Sensoren getragen hat. Eine solche Sensibilisierung lässt sich nicht wieder rückgängig machen, darüber hinaus kommt es in der Folge gelegentlich auch zu Kreuzallergien. „Dann bereitet auf einmal auch der Pflasterkleber des Pumpenkatheters Probleme, der nur zwei bis drei Tage liegt und zuvor problemlos vertragen wurde“, berichtete Dr. Kröger. Wer die Diskussionen in den einschlägigen Facebook-Gruppen verfolgt, kann das bestätigen: Dort berichten viele Anwender, dass die Probleme erst ab Sensor Nummer 8 oder 10 begannen.
Acrylate wurden 2012 als „Kontaktallergen des Jahres“ ausgezeichnet
Als mögliche Verursacher der Hautreaktionen nannte Kröger das Kunststoffgehäuse des Sensors, die Sensornadel bzw. den Sensorfaden und die Zwischenklebeschicht. Hauptverdächtige sind aber die in den Klebstoffen enthaltenen Acrylate. „Sie bergen ein hohes Potenzial für Nebenwirkungen. Man kennt Acrylharze aus Nagelstudios. Für Mitarbeiterinnen von Nagelstudios ist eine Allergie auf Acrylate längst als Berufskrankheit anerkannt.“ Die amerikanische Gesellschaft für Kontaktallergien hat Acrylaten 2012 daher den unrühmlichen Titel „Kontaktallergen des Jahres“ verliehen.
Zusammensetzung der Pflasterklebstoffe ist bei jedem Hersteller anders
Obwohl all dies lange bekannt ist, werden Acrylharze gern für Pflaster verwendet. Die zentralen Argumente lauten: Sie kleben außergewöhnlich gut und sind zudem kostengünstig verfügbar. Alle in der Diabetesindustrie verwendeten Pflasterklebstoffe bestehen aus Acrylatpolymeren. „Das Problem ist, dass die Zusammensetzung der Klebstoffe bei jedem Pflasterhersteller anders ist und von den Herstellern auch nicht herausgegeben wird“, kritisierte Dr. Kröger. Daher könne man auch nicht mit einem Standard-Epikutantest beim Hautarzt feststellen, ob man auf einen bestimmten Klebstoff allergisch reagiert oder nicht. Eine zuverlässige Allergiediagnostik sei nur möglich, wenn beim Pricktest eine Probe des tatsächlich konkret eingesetzten Klebstoffs als Einzelsubstanz verwendet wird – doch die lässt sich beim Hersteller nicht ohne Weiteres beschaffen.
Heidi-Methode, Rocktape, Hydrotape, Blasenpflaster – was hilft?
Betroffene, die trotz der massiven Hautreaktionen nicht auf die neuen Möglichkeiten der kontinuierlichen Glukosemessung durch FGM- oder CGM-Systeme verzichten möchten, sind daher längst selbst aktiv geworden. Sie tauschen sich in besagten Facebook-Gruppen intensiv darüber aus, wie man den direkten Kontakt des Klebers mit der Haut durch eine effektive Barriere verhindern kann. Sascha Stiefeling hat auf seinem Blog Sugartweaks einmal ganz heldenhaft sämtliche kursierenden Methoden ausprobiert und bewertet – darunter die vielgepriesene „Heidi-Methode“, Rocktape und Hydrotape, Blasenpflaster, die „Handschuh-Methode“ und seine selbst entwickelte „Beyonce-Methode“.
Nicht nur bei Facebook diskutieren, sondern den Hersteller informieren!
Der Diabetologe Dr. Kröger schien vertraut mit Saschas Ausführungen zu sein: „Da kursieren die abenteuerlichsten Empfehlungen! Da wird einem als Arzt angst und bange!“ Doch auch er rät Betroffenen, mechanische Barrieren zwischen Haut und Sensor zu platzieren. Dies könnten Hautschutzprodukte wie Cavillon, Schutzpflaster wie Tegaderm, Silikonpflaster oder Blasenpflaster sein. Auch Schutzplatten, wie sie Stomaträger verwenden (Stomahesive) eigneten sich unter Umständen. Eine wichtige Bitte hatte Dr. Kröger zum Schluss an alle betroffenen Typ-1-Diabetiker im Publikum: „Das Entscheidende ist, dass Sie als Anwender diese Probleme nicht nur bei Facebook diskutieren, sondern den Hersteller darüber informieren und auf Herausgabe der exakten Zusammensetzung des Pflasterklebers drängen. Sonst bleibt es dabei, dass die Hersteller immer weiter nur die Rate der Hautreaktionen in den Zulassungsstudien zitieren, obwohl es mittlerweile viel mehr Fälle mit Hautirritationen gibt.“
Die FGM-Sticker gibt es u.a. hier.
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 3 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 1 Woche
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 1 Woche
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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