Angst vor Unterzuckerungen: Auswirkungen auf Eltern von Kindern mit Diabetes

3 Minuten

Angst vor Unterzuckerungen: Auswirkungen auf Eltern von Kindern mit Diabetes | Foto: Tomsickova – stock.adobe.com
Foto: Tomsickova – stock.adobe.com
Angst vor Unterzuckerungen: Auswirkungen auf Eltern von Kindern mit Diabetes

Jeder, der Typ-1-Diabetes hat, kennt sie: Unterzuckerungen. Sie treten mal selten, mal häufig auf, mal leicht, mal schwer. Für den Körper bedeuten sie Stress – und bei Eltern von Kindern kann Angst davor entstehen. Eine Studie untersuchte Zusammenhänge.

Unterzuckerungen gehören zu den Situationen im Leben mit Diabetes, die sich wahrscheinlich kaum jemand wünscht. Denn zu niedrige Glukosewerte können zum einen dazu führen, dass man sich sehr unwohl fühlt: Man ist möglicherweise schwach, schwitzt heftig, kann nicht klar denken, um nur einige Symptome zu nennen. Bei extrem niedrigen Werten kann es aber auch zu ungewolltem Verhalten kommen wie Aggressivität oder unangebrachter Albernheit und im schlimmsten Fall zum Verlust des Bewusstseins.

Deshalb ist verständlich, dass sowohl Menschen mit Diabetes, ob große oder kleine, und auch Eltern von Kindern mit Diabetes solche Situationen mitunter fürchten – auch, weil Unterzuckerungen die häufigste Akutkomplikation eines Typ-1-Diabetes darstellen. Und das zu starke Abfallen der Glukosewerte ist, trotz aller modernen Technologien, auch heute nicht immer vorhersagbar.

Angst vor Unterzuckerungen: Eltern und Kinder in Studie befragt

Eine Publikation aus dem Jahr 2024 greift die Problematik der Angst vor Unterzuckerungen auf, speziell bei Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. Bisherige Studien zeigten, dass die Angst vor Unterzuckerungen zunimmt, wenn bereits schwere Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit aufgetreten sind. Je kürzer eine solche Situation zurückliegt, desto wahrscheinlicher kommt es zur Angst. Auch extrem häufiges Kontrollieren der Glukosewerte kann daraus folgen. Gerade Eltern bereiten die Nächte Sorgen und Situationen, in denen ihr Kind nicht in ihrer Obhut ist.

In der aktuellen griechischen Studie setzten die Forschenden den Fragebogen „Hypoglycemia Fear Survey-II“ (HFS-II) in zwei Varianten ein – eine für Eltern, eine für Kinder –, um Ängste vor Unterzuckerungen bei Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes und den Kindern selbst intensiver zu untersuchen. Dabei ging es um den Zusammenhang zwischen dieser Angst und demografischen oder auf die Krankheit bezogenen Faktoren wie das Alter der Kinder, die Dauer des Typ-1-Diabetes, den letzten HbA1c-Wert, die Art der Behandlung und die Häufigkeit von Unterzuckerungen.

Untersucht wurden 100 Familien mit 6- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen, die seit mindestens drei Monaten Diabetes hatten. Die Diabetesdauer der Teilnehmenden variierte zwischen drei Monaten und gut 16 Jahren.

Angst der Eltern größer als die der Kinder und unabhängig von vielen Einflussfaktoren

Interessant bei den Ergebnissen ist, dass die Eltern im Vergleich zu den Kindern bei fast allen Aussagen im Fragebogen eine größere Angst vor Unterzuckerungen zeigten als die Kinder selbst. Nur die Aussagen „Ich esse große Snacks vor dem Schlafengehen“, „Ich reduziere meine Insulindosis, wenn ich denke, dass mein Blutzucker sehr niedrig ist“ und „Ich bewege mich weniger, wenn ich denke, dass mein Blutzucker niedrig ist“ bestätigten die Kinder häufiger.

Die Angst vor Hypoglykämien zeigte sich bei Kindern und Eltern unabhängig vom Alter der Kinder. Auch die Dauer, seit der der Typ-1-Diabetes beim Kind bekannt ist, hatte keinen Einfluss auf das Empfinden der Angst. Der HbA1c-Wert spielte ebenfalls kaum eine Rolle für das Angst-Empfinden. Es gab nur eine leichte Tendenz bei den Eltern zu einer größeren Angst, wenn die HbA1c-Werte ihrer Kinder bei 7 % (53 mmol/mol) oder höher lagen, während bei den Kindern eher Werte unter 7 % (53 mmol/mol) die Angst erhöhten.

