Diabetesforschung am Höhlenfisch

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Diabetesforschung am Höhlenfisch

Insulinresistenz ist eine Vorstufe von Typ-2-Diabetes und entwickelt sich aufgrund eines dauerhaften Überangebots an Nahrung. Sie führt langfristig zu erhöhten Blutzuckerspiegeln und zieht beim Menschen viele Folgeerkrankungen nach sich. Nicht so beim Höhlensalmler der Art Astyanax mexicanus. Der Süßwasserfisch nutzt die Insulinresistenz offenbar, um mit einem extrem reduzierten Nahrungsangebot auszukommen. Aufgrund seines außergewöhnlichen Zuckerstoffwechsels könnte der Höhlenbewohner Karriere machen als Modellorganismus für die Diabetesforschung.

Bewegungsmangel, Übergewicht und zu viel Zucker in der Nahrung können langfristig dazu führen, dass die Körperzellen ihre Empfindlichkeit gegenüber dem Hormon Insulin verlieren. Zucker kann dann nicht mehr in ausreichender Menge in Muskel-, Leber- und Fettzellen eingeschleust und dort verbrannt werden. Ein Metabolisches Syndrom entwickelt sich, die erhöhte Zuckerkonzentration im Blut beeinträchtigt viele Organsysteme.

Mit der Zeit kommt es zu Schäden an kleinen und größeren Blutgefäßen und Nervenzellen, mit möglichen Auswirkungen auf Herzkreislaufsystem, Nieren, Nerven, das Sehvermögen und andere Körperfunktionen.

Erhöhter Blutzucker? Kein Problem für den Höhlenfisch

Ein US-amerikanisches Wissenschaftlerteam berichtet im Fachmagazin „Nature“ von einer außergewöhnlichen Regulation des Zuckerstoffwechsels bei einem Süßwasserfisch. Dieser lebt in Höhlen und muss mit einem sehr unregelmäßigen und die meiste Zeit des Jahres extrem niedrigen Nahrungsangebot auskommen.

Im Laufe der Evolution haben die Höhlenbewohner darauf reagiert: Eine sehr hohe Insulinresistenz und ein dadurch dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel scheint sie zu befähigen, lange Zeit von den eigenen Reserven zu leben. Zuckerbedingte Folgeschäden an den Organsystemen sind bei diesen Fischen nicht zu beobachten.

Ein neues Modell im Dienste der Diabetesforschung

Im Gegensatz zu verwandten Fischarten, die an nährstoffreicheren Gewässeroberflächen leben, zeigen die höhlenbewohnenden Fische eine genetische Veränderung des Insulinrezeptors. Diese führt dazu, dass weniger Zucker in die Körperzellen eingeschleust werden kann. Die Mechanismen, die die Fische vor den dauerhaft erhöhten Zuckerspiegeln im Blut schützt, sind noch nicht im Detail bekannt.

Eine vergleichbare Gen-Veränderung des Insulinrezeptors kann auch beim Menschen auftreten und führt dort zu einer schweren Form der Insulinresistenz. Der Höhlensalmler könnte aufgrund seines außergewöhnlichen Zuckerstoffwechsels zu einem interessanten Modellorganismus für die Diabetesforschung werden, so die Autoren. Die Forschung am Fisch könne auf lange Sicht Erkenntnisse darüber liefern, wie Folgeerkrankungen von Typ-2-Diabetes vermieden werden könnten.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München

Bild von H. Zell/Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0

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  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 4 Tagen, 21 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

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