- Behandlung
„Arzneimittelkonto NRW“: ein (Medikamenten-)Überblick, der Leben rettet
3 Minuten
Tausende Todesopfer jährlich durch falsch eingenommene Arzneimittel, irrsinnig viele Krankenhauseinweisungen durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder Wechselwirkungen: Hier setzt das Projekt „Arzneimittelkonto NRW“ an. Ziel ist es, dass jeder, der am Behandlungsprozess beteiligt ist, einen Überblick erhält über die Gesamtmedikation: vor allem der Patient selbst, aber auch Hausarzt und Fachärzte, der Apotheker oder die Pflegeeinrichtung. Zu Wort kommen Teilnehmer des Projekts.
Falsch eingenommene Arzneimittel und -kombinationen fordern in Deutschland jedes Jahr über 25 000 Todesopfer. Eine wesentliche Ursache hierfür ist die fehlende Kenntnis der Gesamtmedikation eines Patienten. Dazu zählen auch geschätzt 30 Prozent der Krankenhauseinweisungen durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder Wechselwirkungen.
Genau hier setzt das „Arzneimittelkonto NRW“ an: Ziel ist es, dass jeder, der am Behandlungsprozess beteiligt ist, einen Überblick über die Gesamtmedikation erhält: vor allem der Patient selbst, aber auch Hausarzt und Fachärzte, der Apotheker oder die Pflegeeinrichtung. Dies ist die Voraussetzung zum Erhöhen der Arzneimitteltherapiesicherheit.
Professionsübergreifender Lösungsansatz
Das Arzneimittelkonto NRW ist ein vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördertes Projekt. Konzeption, Umsetzung und Betrieb verantwortet ein Konsortium mit fünf führenden Akteuren des Gesundheitswesens unter Führung des Unternehmens CompuGroup Medical.
Erstmals können in Deutschland mit dem Projekt Arzneimittelkonto NRW die verschiedenen Systeme der beteiligten Partner miteinander kommunizieren. So ist ein professionsübergreifender Lösungsansatz geschaffen. Der Patient muss dazu sein Einverständnis geben, und die Daten werden nach neuesten Vorgaben geschützt. Der Datenschutz wird also in der heute besten Möglichkeit garantiert. Sektorübergreifend werden aus der Arztpraxis, der Apotheke und aus der Pflege alle Arzneimitteldaten zentral in einem digitalen Konto zusammengeführt. So können Arzt und Apotheker einen übergreifenden Arzneimitteltherapie-Check zur Sicherheit des Patienten jederzeit machen.
Programm prüft jede Veränderung
Ein Checkprogramm prüft auf Wechselwirkungen, Kontraindikationen, Doppelverordnungen sowie auf die „PRISCUS-Liste“ (Liste von Arzneimitteln, die im Alter nicht oder nur begrenzt eingenommen werden sollten): bei jeder neuen ärztlichen Verordnung, jeder neuen Medikamentenabgabe in der Apotheke und bei jedem Medikament, das der Patient selbst über seine Mobile App hinzufügt hat. So können Fehler besser entdeckt und verhindert werden. Alle arbeiten mit und orientieren sich an einem einheitlichen, überprüften Medikamentenplan mit Informationen zu Dosierungen, Einnahmezeitpunkten und Besonderheiten.
Das Projekt ist in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens schon gestartet. Patienten, Pflegeheime, Arztpraxen und Apotheken haben sich abgestimmt, um dieses längst überfällige, innovative Konzept einer besseren Vernetzung zum Vorteil der Patienten praktisch auszuprobieren. Dies ist ein weiterer Baustein, um Erfahrungen zu sammeln für eine funktionierende Umsetzung einer digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen. Die Universität Bielefeld begleitet dieses Projekt und wertet es aus.
Hier nun Stimmen von Teilnehmern des Arzneimittelkontos NRW:
Das sagt …
… die Leiterin des Seniorenheims
Wir warten schon zu lange auf ein vernünftiges System zur Kommunikation mit Arzt und Apotheker. Viel zu viel Arbeitszeit geht verloren, weil wir ständig Anrufe machen müssen, um Fragen zum Medikamentenplan oder zu neuen Verordnungen zu klären.Der eine Arzt weiß nicht, was der andere verordnet hat. Die Apotheke macht die Medikamentenanalyse, das ist toll, aber fragt ständig bei uns nach, um Änderungen zu erfahren. Dass alle gleichzeitig auf einen Plan sehen können und ihn bearbeiten und überprüfen, ist ein Segen. Hoffentlich schließen sich bald viele Ärzte an.
