Überprüfen Sie Ihre Injektions-Gewohnheiten!

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Überprüfen Sie Ihre Injektions-Gewohnheiten! | Foto: Syda Productions – stock.adobe.com
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Überprüfen Sie Ihre Injektions-Gewohnheiten!

Haben Sie unerklärliche Blutzuckerschwankungen? Bevor Sie (und Ihr Arzt) sich an ein neues Insulinspritzenschema machen, sollten Sie Ihre Injektions-Gewohnheiten überprüfen: Wechseln Sie regelmäßig Ihre Injektionsstellen?

Das Fallbeispiel

Frau Löwenbarth, 76 Jahre, spritzt seit 18 Jahren Insulin. Zunächst spritzte sie Mischinsulin und nahm zusätzlich 2 x 1 Tbl. Metformin ein. Seit 10 Jahren macht sie nun eine “intensivierte Insulintherapie” (ICT) mit 3 x täglich Kurzzeit-Humaninsulin und 1 x täglich Lantus®.

In den letzten Wochen sind ihre Blutzuckerwerte immer schlechter geworden. Mal hat sie extrem hohe Werte, manchmal sehr niedrige mit Unterzuckerungszeichen. Sie kann sich das nicht erklären, da sie ansonsten nichts verändert hat.

Dauerhaft dieselbe Spritz-Stelle führen zu Geschwülsten

Als Frau Löwenbarth vom Hausarzt zum Diabetologen geschickt wird, bemerkt dessen Diabetesberaterin sofort die fast “monströsen Schwellungen” rechts und links des Bauchnabels. Dies sind Fettgeschwülste, Lipo-Hypertrophien, die sich durch regelmäßiges Spritzen an von ihr bevorzugten Stellen entwickelt haben. Jetzt wirkt das Insulin nicht mehr gleichmäßig, denn es wird nicht mehr kontinuierlich aus diesen Stellen ins Blut abgegeben!

Darüber hinaus hatte Frau Löwenbarth wegen ihres Übergewichtes (102 kg/168 cm Größe) mit einer 12-mm-Nadel auch am Oberschenkel gespritzt. Damit hat sie wahrscheinlich öfter in den Muskel als ins Unterhautfettgewebe getroffen. Dort wirkt Insulin schneller, und es schmerzt!

Lipo-Hypertrophien: wie sich das Fett ansammelt

Wenn Patienten jahrelang regelmäßig mal rechts, mal links vom Nabel oder auch am Oberschenkel Insulin spritzen, vor allem mit langen Nadeln (8 bis 12 mm), kann es zum Abbau von Fettgewebe (Lipo-Atrophien) kommen. Oder aber, was häufiger vorkommt, zum Anhäufen von Fett, den Lipo-Hypertrophien. Diese sind häufig in Form eines mehr oder weniger großen Hängebauches erkennbar – oder als Reithosen am Oberschenkel.

In Zeiten, in denen noch nicht hochgereinigte Humaninsuline eingesetzt wurden, kamen derartige Veränderungen noch sehr viel häufiger vor als heute. Aber sie sind einer der häufigsten Gründe für “oft unerklärliche Blutzuckerschwankungen”, da das Insulin in ihnen ungleichmäßig resorbiert und damit auch ungleichmäßig ins Blut abgegeben wird. Die Wirkung des Insulins wird so unkalkulierbar. Sie sind die häufigste lokale Komplikation einer Insulintherapie – bis zu 48 Prozent bei insulinspritzenden Diabetikern.

Nadel zu lang – und zu selten gewechselt

Durch zu lange Nadeln oder wenn die Nadeln nicht nach jeder Injektion gewechselt werden, entstehen oft Verletzungen im Gewebe. Auch versehentliche Injektionen in den Muskel mit oft zu schneller Wirkung bei Verwendung von Basal-Insulin (das ja eigentlich langsam und gleichmäßig wirken soll).

Injektionsort entscheidet

Studien haben auch gezeigt, dass Insulin je nach Injektionsort unterschiedlich schnell aus dem Unterhautfettgewebe aufgenommen wird: Insulin wird besonders schnell aus dem Unterhautfettgewebe resorbiert, wenn es rechts oder links oder unterhalb des Nabels injiziert wird.

Am schnellsten wirkt es jedoch bei Injektionen einige Zentimeter oberhalb des Nabels, am langsamsten bei Injektion seitlich am Oberschenkel – jeweils ins Unterhautfettgewebe. Deshalb sollten Kurzzeit-Human- bzw. Kurzzeit-Analog-Insuline grundsätzlich nur am Bauch injiziert werden , mit 4- bis 8-mm-Nadeln. Und zwar immer subkutan (s.c.), also ins Unterhautfettgewebe.