Betrachtet man weitere Studien, zeigt sich dieser Zusammenhang auch nur begrenzt oder nicht. Zu berücksichtigen ist hierbei, wie die Studien-Autorinnen und -Autoren erläutern, dass ein HbA1c-Wert nichts über die Schwankungen der Glukosewerte aussagt, sodass bei höheren HbA1c-Werten und stärkeren Schwankungen durchaus auch einige Unterzuckerungen auftreten können.

Kein Einfluss durch vorher aufgetretene Unterzuckerungen

In Bezug auf die Behandlung des Diabetes gab es nur eine geringgradig erhöhte Angst bei den Eltern, wenn ihr Kind mit einer Insulinpumpe und nicht mit einer intensivierten Insulintherapie (ICT) mit Insulinpen behandelt wurde. Bei den Kindern selbst wirkte sich die Therapieart nicht auf ihre Angst vor Unterzuckerungen aus.

Bevor die Studie durchgeführt wurde, war von den Forschenden erwartet worden, dass in der Vergangenheit aufgetretene Unterzuckerungen das Angst-Empfinden beeinflussen würden. Dies bestätigte sich in dieser Studie nicht. Weder schwere noch leichte Unterzuckerungen steigerten die Angst der Eltern oder Kinder.

Dies steht im Gegensatz zu älteren Studien, wo genau dieser Zusammenhang gesehen wurde. Diese waren allerdings aus der Zeit, als es noch keine Systeme für das kontinuierliche Glukose-Messen (CGM) gab, was die Situation nach Meinung der Autorinnen und Autoren verändert haben könnte.

Wissen über Unterzuckerungen hilft und schützt

Wichtig ist für Eltern, mit ihrem Diabetes-Team über eine bestehende Angst vor Unterzuckerungen zu sprechen. Nur so ist es möglich, darauf einzugehen und Lösungen zu finden. Und: Es ist wichtig, zum Thema Unterzuckerungen gut Bescheid zu wissen. Dabei helfen Schulungen. Und ein paar beliebte „Hypo-Helfer“ gibt es im folgenden Kasten.

Hypo-Helfer – 10 g Kohlenhydrate sind z. B. enthalten in:

  • 10 g Traubenzucker-Plättchen (Dextroenergy, 2 Stück)
  • 13 g Gummibärchen (Haribo)
  • 14 g Rosinen
  • 120 ml Orangensaft
  • 13 g Jubin (Zuckerlösung)
  • 20 g Mandel-Schnitte (Alnatura)

von Dr. med. Katrin Kraatz

Dr. med. Katrin Kraatz ist Ärztin, Medizin-Redakteurin und lebt seit ihrer Kindheit mit Typ-1-Diabetes. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit am Diabetes-Anker (vormals Diabetes-Journal) und ist seit 2021 zusammen mit Prof. Haak Chefredakteurin der Zeitschrift. Darüber hinaus schreibt Dr. Kraatz auch für weitere Diabetes-Medien aus dem Hause MedTriX.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (1/2) Seite 46-47

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg
Samira Firoziboyaghchi wuchs im Iran auf und bekam als junge Frau Typ-1-Diabetes. Inzwischen lebt sie in Deutschland. Ihr Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg. Auch deshalb hat sie das Kinderbuch „Mira und der blaue Drache“ geschrieben, dass Kindern mit Diabetes Mut machen und Stärke geben soll.
Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg | Foto: privat

8 Minuten

Nachgefragt | Recht: Welche Leistungen gibt es für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen mit Diabetes?
Es gibt nicht wenige sehbeeinträchtigte und blinde Menschen, die auch Diabetes haben. Diese brauchen im Alltag oft mehr Unterstützung als Standardlösungen bieten. Welche Leistungen, Hilfsmittel und Assistenz können Mobilität, Schule und Beruf erleichtern? Und warum lohnt es sich, Anträge früh zu stellen? Das beantwortet Rechts-Experte Oliver Ebert.
Nachgefragt | Recht: Welche Leistungen gibt es für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen mit Diabetes? | Foto: Pixel-Shot – stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • uho1 antwortete vor 9 Minuten

      @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände