- Aus der Community
Auf dem Weg zum Closed Loop: Was die Diabetes-Industrie für uns in der Pipeline hat
4 Minuten
Ich persönlich bin mit meinem ganz gewöhnlichen, mechanischen Insulinpen und mit meinem FreeStyle-Libre-Sensor ja hochzufrieden. Bedarf für eine Insulinpumpe oder ein rtCGM-System sehe ich in meinem Diabetesmanagement nicht. Erst recht nicht für ein System, das Pumpe und Sensor miteinander koppelt und daraus eine quasi automatisierte künstliche Bauchspeicheldrüse („Closed Loop“) macht. Trotzdem finde ich es ungeheuer spannend, was andere Menschen mit Diabetes so alles anstellen, die mehr Spaß an Technik haben als ich. Unter dem Hashtag #wearenotwaiting findet man im Internet mittlerweile jede Menge Informationen von der und über die Community, die keine Lust mehr hat, auf die Industrie zu warten, bis endlich ein kommerzielles Closed-Loop-System verfügbar ist.

Wem es an Lust, Mut und Zeit fehlt, der braucht noch etwas Geduld
Natürlich hat nicht jeder genug Lust, Mut und Zeit, herumzuwerkeln und sich aus vorhandenen Insulinpumpen und CGM-Systemen auf eigene Faust ein Closed-Loop-System zu bauen, wie es diese Bastler tun. Nun, wem es an Lust, Mut und Zeit hierfür fehlt, der braucht halt ein wenig Geduld. Doch über kurz oder lang wird es auch reguläre Produkte von den großen Unternehmen aus der Diabetestechnik-Branche geben, die eine nahezu automatische Insulindosierung auf Basis der gemessenen Gewebezuckerdaten vornehmen.
Beim Jahreskongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der im Mai 2018 in Berlin stattgefunden hat, habe ich hierzu einen sehr spannenden Vortrag von Dr. Andreas Thomas gehört. Er arbeitet beim Unternehmen Medtronic, ist in der Diabetestechnik-Szene mit jedem per Du und hat einen tollen Überblick über diverse Produktentwicklungen, die in seinem eigenen Unternehmen, aber auch in anderen Unternehmen anstehen.
Open Loop – LGS – Hybrid Closed Loop – Closed Loop – bihormoneller Closed Loop
Andreas erläuterte zunächst einmal, was ein System eigentlich leisten muss, um sich als „Closed Loop“ zu qualifizieren. Natürlich muss es zum einen Glukosewerte messen und zum anderen Insulin abgeben. Doch das kann eine sensorunterstützte Insulinpumpentherapie (in Fachkreisen gern mit SuP abgekürzt) auch längst. Wenn Insulinpumpe und CGM-System bei der SuP nur so kommunizieren, dass die Glukosewerte auf dem Pumpendisplay angezeigt werden, reagiert die Pumpe nicht auf fallende oder steigende Glukosewerte, sondern gibt Insulin ausschließlich nach ihrer programmierten Basalrate bzw. in Form von Boli ab.. Ein „Open Loop“ also.
Der nächste Schritt in Richtung Closed Loop ist die automatische Hypo-Abschaltung (in Fachkreisen „Low Glucose Suspend“, LGS, genannt) und prädiktive Hypo-Abschaltung (in Fachkreisen „Predictive Low Glucose Suspend“, PLGS, genannt), die bei niedrigen Glukosewerten die Insulinzufuhr vorübergehend unterbricht. Die Medtronic-Pumpe MiniMed 640G kann das, wenn sie in Verbindung mit einem rtCGM-System verwendet wird. Noch einen Schritt weiter gelangt man zum Hybrid Closed Loop, der mithilfe eines Algorithmus dafür sorgt, dass das System über die Hypo-Abschaltung hinaus auch bei hohen Glukosewerten gegensteuert. Außerdem passt es auf Basis der CGM-Daten die Basalrate permanent an die aktuellen Gegebenheiten an. Ein Bolus zum Essen muss aber auch hier von Hand abgegeben werden.
Ein solches Hybrid-Closed-Loop-System ist in Form der Insulinpumpe MiniMed 670G (wieder in Verbindung mit einem rtCGM-System) in den USA bereits auf dem Markt – in Europa hängt es von den behördlichen Zulassungen ab, wann das System verfügbar sein wird. Die letzte Stufe, sprich: der „echte“ Closed Loop, ist dann erreicht, wenn ein System das Zusammenspiel zwischen Glukosewerten und Insulinspiegel vollkommen eigenständig und ohne manuelle Bolusgaben ausbalanciert – idealerweise sogar in Form eines „bihormonellen Closed Loop“, bei dem die Pumpe nicht nur Insulin, sondern auch dessen Gegenspieler Glukagon enthält.
Einen Closed Loop bauen? Keine triviale Aufgabe!
Insbesondere der bihormonelle Closed Loop ist derzeit noch Zukunftsmusik, weil Glukagon derzeit – anders als Insulin – nur schwer als stabile Flüssigkeit in Ampullen gelagert werden kann. Und auch sonst ist es technisch alles andere als trivial, einen echten Closed Loop zu entwickeln, der als ein Gerät „von der Stange“ bei allen Menschen mit Diabetes gleichermaßen zuverlässig und sicher funktioniert. Da gilt es nämlich das grundsätzliche Problem zu überwinden, dass Insulin mit den gängigen Pumpensystemen ins Unterhautfettgewebe abgegeben wird.
Von dort aus hat es allerdings noch eine kleine Reise vor sich, bis es in der Blutbahn ankommt. Von außen zugeführtes Insulin wirkt also längst nicht so schnell wie vom Körper selbst ausgeschüttetes. Und auch bei der Glukosemessung muss man Verzögerungen einkalkulieren: Ein CGM-Sensor misst den Glukosegehalt im Zwischenzellwasser des Unterhautfettgewebes. Dort gelangt der Zucker aber erst nach den Zwischenstationen Magen/Darm und Blutbahn an, sodass Gewebezuckerdaten keine Blutzuckerdaten sind. All dies muss ein Closed-Loop-Algorithmus ebenfalls berücksichtigen. Und – nicht zu vergessen – wenn ein Produkt dann fertig entwickelt ist, muss es diverse regulatorische und behördliche Hürden nehmen, bevor es auf den Markt kommt.
Nichtsdestotrotz wird an etlichen Fronten fleißig geforscht und entwickelt, damit möglichst bald echte Closed-Loop-Systeme auf den Markt kommen können. Hier einmal ein Überblick über die Projekte, die Andreas bei seinem Vortrag vorgestellt hat:
- Das Unternehmen Insulet arbeitet am OmniPod Horizon, einem OmniPod mit integriertem Bluetooth, der mit dem OmniPod Dash PDM gepaart wird und sich mit dem rtCGM-System von Dexcom koppeln lässt. Zusammen handelt es sich dann um einen Hybrid Closed Loop. Mehr Informationen hierzu gibt es u. a. hier.
- Der Insulinhersteller Lilly entwickelt derzeit eine Einweg-Patch-Pumpe in Form einer Puck-Scheibe, die ein Pumpenreservoir für 3ml Insulin enthält und mit dem rtCGM-System Dexcom G6 gekoppelt wird. Auch dieses System soll ein Hybrid Closed Loop werden, wie man zum Beispiel hier nachlesen kann.
- Das Unternehmen Tandem Diabetes arbeitet ebenfalls an einem Hybrid-Closed-Loop-System, für das es seine X2-Insulinpumpe mit dem rtCGM-System Dexcom G6 verbinden will. Mehr Infos – hier übrigens direkt vom Hersteller – gibt es hier.
- Das Unternehmen Bigfoot Biomedical hat in seiner Pipeline eine Patch-Pumpe mit langlebigem Controller, die in Verbindung mit der nächsten Generation des FreeStyle Libre (der dann wie ein rtCGM funktionieren soll) zu einem Closed Loop wird. Mehr Informationen hierzu gibt es u. a. hier.
Ich finde, das klingt alles spannend und vielversprechend. Doch ein Wermutstropfen bleibt natürlich: All diese interessanten Projekte sind derzeit noch im Entwicklungsmodus, nur für einige von ihnen laufen bereits erste klinische Studien, in denen die Technik auf Herz und Nieren geprüft wird. Wann die neuen Systeme also auf dem Markt erhältlich sein werden, steht derzeit noch in den Sternen. So lange heißt es für Fans eines Closed Loop also: entweder weiter warten oder #wearenotwaiting.
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moira postete ein Update vor 6 Tagen, 22 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
