- Behandlung
Diabetes-Technologie in der Zukunft: Was sich Menschen mit Diabetes wünschen
3 Minuten
Wer Diabetes hat, wünscht sich oft, dass die Krankheit das Leben so wenig wie möglich beeinflusst. Daraus ergeben sich einige Wünsche für die Zukunft z.B. an die Technologie – die tatsächlich zum Teil inzwischen annähernd erfüllt sind.
Wenn man vor 20 oder 30 Jahren Menschen mit Typ-1-Diabetes nach ihren Wünschen für die Behandlung des Diabetes fragte, wurden vor allem drei Dinge genannt:
- die wenigstens teilweise Heilung des Diabetes, z. B. durch die Transplantation von Inselzellen,
- die bedarfsgerechte und individuell angepasste Zufuhr von Insulin mit einer automatisch gesteuerten Insulinpumpe (ein Closed-Loop-System, aktuell bezeichnet als System zur automatisierten Insulin-Dosierung, AID),
- die unblutige Messung des Blutzuckers.
Da bereits fünf verschiedene AID-Systeme in Deutschland verfügbar sind, ist der Wunsch nach einem Closed-Loop-System annähernd erfüllt. Allerdings sind es noch Hybrid-Systeme: Die basale Insulinabgabe (Basalrate) und Insulin zum Senken erhöhter Glukosewerte (Korrektur-Boli) werden automatisch abgegeben, den Bolus zur Mahlzeit geben sich die Betroffenen noch per Hand.
Beim Wunsch nach einer unblutigen Messung ist es bisher nicht gelungen, mit physikalischen Methoden hinreichend genaue Mess-Ergebnisse für die Kontrolle der Glukosewerte bei Diabetes zu erzielen. Achtung hierbei: Im Internet angebotene Uhren mit „Blutzuckermessung“ erfüllen keineswegs die Kriterien!
Allerdings hat sich das kontinuierliche Glukose-Messen (CGM) etabliert. Weil dabei ein Glukose-Sensor nach seinem Einführen unter die Haut zwischen 7 und 14 Tagen zuverlässig misst und ein „blutiges“ Messen des Blutzuckers nur ab und zu notwendig ist, kann auch hier von einer Annäherung an das Erfüllen des dritten Wunsches gesprochen werden.
Diabetes-Technologie der Zukunft: wesentliche Entwicklungen und Visionen
Das Ziel jeder Weiterentwicklung ist, das Leben von Menschen mit Diabetes möglichst weitgehend unbelastet vom Diabetes zu gestalten. Dazu existieren zahlreiche Visionen, zum Teil auch schon Entwicklungen. Diese ergeben sich aus der Vision bezüglich neuer Methoden und Geräte und unter dem Aspekt der dafür anfallenden Kosten und dem sich daraus ergebenden Preis. Genannt seien:
Entwicklung von kosteneffizienten CGM-Sensoren
Aktuell wenden weltweit etwa 10 Millionen Menschen CGM an, was deutlich unter der Zahl derer liegt, die von CGM profitieren würden. Eine wesentliche Ursache dafür ist die Preis-intensive Technologie. Die Vision ist, diese zukünftig mit Mikro- oder gar Nanoelektronik herzustellen. Sensoren weisen dann ein Design wie mikroelektronische Schaltkreise auf. Aktuell werden elektronische Chips auf 12-Zoll-Scheiben (etwa 30 cm) gefertigt. Würde man so CGM-Chips herstellen, könnten auf einer Scheibe 20.000 und mehr Sensor-Chips entstehen. Der Preis für einen Sensor läge dann geschätzt bei einem US-Dollar.
Analyse der CGM-Daten mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz
Daraus lassen sich Hinweise ableiten, die für das Therapie-Management wichtig sind und die auf Smartphones der Anwendenden geschickt werden können. Auf diese Weise entsteht ein Hilfs-System für Menschen mit Diabetes (PDSS: Patient Decision Support System) und auch Ärzte (CDSS: Clinical Decision Support System). Ebenfalls könnten solche Daten direkt an eine Insulinpumpe weitergegeben und für die Steuerung der Insulin-Abgabe genutzt werden. Und es lassen sich darauf Apps für die Behandlung aufbauen.
Einbeziehen von anderen Parametern
Weitere Parameter wie Puls, Hautfeuchtigkeit usw., gemessen mit Sensoren ebenfalls auf dem Sensor-Chip werden zusätzlich zur Beurteilung der Stoffwechsellage hinzugezogen.
Einbeziehen von Daten zur Charakterisierung einer Mahlzeit
Programme, welche eine Mahlzeit anhand von Fotos beurteilen, gibt es bereits. Daraus ließe sich die für eine Mahlzeit notwendige Insulindosis berechnen und abgeben.
Anwendung bei einem vollautomatischen AID-System
Die detailliertere Analyse der vorhandenen Daten, ggf. auch unter Anwenden von künstlicher Intelligenz, sorgt für das Lernen des Systems. So werden die Algorithmen verfeinert und individualisiert. In geringem Umfang erfolgt bereits eine Erweiterung der aktuell verfügbaren Hybrid-AID-Systeme. Mahlzeiten werden z. B. nur noch qualitativ gewählt, also Frühstück, Mittagessen und Abendessen sowie klein, mittel und groß.
Unblutige Glukose-Messung
Es gibt eine große Zahl physikalischer Methoden, mit denen ein Glukose-Messen ohne Eindringen in die Haut möglich ist. Allerdings wurde bisher bei der Anwendung im Alltag nicht die für die Diabetes-Behandlung notwendige Genauigkeit erreicht. Das Problem ist ein ungünstiges Verhältnis von Glukose-Signalen und Störsignalen wie Wasser, Fett und Eiweiß. Hocheffektive optische Sensoren könnten das Problem deutlich vermindern. Nicht invasive Systeme hätten viele Vorteile: Sie könnten sowohl für das kontinuierliche als auch das punktuelle Glukose-Messen eingesetzt werden. Sie lassen sich beliebig oft und langzeitig nutzen. Es fällt kein Verbrauchsmaterial an. Und man muss sich das Gerät nur einmal zulegen.
Bio-Reaktoren mit funktionalen Zellen
Ein weiterer Ansatz sind Bio-Reaktoren, die in den Bauchraum eingebracht werden und auf denen insulinproduzierende Beta-Zellen und ggf. auch glukagonproduzierende Alpha-Zellen integriert sind. Die Zellen geben Insulin und Glukagon entsprechend der Glukose-Konzentration in der Umgebung des Bio-Reaktors ab, müssen aber mit Sauerstoff versorgt werden. Entsprechende Entwicklungen laufen bereits.
Bio-Chips, auf denen Insulin-produzierende Beta-Zellen sitzen
Die Zellen geben entsprechend dem Glukose-Reiz Insulin ab. Die abgegebene Menge an Insulin ist ein Maß für die vorhandene Glukose-Konzentration im Blut, die Beta-Zelle damit gewissermaßen ein „Glukose-Sensor“. Das Bestimmen der Insulinmenge auf dem Chip kann in ein Signal umgewandelt werden, welches als Glukosewert ausgegeben wird und/oder ein AID-System steuert. Bisher ist ein solcher Bio-Chip eher ein Werkzeug für die Diabetes-Forschung und Hilfsmittel bei der Beta-Zell-Transplantation.
Schwerpunkt „Die Zukunft der Diabetes-Therapie“
- Zukunft der Diabetes-Schulung: Hilfe zur Selbsthilfe
- Diabetes-Technologie in der Zukunft: Was sich Menschen mit Diabetes wünschen
- Wachsende Bedeutung: personalisierte Therapie des Typ-2-Diabetes
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (1/2) Seite 14-15
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bloodychaos postete ein Update vor 4 Tagen, 6 Stunden
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Tag, 22 Stunden
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri
