Neue Medikamente: Gamechanger für die Therapie des Typ-2-Diabetes

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© Ray_Shrewsberry | Pixabay
Neue Medikamente: Gamechanger für die Therapie des Typ-2-Diabetes

Jahrzehntelang war der Blutzuckerspiegel das wichtigste Kriterium für einen gute Einstellung, im Fokus stand der Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert). Neue Medikamente für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind nun zum Gamechanger geworden: Sie senken nicht nur den Blutzucker, sondern verringern auch das Risiko für Langzeitschäden und Sterblichkeit drastisch.

Fast jede/r Zehnte in Deutschland leidet an Typ-2-Diabetes – mit steigender Tendenz. Oft tritt dieser im Rahmen eines metabolischen Syndroms auf. Dann leiden die Patientinnen und Patienten auch an Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Gerinnungsstörung und niederschwelliger Entzündung. „Das ist eine toxische Kombination“, sagt Univ. Professor Dr. med. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg, „denn sie bildet die Grundlage für schwerwiegende Folgeerkrankungen“.

Dazu gehören etwa kardiovaskuläre und mikrovaskuläre Komplikationen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen, aber auch Niereninsuffizienz, Erblindung, Nervenschädigungen und das diabetische Fußsyndrom. Aufgrund dieser Komplikationen erhöht sich auch die Sterblichkeit der Betroffenen deutlich. „Das therapeutische Ziel in der Behandlung muss deshalb auf die Verhinderung von Langzeitschäden dieses Syndroms ausgerichtet sein. Und das bedeutet Therapie ein ganzes Leben lang“, so Prof. Seufert, Präsident des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Das metabolische Syndrom von Anfang an mitbehandeln

Bei dieser „multifaktoriellen Therapie“ werden Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und der Diabetes mellitus Typ 2 gleichzeitig behandelt. „Dies kann heute durch den sinnvollen Einsatz von neuen Medikamenten gelingen“, sagt Seufert. Denn diese neuen Medikamente “senken eben nicht nur den Blutzucker, sondern beeinflussen auch die Begleiterkrankungen positiv”:

Für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 habe sich in Studiendaten aus den letzten Jahren gezeigt, dass gerade neuere antidiabetisch wirksame Medikamente wie SGLT2-Inhibitoren und GLP-1 Rezeptoragonisten einen wesentlichen Beitrag nicht nur zur Verbesserung des Stoffwechsels, sondern auch zur Gewichtsreduktion und zur Blutdruckreduktion leisten können. Dazu gehöre auch das Verhindern von Langzeitschäden und Folgekomplikationen sowie die Reduktion der Sterblichkeit.

SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten sind Gamechanger

SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten werden als Gamechanger bezeichnet, damit gemeint ist in diesem Fall, dass sich durch sie die Behandlung radikal verändert.

Substanzklasse der SGLT-2-Inhibitoren

SGLT-2-Inhibitoren – mit den Vertretern Dapagliflozin, Empagliflozin, Canagliflozin, Sotagliflozin und Ertugliflozin – sind Antidiabetika in Tablettenform (orale Einnahme). Über die Hemmung eines Natrium/Glukose-Cotransporters an der Niere führen sie zu einer vermehrten Ausscheidung von Glukose, jedoch ohne die Gefahr einer Unterzuckerung. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel schonend gesenkt, die Adipositas geht zurück und der Blutdruck fällt. „Die Studienergebnisse haben darüber hinaus auch einen echten Schutz vor Langzeitschäden an Herz und Niere, im Sinne eines Langzeit-Organschutzes, gezeigt“, so der Diabetologe und Endokrinologe.

Medikamentengruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten

GLP-1-Rezeptoragonisten mit den Vertretern Exenatid, Lixisenatid, Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid, Albiglutid und Efpeglenatid sind in den letzten Jahren überzeugende Studiendaten zur Reduktion von Langzeitschäden bei Diabetes mellitus Typ 2 und des metabolischen Syndroms vorgelegt worden. Diese Medikamente imitieren die Wirkung des körpereigenen Inkretin- und Darmhormons Glukagon-like Peptide 1 (GLP-1). Sie führen zu einem ausgeprägten Rückgang von Übergewicht und Adipositas, bei gleichzeitiger positiver Wirkung auf Blutzucker und Blutdruck.

„Der Blutzucker-senkende Effekt ist hierbei durchaus mit Insulin zu vergleichen. Entsprechend empfehlen die nationalen und internationalen Leitlinien, GLP-1-Rezeptoragonisten vor dem Einsatz von Insulin zu erwägen“, ergänzt Seufert. Studien konnten darüber hinaus belegen, dass die Substanzgruppe das Risiko für Langzeitschäden durch das metabolische Syndrom reduzieren kann. Besonders der Rückgang von Herzinfarkten und Schlaganfällen war ausgeprägt. GLP-1-Rezeptoragonisten müssen injiziert, also gespritzt, werden.

Langzeittherapie und Einsatz zur Gewichtsabnahme

  • Werden SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten eher von einem Diabetologen/einer Diabetologin oder vom Hausärzt/von der Hausärztin verschrieben, wurde in der Pressekonferenz gefragt. Seuferts Antwort: Die Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren sei einfach und in der Hausarztpraxis gut durchführbar. Auch für die Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten, die ja gespritzt werden müssen, sei keine spezielle Expertise durch einen Facharzt nötig. Beide Medikamente seien sehr sicher, das Nebenwirkungsprofil überschaubar.
  • In einer weiteren Frage ging es um die LangzeittherapIe: Gibt es schon Studien, z. B. um langfristige Nebenwirkungen aufzudecken. Hier konnte Seufert nicht von Studien, aber von der langen klinischen Erfahrung mit beiden Medikamentengruppen berichten: “Man kann Menschen mit Typ-2-Diabetes beruhigen, dass keine neuen Nebenwirkungen auftreten.”
  • Wenn nun sowohl SGLT-2-Inhibitoren als auch GLP-1-Rezeptoragonisten auch bewirken, dass Nutzerinnen und Nutzer Gewicht verlieren – können sie dann auch nur zu diesem Zweck eingesetzt werden? Das schon, ein GLP-1-Rezeptoragonist ist auch zur Gewichtsregulierung bei Übergewicht zugelassen. Allerdings dieses Medikament dann als Lifestyle-Medikament – und muss selbst bezahlt werden.

HbA1c ist nicht mehr der einzige Zielparameter der Behandlung

„Wir beobachten einen Paradigmenwechsel – statt der vorwiegenden Fokussierung auf den Zielparameter HbA1c, der den langfristigen durchschnittlichen Zuckergehalt im Blut angibt, rückt eine Behandlungsstrategie in den Vordergrund, die auch die Begleiterkrankungen in den Blick nimmt “, fasst DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Stephan Petersenn aus Hamburg zusammen.

Fazit

Bei der Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2, die häufig gleichzeitig an einem metabolischen Syndrom leiden, zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab – also ein grundlegender Wandel: Der therapeutische Fokus liegt nun von Anfang an auch auf der Behandlung der Begleiterkrankungen und nicht nur auf der Einstellung des Blutzuckerspiegels. Langzeitschäden und Sterblichkeit konnten in Studien so drastisch reduziert werden.

Möglich wird dies durch eine mehrgleisige Therapie, die auch den frühen Einsatz von sogenannten SGLT2-Inhibitoren und GLP-1 Rezeptoragonisten beinhaltet. Klinische Studien zeigen hier übereinstimmend die hohe Wirksamkeit des kombinierten Einsatzes beider Substanzgruppen. Dies gilt insbesondere bei hohen kardiovaskulären Risiken und bestehender Herz- und Niereninsuffizienz.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

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  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