Nihal Kacanlar, Leitung Städt. Seniorenheim Linn, Quartelkämpchen 52, 47809 Krefeld
… der Apotheker
Das Arzneimittelkonto ist eine gute Möglichkeit, alle Beteiligten am Medikationsprozess zeitnah auf denselben Stand zu bringen. Dies geschieht systematisch und automatisiert, also nicht aufwendig in einem eigenen Programm, auf Anfrage oder unstrukturiert. So kann ich als Apotheker direkt Unverträglichkeiten, ungewöhnliche Dosierungen oder Doppelverordnungen erkennen und eine Analyse und Bewertung sofort vornehmen und kommunizieren. Skeptisch im Sinne der Umsetzung macht mich nur, dass Voraussetzung ist, dass alle das System in gleicher Weise nutzen, pflegen und so keine Reibungsverluste entstehen. Es ist sicher eine interessante Aufgabe für die Apotheke, verantwortlich in eine digitale Umsetzung zur Sicherheit der Arzneimitteltherapie eingebunden zu sein.
Udo Fabri, Fachapotheker für geriatrische Pharmazie, Burg Apotheke, Hafenstr. 5, 47809 Krefeld, info@die-burgapotheke.de
… die Betroffene
Super, endlich einmal eine sinnvolle App neben dem ganzen Unsinn, den man täglich auf das Smartphone gespült bekommt. So eine Schnittstelle ist unbedingt nötig, Kommunikation der kurzen Wege, keine unnötigen Anrufe oder Besuche in der Praxis oder Apotheke. Wenn ich schnell einen Hustensaft brauche, kann direkt geprüft werden, was der mit meinen Medikamenten und dem Zuckerwert macht. Alle Ärzte und meine Apotheke können den Medikationsplan sehen, und ich muss nicht umständlich erklären, dass ich Typ-1-Diabetikerin mit einer bestimmten Versorgung bin, das erhöht die Sicherheit. Datenschutz muss natürlich gewährleistet sein, aber da mache ich mir keine Sorgen.
Sarah Becker, Typ-1-Diabetikerin, sar.becker@gmx.de
… der Hausarzt
Mich fasziniert die Echtzeitdarstellung bei diesem Konzept eines gemeinsamen Arzneimittelkontos. Verschreibungen verschiedener Ärzte, der Eintrag einer Selbstmedikation oder Änderungen der Dokumentation in einem Seniorenheim sehe ich zeitgleich und kann sie in meine Überlegungen zur Therapie einbeziehen. So werden ärgerliche und unverständliche Kommunikationslücken geschlossen. Jeder hat den Blick auf den vollständigen Medikationsplan. Ich verstehe sehr wohl den Wunsch nach bestmöglichem Datenschutz. Ich habe aber überhaupt kein Verständnis, wenn dies Prozesse und praktische Umsetzungen so langsam und schwerfällig macht, dass auf der Hand liegende Vorteile für den Patienten und seine Sicherheit nicht nutzbar gemacht werden.
Dr. med. Christian Einfalt, Arzt für Allgemeinmedizin, Innere Medizin und Kardiologie, palliative Grundversorgung, Notfallmedizin, Danziger Platz 7, 47809 Krefeld, info@hausarztpraxis-linn.de
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- „Arzneimittelkonto NRW“: ein (Medikamenten-)Überblick, der Leben rettet
von Martina Löher
Projekt-Managerin, Arzneimittelkonto NRW
CompuGroup Medical Managementgesellschaft mbH
Schlaraffiastraße 1, 44867 Bochum
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (10) Seite 26-28
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marina26 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 9 Stunden, 40 Minuten
Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!
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wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 5 Stunden
Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!
Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.
Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.
LG Wolfgang
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 2 Tagen
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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suzana antwortete vor 1 Tag, 22 Stunden
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 1 Tag, 19 Stunden
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
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wolfgang65 antwortete vor 1 Tag, 5 Stunden
Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.
Gruss Wolfgang
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michatype3 antwortete vor 1 Tag, 5 Stunden
Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.
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