- Eltern und Kind
Angst vor Unterzuckerungen: Auswirkungen auf Eltern von Kindern mit Diabetes
3 Minuten
Jeder, der Typ-1-Diabetes hat, kennt sie: Unterzuckerungen. Sie treten mal selten, mal häufig auf, mal leicht, mal schwer. Für den Körper bedeuten sie Stress – und bei Eltern von Kindern kann Angst davor entstehen. Eine Studie untersuchte Zusammenhänge.
Unterzuckerungen gehören zu den Situationen im Leben mit Diabetes, die sich wahrscheinlich kaum jemand wünscht. Denn zu niedrige Glukosewerte können zum einen dazu führen, dass man sich sehr unwohl fühlt: Man ist möglicherweise schwach, schwitzt heftig, kann nicht klar denken, um nur einige Symptome zu nennen. Bei extrem niedrigen Werten kann es aber auch zu ungewolltem Verhalten kommen wie Aggressivität oder unangebrachter Albernheit und im schlimmsten Fall zum Verlust des Bewusstseins.
Deshalb ist verständlich, dass sowohl Menschen mit Diabetes, ob große oder kleine, und auch Eltern von Kindern mit Diabetes solche Situationen mitunter fürchten – auch, weil Unterzuckerungen die häufigste Akutkomplikation eines Typ-1-Diabetes darstellen. Und das zu starke Abfallen der Glukosewerte ist, trotz aller modernen Technologien, auch heute nicht immer vorhersagbar.
Angst vor Unterzuckerungen: Eltern und Kinder in Studie befragt
Eine Publikation aus dem Jahr 2024 greift die Problematik der Angst vor Unterzuckerungen auf, speziell bei Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. Bisherige Studien zeigten, dass die Angst vor Unterzuckerungen zunimmt, wenn bereits schwere Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit aufgetreten sind. Je kürzer eine solche Situation zurückliegt, desto wahrscheinlicher kommt es zur Angst. Auch extrem häufiges Kontrollieren der Glukosewerte kann daraus folgen. Gerade Eltern bereiten die Nächte Sorgen und Situationen, in denen ihr Kind nicht in ihrer Obhut ist.
In der aktuellen griechischen Studie setzten die Forschenden den Fragebogen „Hypoglycemia Fear Survey-II“ (HFS-II) in zwei Varianten ein – eine für Eltern, eine für Kinder –, um Ängste vor Unterzuckerungen bei Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes und den Kindern selbst intensiver zu untersuchen. Dabei ging es um den Zusammenhang zwischen dieser Angst und demografischen oder auf die Krankheit bezogenen Faktoren wie das Alter der Kinder, die Dauer des Typ-1-Diabetes, den letzten HbA1c-Wert, die Art der Behandlung und die Häufigkeit von Unterzuckerungen.
Untersucht wurden 100 Familien mit 6- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen, die seit mindestens drei Monaten Diabetes hatten. Die Diabetesdauer der Teilnehmenden variierte zwischen drei Monaten und gut 16 Jahren.
Angst der Eltern größer als die der Kinder und unabhängig von vielen Einflussfaktoren
Interessant bei den Ergebnissen ist, dass die Eltern im Vergleich zu den Kindern bei fast allen Aussagen im Fragebogen eine größere Angst vor Unterzuckerungen zeigten als die Kinder selbst. Nur die Aussagen „Ich esse große Snacks vor dem Schlafengehen“, „Ich reduziere meine Insulindosis, wenn ich denke, dass mein Blutzucker sehr niedrig ist“ und „Ich bewege mich weniger, wenn ich denke, dass mein Blutzucker niedrig ist“ bestätigten die Kinder häufiger.
Die Angst vor Hypoglykämien zeigte sich bei Kindern und Eltern unabhängig vom Alter der Kinder. Auch die Dauer, seit der der Typ-1-Diabetes beim Kind bekannt ist, hatte keinen Einfluss auf das Empfinden der Angst. Der HbA1c-Wert spielte ebenfalls kaum eine Rolle für das Angst-Empfinden. Es gab nur eine leichte Tendenz bei den Eltern zu einer größeren Angst, wenn die HbA1c-Werte ihrer Kinder bei 7 % (53 mmol/mol) oder höher lagen, während bei den Kindern eher Werte unter 7 % (53 mmol/mol) die Angst erhöhten.
Betrachtet man weitere Studien, zeigt sich dieser Zusammenhang auch nur begrenzt oder nicht. Zu berücksichtigen ist hierbei, wie die Studien-Autorinnen und -Autoren erläutern, dass ein HbA1c-Wert nichts über die Schwankungen der Glukosewerte aussagt, sodass bei höheren HbA1c-Werten und stärkeren Schwankungen durchaus auch einige Unterzuckerungen auftreten können.
Kein Einfluss durch vorher aufgetretene Unterzuckerungen
In Bezug auf die Behandlung des Diabetes gab es nur eine geringgradig erhöhte Angst bei den Eltern, wenn ihr Kind mit einer Insulinpumpe und nicht mit einer intensivierten Insulintherapie (ICT) mit Insulinpen behandelt wurde. Bei den Kindern selbst wirkte sich die Therapieart nicht auf ihre Angst vor Unterzuckerungen aus.
Bevor die Studie durchgeführt wurde, war von den Forschenden erwartet worden, dass in der Vergangenheit aufgetretene Unterzuckerungen das Angst-Empfinden beeinflussen würden. Dies bestätigte sich in dieser Studie nicht. Weder schwere noch leichte Unterzuckerungen steigerten die Angst der Eltern oder Kinder.
Dies steht im Gegensatz zu älteren Studien, wo genau dieser Zusammenhang gesehen wurde. Diese waren allerdings aus der Zeit, als es noch keine Systeme für das kontinuierliche Glukose-Messen (CGM) gab, was die Situation nach Meinung der Autorinnen und Autoren verändert haben könnte.
Wissen über Unterzuckerungen hilft und schützt
Wichtig ist für Eltern, mit ihrem Diabetes-Team über eine bestehende Angst vor Unterzuckerungen zu sprechen. Nur so ist es möglich, darauf einzugehen und Lösungen zu finden. Und: Es ist wichtig, zum Thema Unterzuckerungen gut Bescheid zu wissen. Dabei helfen Schulungen. Und ein paar beliebte „Hypo-Helfer“ gibt es im folgenden Kasten.
Hypo-Helfer – 10 g Kohlenhydrate sind z. B. enthalten in:
- 10 g Traubenzucker-Plättchen (Dextroenergy, 2 Stück)
- 13 g Gummibärchen (Haribo)
- 14 g Rosinen
- 120 ml Orangensaft
- 13 g Jubin (Zuckerlösung)
- 20 g Mandel-Schnitte (Alnatura)
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (1/2) Seite 46-47
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 4 Tagen, 12 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 4 Tagen, 11 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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