Diabetes und seine Unsichtbarkeit 🔍👀 … ein Vorteil oder ein Problem?!

3 Minuten

Diabetes und seine Unsichtbarkeit … ein Vorteil oder ein Problem | Foto: CaroGo
Foto: CaroGo
Community-Beitrag
Diabetes und seine Unsichtbarkeit 🔍👀 … ein Vorteil oder ein Problem?!

Diabetes sieht man von außen meist nicht. Für Betroffene ist diese Unsichtbarkeit oft ein Vorteil, weil sie diskret bleiben können. Doch sie birgt auch ein Problem, findet Caro. Denn das Umfeld erkennt Belastung und Erschöpfung so häufig nicht, was wiederum Rechtfertigungsdruck erzeugen kann.

Nun, Menschen mit Diabetes möchten ja oft, dass man Pumpen, CGM-Sensoren oder Pens nicht sieht oder bemerkt. Es soll alles diskret sein. Gerade Kinder und Jugendliche legen darauf besonders Wert, um nicht den Fragen der Mitschüler – oder gar Mobbing – ausgesetzt zu sein. Sie wollen „normal“ sein, dazugehören und nicht durch ihren Diabetes auffallen.

Klar soweit! So ging es mir schließlich jahrelang auch. Auch wenn ich eigentlich immer schon sehr offen mit dem Diabetes umgegangen bin und zu Zeiten, als ich noch Pens nutzte, keine Scheu hatte, diese auch in der Öffentlichkeit zu nutzen, war es doch wichtig, den Diabetes auch verstecken zu können.

Als ich aber nach vielen Jahren mit Diabetes plötzlich einsehen musste, dass ich einen Burnout hatte, passierte etwas Erstaunliches. Mein Burnout war nicht im Kern auf den Diabetes zurückzuführen, dennoch sorgte auch der Diabetes dafür, dass mir einfach die Kräfte ausgingen. Als ich nun nach recht langem Leiden zu der Einsicht kam, es ist ein Burnout – ich brauche Hilfe –, kam mir folgender Gedanke als einer der ersten in den Kopf:

Ich will bitte nicht noch so eine unsichtbare Einschränkung haben!

Über diesen Satz musste ich im Nachhinein länger nachdenken. Der Burnout war hart und irgendwann auch sichtbar und ist inzwischen auch behoben – soweit man das auf lange Sicht kann.

Aber bis ich meinen Burnout als solchen erkannt habe, habe ich erst einmal eine ganze Zeit gekämpft und gelitten und mich gefragt: Sieht das denn niemand? Wann fällt dieser Körper denn einfach um, damit es jemand merkt? Während ich natürlich gleichzeitig versucht habe, weiterhin zu funktionieren… genau wie beim Leben mit Diabetes.

Foto: Pixabay – bearbeitet von CaroGo

Dass Diabetes unsichtbar für alle Mitmenschen ist und gleichzeitig eine solche Belastung darstellen kann, war für mich eine Erkenntnis, mit der ich immer noch hadere. Ich nutze ein DIY-Closed-Loop-System, ich habe oft nahezu perfekte Werte, also sollte die Belastung ja recht gering sein. Nein! Ist sie aber nicht.

Denn … Diabetes wird auch von der besten Technik nicht geheilt und ist immer und ständig 24/7 bei dir. Man hat immer Zahlen und Werte im Auge. Auch, wenn dein Umfeld, wie Arbeitskollegen und Freunde, dies kaum wahrnehmen.

Foto: Pixabay

Für mich macht diese Tatsache, dass keiner den Diabetes sehen kann, die Sache schwierig

Denn wenn ich mir ein Bein breche, sieht jeder, dass ich eingeschränkt bin. Beim Diabetes sieht man dies nicht. Eine „Hypo“ wird schnell mal mit einem Snack weggefuttert. Wie es mir dabei und danach geht, sieht niemand. Aber hier bin ich vielleicht auch selber schuld, denn ich versuche ja immer, gut zu funktionieren, falle selten aus und bin selten krank. Wenn ich dann sage: „Puh, nach der ‚Hypo‘ geht’s mir aber schlecht, ich habe Kopfschmerzen und muss schlafen!“, werde ich ungläubig angeschaut… zumindest ist das gefühlt so. Ich habe das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Und das ist mir so unangenehm, dass ich lieber nichts sage und durchhalte.

Das ist sicherlich ein persönliches Problem, Schwächen nicht gut zulassen zu können, aber das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, kann ich nicht abstellen. Geht es euch denn ähnlich? Kennt ihr diese Art Gefühle und den Druck, der dadurch entsteht?

Manchmal wünsche ich mir, dass man die kaputte Bauchspeicheldrüse, wie ein gebrochenes Bein, sehen könnte und jeder wüsste, was es bedeutet, damit zu leben. Deshalb ist Aufklärung und Information auch wichtig – neben der Tatsache, dass Aufklärung zur besseren Früherkennung und Vermeidung von Komplikationen führt.

Quelle: Pixabay – bearbeitet von CaroGo

Der November ist ja bekanntlich der Diabetes-Awareness-Monat. Der Welt-Diabetes-Tag am 14. November kann dazu beitragen, genau diese Awareness und Sichtbarkeit zu verbessern.


von Caro Pudmensky

Caro war Autorin in der Blood Sugar Lounge und hat dort aus dem Leben mit Diabetes berichtet. Hier findet ihr alle Beiträge aus dieser Zeit:

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Typ 1, Typ 2, Typ 3 … wie viele Typen kann man mit Diabetes eigentlich haben?
Michelle war 20 Jahre in dem Glauben, dass sie Typ-1-Diabetes hat, bis sie ein Arzt plötzlich über eine neue Diagnose informiert hat: Typ 3. Die Geschichte dazu erzählt Michelle in diesem Beitrag.
Typ 1, Typ 2, Typ 3 ... wie viele Typen kann man mit Diabetes eigentlich haben? | Foto: Michelle Schmidt

3 Minuten

Community-Beitrag
Warum Geschwister von Kindern mit Typ-1-Diabetes manchmal im Schatten stehen
Manchmal werden Geschwister von Kindern mit Diabetes als Schattenkinder bezeichnet, weil sich die Aufmerksamkeit der Erwachsenen stark auf das erkrankte Kind richtet. Wie lässt sich vermeiden, dass sich die Geschwister so fühlen, als stünden sie im Schatten?

5 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • florahdo postete ein Update vor 4 Tagen, 2 Stunden

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 6 Tagen, 13 Stunden

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?

  • moira postete ein Update vor 6 Tagen, 15 Stunden

    Hallo!
    Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
    Ich wüsste gerne wie gut das klappt.