- Behandlung
Der Ketoazidose vorbeugen durch Frühdiagnostik
4 Minuten
Manchmal kommt ein Typ-1-Diabetes nicht allein: Knapp jedes dritte deutsche Kind mit Typ-1-Diabetes erleidet zum Zeitpunkt der Diagnose eine zum Teil lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose). Die betroffenen Familien müssen sich mit der Diagnose arrangieren, und sie bangen um die Gesundheit ihres Kindes, das oftmals mehrere Wochen in einer Akutklinik versorgt werden muss. Ein Münchner Forscherteam zeigt neue Wege auf.
Es ginge auch anders: mit Früherkennungsuntersuchungen wie der Fr1da-Studie, die wir vom „Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München“ ins Leben gerufen haben. Dadurch können wir ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes erkennen, bevor klinische Symptome auftreten.
Die Fr1da-Studie für Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren war bei ihrem Start im Jahr 2015 in Bayern die weltweit erste bevölkerungsweite Reihenuntersuchung für Typ-1-Diabetes. Werden in dem Bluttest zwei der für einen Typ-1-Diabetes typischen Autoantikörper gegen GAD, IA-2, ZnT8 oder Insulin nachgewiesen, diagnostizieren wir ein Frühstadium der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes.
Vom Frühstadium zum insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes
Als Frühstadium bezeichnen wir ein Krankheitsstadium des Typ-1-Diabetes ohne die typischen Symptome und ohne dass Insulin verabreicht werden müsste. Etwa 50 Prozent der Kinder mit einem Frühstadium benötigen innerhalb von 5 Jahren Insulininjektionen. Bei den anderen 50 Prozent dauert es länger als 5 Jahre. Bisher wissen wir nicht, welche Faktoren die Geschwindigkeit des Fortschreitens vom Frühstadium zum insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes beeinflussen.
Deshalb empfehlen wir allen betroffenen Familien, am Fr1da-Schulungsprogramm teilzunehmen, bei dem sie auch über die normalen Stoffwechselvorgänge und die Autoimmunerkrankung unterrichtet werden. Außerdem werden sie darin unterwiesen, den Glukosestoffwechsel ihrer Kinder gelegentlich zu kontrollieren oder kontrollieren zu lassen.
Schulungen beugen vor
Wissen die Familien von dem Frühstadium der Erkrankung, bleibt ihnen in der Regel ausreichend Zeit, um sich umfassend zu informieren und sich auf die chronische Stoffwechselerkrankung vorzubereiten. Unterstützt werden sie dabei durch unser Studienzentrum und die beteiligten Kinder-Diabeteszentren in ihrer Nähe.
Die Schulung der betroffenen Familien dauert zwei Stunden. Kernstück des theoretischen Schulungsteils ist das Erläutern der Warnsignale, mit denen sich der symptomatische Typ-1-Diabetes ankündigt, zum Beispiel starker Durst und vermehrter Harndrang, Gewichtsabnahme, Leistungsabfall, Bauchschmerzen und häufigere Harnwegsinfekte.
In erster Linie geht es um die Fähigkeit zu erfassen, welche Maßnahmen bei einem erhöhten Blutzuckerwert ergriffen werden sollten. Die Fakten können die Familien in einer Broschüre aus dem Kirchheim-Verlag nachlesen (siehe Kasten).
Darüber hinaus bleibt Raum für Gespräche über die Auswirkungen der Diagnose auf die Lebensplanung und die psychische Belastung, welche die Diagnose mit sich bringen kann. Außerdem erfassen wir psychischen Stress und bieten bei Bedarf psychologische Unterstützung an.
Der Vorsorgeplan
Je nach Ergebnis des „oralen Glukosetoleranztests“ (OGTT) regen wir an, die Blutwerte alle 6 Monate bei normaler Glukosetoleranz bzw. alle 2 bis 3 Monate bei gestörter Glukosetoleranz (Dysglykämie) zu überprüfen. Die Familien werden dazu angehalten, den Stoffwechsel ihres Kindes durch Bestimmen des Urinzuckers oder Blutzuckers regelmäßig zu kontrollieren.
Kinder mit einem erhöhten Blutzucker sollten darüber hinaus auch ihren Blutzucker einmal wöchentlich messen. Bislang konnte auf diese Weise bei allen Studienteilnehmern, die an dem von uns empfohlenen OGTT teilgenommen hatten, eine Ketoazidose vermieden werden.
Statt lebensbedrohlichen Zustands: Chancen der Frühdiagnostik nutzen
Im klinischen Alltag erfahren viele Familien erst von der Erkrankung ihres Kindes, wenn es in einem oft lebensbedrohlichen Krankheitszustand in die Klinik eingeliefert wird. Frühdiagnostik birgt die Chance, durch rechtzeitiges Eingreifen Komplikationen wie Ketoazidosen zum Zeitpunkt der Diagnose zu vermeiden. Dies wurde mit Studien wie BABYDIAB, TEDDY oder DAISY bewiesen.
Ketoazidosen zeigen sich in Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, starkem Durst und häufigem Wasserlassen, extremer Müdigkeit sowie teilweise in Bewusstlosigkeit. Sie führen in 1 Prozent der Fälle sogar zum Tod. Mit Ketoazidosen können in seltenen Fällen laut einer australischen Studie in bis zu 25 Prozent der Fälle chronische Schäden am zentralen Nervensystem wie dem Gehirn einhergehen. Diese äußern sich in Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen.
Früherkennung – früherer Beginn mit wichtiger Insulintherapie
Früherkennungstests gewährleisten ferner, dass mit der Insulintherapie frühzeitig begonnen werden kann, was die Stoffwechselkontrolle verbessert. So hat eine Forschergruppe aus Colorado in einer Veröffentlichung von 2017 festgestellt, dass nach einer Ketoazidose zum Zeitpunkt der Diagnose der Insulinbedarf in den ersten Monaten höher ist.
Und: Auch der Langzeit-Blutzucker (HbA1c) fiel über 15 Jahre hinweg höher aus, als wenn keine Ketoazidose vorangegangen war. Die Autoren sahen zudem Folgeerkrankungen in einem Zusammenhang mit der Ketoazidose.
Diese Studien gibt es: |
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| Freder1k | Screening auf ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes (Bayern, Niedersachsen, Sachsen; für Kleinkinder mit einem erstgradig Verwandten mit Typ-1-Diabetes deutschlandweit) (www.gppad.org) | bis zum Alter von 4 Monaten |
| POInT | Studie zur Prävention von Typ-1-Diabetes mit Insulinpulver (www.gppad.org) | zwischen 4 und 7 Monaten |
| PINIT | Studie zur Untersuchung des Nutzens einer Behandlung mit Insulin-Nasenspray (www.typ1diabetes-verhindern.de) | zwischen 1 und 7 Jahren |
| Fr1da | Screening auf ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes durch Messen von Inselautoantikörpern in Bayern (www.fr1da-studie.de) | zwischen 2 und 5 Jahren |
| Fr1dolin | Screening auf ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes durch Messen von Inselautoantikörpern in Niedersachsen (www.fr1dolin.de) | zwischen 2 und 6 Jahren |
| Fr1da-Insulin-Intervention | Interventionsstudie mit Insulinpulver für Kinder mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes, d. h. mindestens 2 Inselautoantikörper sind vorhanden (www.typ1diabetes-verhindern.de) | zwischen 2 und 12 Jahren |
| TrialNet-ABATACEPT | Interventionsstudie mit Abatacept (Handelsname: Orencia) für Menschen mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes, d. h. mindestens zwei Inselautoantikörper sind vorhanden (www.helmholtz-muenchen.de/idf/studien-und-konsortien/trialnet) | zwischen 12 und 45 Jahren |
Diese Langzeiteffekte betonten auch schwedische Forscher im Jahr 2018, die ähnliche Daten in ihrer „DiPiS-Studie“ erhoben hatten: Hier hatten Kinder mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes, die vor der Diagnose an einer Studie teilgenommen hatten und deren Stoffwechsel regelmäßig kontrolliert worden war, über einen Zeitraum von 5 Jahren nach der Diagnose des manifesten Diabetes bessere HbA1c-Werte.
Unsere Verlaufsbeobachtungen zielen darüber hinaus darauf ab, vorbeugende Therapien gegen einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln.
Vorsichtige Hoffnung: Typ-1-Diabetes verzögern … oder sogar verhindern
Frühdiagnostik eröffnet Möglichkeiten der Intervention, zum Beispiel mit Insulinpulver oder dem Biopharmazeutikum Abatacept, das Kindern mit einem Frühstadium vorbeugend verabreicht wird.
Tel.: 08 00/0 00 00 18 (kostenfreie Info-Hotline), E-Mail: contact@gppad.org
, Website: www.gppad.org
Der endgültige Nachweis für die Wirksamkeit muss zwar noch in unseren laufenden Studien erbracht werden: Erste Erfahrungen zum Beispiel mit dem Insulinpulver berechtigen aber zu der vorsichtigen Hoffnung, dass Typ-1-Diabetes langfristig verzögert oder sogar verhindert http://werden
kann.
- Wie eine Ketoazidose entsteht
- Der Ketoazidose vorbeugen durch Frühdiagnostik
- Ketoazidose: manchmal auch bei normalen Messwerten
- Gut geschult?
von Dr. Kerstin Kick, Claudia Pecher und Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, Forschergruppe Diabetes
Klinikum rechts der Isar / Technische Universität München
Ingolstädter Landstraße 1, 85764 Neuherberg
Tel.: 089 3187 2896, Fax: 089 89 3187 3144
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (4) Seite 24-26
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