Basale Humaninsuline sollen grundsätzlich am Oberschenkel s.c. gespritzt werden, in der Regel mit 4- bis 8-mm-Nadeln – ebenso das Langzeit-Analog-Insulin Levemir®. Dieses darf keinesfalls in den Muskel gespritzt werden (kurze Nadel nehmen!), da es dann wie ein schnellwirksames Insulin wirkt. Insulin Glargin (Lantus®) kann am Oberschenkel als auch s.c. am Bauch gespritzt werden.

Woraus Fettansammlungen bestehen

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Fettansammlungen ausschließlich aus Fettzellen bestehen. Bei ausgeprägten Fettansammlungen ist dieses faserig und relativ arm an Blutgefäßen. Diese Fettzellen sind doppelt so groß wie normale Fettzellen und bestehen ausschließlich aus Fetttröpfchen. Die Injektion in solche Stellen führt oft zu unerklärlichen Blutzuckerschwankungen.

So zeigt sich denn auch bei vielen Patienten, dass sich die Blutzuckerwerte rasch bessern, wenn sie in neue Stellen spritzen – insbesondere mit kurzen Nadeln s.c. Manchmal so gut, dass die Insulindosis extrem reduziert werden kann – und sogar muss, um nicht zu unterzuckern! Dies sollte man bei der Umstellung auf neue Spritzstellen mit kurzen Nadeln unbedingt berücksichtigen! Untersuchungen der Haut beim Menschen mittels Kernspintomographie haben gezeigt, dass die Hautdicke (Oberhaut und Haut = Epidermis und Dermis) in allen Injektionsbereichen nur etwa 2 mm beträgt, und zwar unabhängig von Gewicht, Alter oder Geschlecht des Betroffenen. Das heißt:

Nadellänge ist wichtig!

Bei normal bzw. leicht übergewichtigen Menschen sticht man mit einer 4-mm-Nadel ohne Hautfalte sicher in das Unterhautfettgewebe; da wo das Insulin auch hingelangen soll! Mit einer 5-mm-Nadel kommt man ohne Falte bei sehr schlanken Personen oder Kindern oft schon zu tief – nämlich auf die Muskelfaszie oder in den Muskel selbst. Dies kann zu Schmerzen führen und/oder zu einer schnelleren Wirkung des gespritzten Insulins. Mit einer 6-mm-Nadel ist man dann fast immer bereits auf der Muskelfaszie, mit einer 8-mm-Nadel bei schlanken Patienten meist schon im Muskel!

Übergewichtige Patienten mit entsprechender Fettdicke besonders am Bauch können natürlich, wenn sie bisher mit ihren 8-mm-Nadeln gut gefahren sind, diese auch weiterhin verwenden. Am Oberschenkel sollten diese aber nur noch dann verwendet werden, wenn eine Hautfalte gebildet werden kann und die Injektion schräg erfolgt. Andernfalls spritzt man hier regelmäßig in den Muskel, und nicht subkutan . Eine viel schnellere Insulinwirkung ist trotz Verwendung von Basal-Insulin die Folge!

Merke: Eine Nadellänge von 4 bis 5 mm bei schlanken bzw. leicht adipösen Patienten ist sicher und reicht völlig aus. Sehr adipöse Patienten können auch weiterhin ihre 8-mm-Nadeln am Bauch verwenden, wenn sie gute Erfahrungen damit gemacht haben.

Noch etwas Technisches

Die Nadeltechnologie hat sich extrem verbessert, heute gibt es besseren Insulininjektions-Komfort sowie eine sicherere Insulinapplikation. Herstellungsverfahren erlauben, trotz geringerer Nadellängen die gleiche Menge an Insulin zu verabreichen. Diese Nadeln werden (wie sonst auch große Röhren) bei der Herstellung in die Länge gezogen.

Dadurch wird die Wand der Nadel dünner, aber der innere Durchmesser bleibt trotz immer dünnerer Nadel gleich. So kann trotz kürzerer und dünnerer Nadeln dieselbe Menge Insulin gespritzt werden wie bei langen und dicken Nadeln – aber mit weniger Schmerzen und sicherer!

Das Fazit

Regelmäßiger Wechsel der Injektionsstellen und der Nadeln bei der Injektion vorausgesetzt, lassen sich Lipo-Hypertrophien reduzieren bzw. vermeiden und dadurch manch unerklärliche Blutzuckerschwankung beseitigen. Bevor nachgedacht wird über ein neues Spritzenschema, neue Insuline usw., sollte zunächst den praktischen und naheliegenden Aspekten der Insulininjektion mehr Beachtung geschenkt werden: vom Betroffenen selbst, vom Hausarzt oder vom Diabetologen.


von Dr. Gerhard-W. Schmeisl

Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2012; 61 (12) Seite 42-44

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  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
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  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

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