- Aus der Community
Tiergeflüster
3 Minuten
Ich wuchs auf einem umgebauten Bauernhof auf, mit einem großen Garten und unglaublich vielen Tieren. Meine Eltern waren sorgengeplagte „Workaholics“, was mich sozial ziemlich früh isolierte und einsam machte. Vom Typ her extrovertiert, wuchs ich nach innen gekehrt auf. Die Natur und stundenlange Dialoge, die ich mit allen Tieren um mich herum zu führen glaubte, waren mein Anker und sind mein Fundament.
Die Beziehung zu Tieren als Anker
Es dauerte nicht lange – ich glaube, ich war noch nicht einmal fünf –, da glaubte ich fest daran, mit meinen Tieren richtig „sprechen“ zu können und sie zu verstehen. Ich begrüßte sie mit gesenktem Blick, meine Nase stieß an ihre – ob Hund, Katze, Schweinchen, Meerschweinchen, Hase, Pferd, Kuh oder Esel.
Bei Hühnern, Gänsen, Truthähnen und dem Pfau war ich natürlich distanzierter. Ja, ich wusste mein „Territorium“ wertzuschätzen, ich vertraute meinen Instinkten, wann ich einem Tier näherkommen durfte und wann nicht. Ich sah es fast immer, wenn Tiere nervös oder sauer wurden, und ich weiß sie bis heute zu beruhigen.

Meine Eltern waren keine Bauern. Aus diesem Grund schlachteten wir auch nicht. Im Gegenteil: Wir hatten den Platz und weil ich mich gut und gewissenhaft um alles kümmerte, durfte ich von klein auf überall Tiere retten und mitnehmen, denen es nicht gut ging oder deren Ende bevorstand. Darunter war zum Beispiel einmal ein Esel, der einfach auf einem Müllberg abgestellt worden war. Ich weigerte mich, diesen Esel zurückzulassen, und setzte mich demonstrativ neben ihn auf den Müllberg. Mein Vater, dessen Nerven schon am Ende mit mir waren, ließ mich dort kurzzeitig sitzen und fuhr weg, um schließlich mit einem Anhänger zurückzukommen. Der Esel starrte mich lange an, als wir da alleine auf dem Müllberg verweilten – bis er sich schließlich neben mich legte. Sein Name wurde Pedro. Er erfüllte alle Sturheits-Kriterien, aber er liebte und beschützte mich seit diesem Tag, davon bin ich überzeugt. Einmal wurde ich von einem Hahn angegriffen, weil ich den Küken zu nah kam. Der Esel trat den Hahn so gewaltig weg, als dieser zuhacken wollte, dass dieser seinem Tritt erlag.
Glaube ich an Zufälle?
Heute mit knapp 40 Jahren bin ich mir sicher, dass es die Verbindung zu den Tieren war, die mich innerlich über zwei Jahrzehnte zusammengehalten hatte. Es war tröstend, sie um mich zu wissen. Es gab Tage, da spielten sie mit mir, an anderen ärgerten sie mich, doch sehr oft schenkten sie mir einfach Sicherheit, Vertrauen und Zuversicht.
Nur 1,5 Jahre, nachdem ich mein Elternhaus verlassen hatte und keinen Katalysator in Natur und Tier mehr hatte, erkrankte ich an Typ-1-Diabetes. War das Zufall?
Als ich von meiner Pilotenausbildung zurück nach Hause kam, wurde ich stürmisch von meinen Tieren begrüßt. Meine Katzen legten sich allesamt tröstend auf meinen Bauch – genauso wie an Tagen meiner Menstruation, wenn es mich vor Schmerzen zerriss. Ich war frisch erkrankt, hatte alle Perspektiven in meinem Leben verloren und konnte (und wollte) meine „Hypo“-Symptome noch nicht so gut einschätzen. Einmal „haute“ eine meiner Katzen ständig mit dem Pfötchen auf meine Nase. Sie hörte nicht auf, obwohl ich schlafen wollte. Es stellte sich heraus, dass sie mich auf eine „Hypo“ von 36 mg/dl (2,0 mmol/l) aufmerksam gemacht hatte. War das wieder Zufall?
Der Einfluss von Tieren auf die mentale Gesundheit
Beweisen lässt sich all das (noch) nicht. Doch alle, die Diabetes haben, wissen, dass die Einstellung dieser Krankheit auch sehr stark von unserer mentalen Verfassung mitbestimmt wird. Tiere wirken, meiner Meinung nach, genau darauf ein.
Gehen wir davon aus, dass Tiere und Tierliebhaber einen unsichtbar nahen Zugang zueinander haben – eine Art „Interface“ (Schnittstelle). So kann ich mir vorstellen, dass Tiere über ihren Instinkt spüren können, wie es uns geht und ob irgendeine Abweichung zum „Normalzustand“ vorhanden ist.

Ungeschulte Tiere können uns bereits als liebevoller „Ausgleich“ helfen, wieder Kraft zu schöpfen und emotional wieder ins Lot zu kommen. Doch ausgebildete Tiere wie zum Beispiel die Diabetes-Hunde sind dadurch nicht nur wärmespendende Wegbegleiter, sondern sicherlich auch treue und engagierte Lebensretter.
Leider lebe ich heute in der Großstadt. Meine Vergangenheit verbietet mir innerlich, Tiere in einer Wohnung zu halten, denn ich möchte sie weitestgehend „freilebend“ wissen. Wären die Möglichkeiten gegeben, würde ich mich zutiefst freuen, einen Diabetes-Freund-Hund zu haben. Wie in jeder Beziehung, denke ich, müsste man einander erst einmal kennenlernen. Doch dann würde ich dem Hund vertrauen und wahrscheinlich wäre alleine basierend auf diesem instinktiven Vertrauen mein Sicherheitsgefühl so hoch, dass mein Blutzucker ausgeglichener und ruhiger wäre. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?
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anseaticids postete ein Update vor 4 Tagen, 22 Stunden
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 1 Woche
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more
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othenbuehler postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.
👉 Wen suchen wir?
Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.👉 Was bedeutet die Teilnahme?
Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙
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