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Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr etwa 7 Millionen Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls. In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 300 000 Menschen einen Schlaganfall, von denen etwa 30 Prozent innerhalb eines Jahres sterben. Mehr als 50 Prozent müssen in ihrem weiteren Leben mit extremen Einschränkungen leben oder können ohne fremde Hilfe ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Insbesondere Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren sind davon in steigendem Maß betroffen. Mehr als 80 Prozent aller Schlaganfälle treten bei Menschen jenseits des 60. Lebensjahrs auf.Etwa jeder vierte Mensch über 80 Jahre ist in Deutschland an einem Typ-2-Diabetes erkrankt – das Risiko für einen Schlaganfall steigt dadurch um bis zu 17 Prozent.
Die gerade zurückliegende COVID-19-Pandemie hat sehr wichtige neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit einer notwendigen Behandlung auf einer Intensivstation gebracht. Das hat auch zu einer effektiveren Versorgung von Menschen mit Schlaganfall geführt. Speziell die Einrichtung von "Stroke Units" (Schlaganfall-Einheiten) hat die Versorgung von Menschen mit Schlaganfall, ansatzweise flächendeckend, in Deutschland verbessert. Schon vor etwa 20 Jahren etablierten sich in Deutschland "Schlaganfall-Netzwerke", die telemedizinische Möglichkeiten, die damals allerdings noch begrenzt waren, ergänzten. Die telemedizinische Versorgung von Menschen mit einem Schlaganfall hat sich inzwischen etabliert.
Schlaganfälle liegen statistisch gesehen weltweit neben dem Herzinfarkt und der koronaren Herzkrankheit (KHK) an zweiter Stelle der Todesursachen. Ein Schlaganfall ist neben dem Herzinfarkt und der Herzschwäche die gefürchtetste Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Ischämische Schlaganfälle, also durch Durchblutungs-Störungen bedingte, machen über 80 Prozent der Schlaganfälle aus, nur 20 Prozent sind durch Blutungen verursacht.
Prophylaktische Gaben von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren haben sich bisher zum Vorbeugen eines Schlaganfalls nicht als effektiv erwiesen – dies gilt auch für eine vorbeugende Gabe von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure, vielen bekannt als "Aspirin". Dagegen gibt es viele bekannte und behandelbare Risikofaktoren. Die wichtigsten sind:
Eine Studie aus England mit mehr als 300 000 Menschen zeigte auch, dass vererbte, also genetische, Faktoren zu etwa einem Drittel für Schlaganfälle verantwortlich sind, zwei Drittel jedoch durch einen ungesunden Lebensstil: zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Rauchen.
Eine besonders wichtige Rolle spielt das Normalisieren erhöhter Blutdruckwerte. Dies ist durch zahlreiche Studien mittlerweile belegt. Auch ein erhöhtes Risiko für Denkstörungen (nicht jedoch einer Demenz) scheint durch normale Blutdruckwerte zu sinken.
Störungen der Durchblutung im Gehirn entstehen meist durch Gerinnsel (Thromben). Diese bilden sich oft an rauen Oberflächen in den Gefäßen, sowohl in den Hirnarterien als auch in Gefäßen, die zum Gehirn führen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren dafür ist, wie schon beschrieben, der Bluthochdruck, insbesondere der systolische Blutdruck (oberer Wert). Es konnte in Studien gezeigt werden, dass ein systolischer Blutdruck-Anstieg um 10 mmHg das Risiko für einen Schlaganfall um 30 Prozent erhöht. Menschen mit einem Bluthochdruck haben ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall im Vergleich zu Menschen mit normalen Blutdruckwerten. Drei Viertel aller Patientinnen und Patienten mit einem Schlaganfall haben einen erhöhten Blutdruck.
Gerinnsel aus Arterien außerhalb des Gehirns können sich lösen und in Hirngefäße gelangen. Solche Gerinnsel, die zu arteriellen Embolien (Gefäß-Verschlüssen) führen, kommen vor allem aus dem Herzen, besonders aus dem linken Vorhof und dem "Vorhof-Ohr" (einer Aussackung des Herzens) bei Vorhofflimmern, aber auch bei Erkrankungen der Klappen im Herzen. Bei einem Herzinfarkt oder Aussackung der Herzwand (Aneurysma; z. B. nach Infarkt), bei Entzündung der Herzinnenhaut oder nach bestimmten Katheter-Eingriffen können ebenfalls Blutgerinnsel entstehen.
Etwa 15 Prozent aller Hirnblutungen treten spontan auf, wobei auch hierbei einer der wichtigsten Faktoren der Bluthochdruck ist. Eine Hirnblutung entsteht durch ein Einreißen von Gefäßen. Seltener sind Blutungen z. B. unter der Therapie mit Gerinnungshemmern (Antikoagulanzien). Aber auch bei Gerinnungsstörungen und bestimmten Gefäßerkrankungen im Gehirn, z. B. Aussackungen (Aneurysmen), können sie vermehrt vorkommen.
Die Stelle, an der die Störung der Durchblutung auftritt, bestimmt die Art der Beschwerden. Wenn die Halsschlagader (Arteria carotis interna) betroffen ist, sind die Hauptsymptome häufig
Ist dagegen die Arteria vertebralis im Bereich der Halswirbelsäule betroffen, kommt es häufiger zu
Weitere Beschwerden können Schluckstörungen, Urin- oder Stuhlinkontinenz, Anfälle ähnlich einer Epilepsie und Störungen der Atmung sein.
Ist die Durchblutung in den Gehirnarterien nicht komplett unterbrochen, sondern nur höhergradig eingeschränkt durch einen mehr als 70-prozentigen Verschluss des Gefäßes oder durch ein Gerinnsel, kann es zu einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) kommen. Eine TIA ist eine vorübergehende Störung der Durchblutung mit Symptomen, die innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden. Dieser "kleine Schlaganfall" ist nicht selten Vorbote eines "großen Schlaganfalls" in den darauffolgenden Tagen.
Bei etwa 12 Prozent aller Menschen mit Diabetes bestehen Störungen der Hirndurchblutung. "Leichte" Störungen der Durchblutung können bereits früh zu Störungen im Gehirn führen. Dies ist z. B. zu merken, wenn das logische Denken, Aufmerksamkeit und Organisationsfähigkeit nachlassen. Im Alter zwischen 65 und 74 Jahren haben darüber hinaus etwa 20 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes Vorhofflimmern, also ein großes Risiko für einen Verschluss von Hirnarterien durch ein Gerinnsel.
Der Doppler- bzw. Duplex-/Farbduplex-Ultraschall spielt bei der Diagnose von Verkalkungen (Plaques) oder Engstellen (Stenosen) der Halsschlagader bzw. der Zwischen-Wirbel-Arterie (Arteria vertebralis) eine entscheidende Rolle. Er ist schnell einsetzbar und beliebig wiederholbar ohne schädliche Strahlen oder die Belastung durch Kontrastmittel zum Darstellen der Gefäße, was besonders wichtig ist, wenn bereits ein Nierenschaden vorliegt. Man könnte durch regelmäßige Untersuchungen mit Ultraschall schon Jahre vor einem Verschluss krankhafte Wandverdickungen oder Kalk-Ablagerungen erkennen und die weitere Entwicklung abschätzen. Spezielle Untersuchungen (z. B. Angio-CT, MRT) erlauben zusätzlich das Darstellen des gesamten Gehirns mit seiner Durchblutung.
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