- Eltern und Kind
Eine Operation – und nun?
4 Minuten
Größere OPs am besten in Zentren mit entsprechender Erfahrung
Daraus ergibt sich die Empfehlung, dass insbesondere größere operative Eingriffe an Kindern mit Diabetes in Zentren mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden sollen. Diese Zentren verfügen typischerweise über eine Kinderdiabetologie, mit der sich die Abteilung für Anästhesiologie bei ihrem Vorgehen abstimmt.
Welche Faktoren wirken auf den Blutzucker?
Operation und Narkose führen zu einer Ausschüttung gegenregulatorischer, kontrainsulinärer Hormone wie Epinephrin, Glukagon, Cortison, Wachstumshormon und bestimmten Zytokinen. Diese Hormonveränderungen führen zu verschiedenen Stoffwechselstörungen, welche alle zu höheren Blutzuckerwerten und evtl. auch zu einer Übersäuerung (Ketose) durch Bildung von Azeton bzw. Ketonkörpern führen.
Diese hormonellen Veränderungen sind individuell verschieden und in ihrer Ausprägung abhängig von der Art der Narkose, der Dauer der Operation und dem klinischen Verlauf nach der OP (insbesondere von Komplikationen wie einer Infektion und Schmerzen).
Das Narkosevorgespräch
Im Anschluss an das Gespräch wird der Anästhesist die Nüchternheitsgrenzen festlegen: Ihr Kind darf bis zu sechs Stunden vor der geplanten Operation noch essen und bis zu zwei Stunden vor der Operation klare Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Apfelsaft trinken.
Narkose unter einer Stunde
Falls möglich, sollten auch kleinere Eingriffe/Untersuchungen in Narkose möglichst morgens als erstes durchgeführt werden. Optimale Blutzuckerwerte während des Eingriffes liegen zwischen 90 – 180 mg/dl (5 – 10 mmol/l).
Neigt Ihr Kind morgens zu Hypoglykämien, sollte in der Nacht vor der Operation das Langzeitinsulin bzw. die Basalrate leicht reduziert werden, um morgendliche Hypoglykämien während des Nüchternseins zu vermeiden. Im Gegensatz dazu können Aufregung, geänderter Tagesablauf und Schlafstörung in der Nacht vor der Operation zu höheren Nüchternblutzuckerwerten am Operationstag führen.
Wenn das Kind eine Insulinpumpe trägt
Am Operationstag darf kein morgendlicher Bolus mehr gegeben werden, nur höhere Werte sollten korrigiert werden. Falls notwendig, können Korrekturen höherer Werte während und nach dem Eingriff über die Pumpe abgegeben werden. Wenn Ihr Kind nach der Operation wieder wach und bereit zu essen ist, erfolgt der normale Mahlzeiten-Bolus.
Etwa 15 Minuten vor Abruf in den OP erhält das Kind einen Schlaf- und Beruhigungssaft, bei Kleinkindern oftmals auch rektal wie bei einem Zäpfchen. Um später schmerzfrei einen venösen Gefäßzugang anlegen zu können, wird auf dem Handrücken zur Betäubung der Haut eine Creme mit Lokalanästhetikum aufgetragen.
Ist das Kind durch den Beruhigungssaft müde geworden, begleiten Sie es gemeinsam mit einer Schwester zur OP-Schleuse. Hier erwartet Sie das Anästhesie-Team, welches nochmals die Einhaltung der vereinbarten Nüchternzeiten abfragt und sich über die Vollständigkeit aller Unterlagen, den richtigen Patientennamen und die geplante OP vergewissert. Auch wird der aktuell von Ihnen gemessene Blutzuckerwert und die letzte Insulingabe erfragt.
Hat Ihr Kind eine Insulinpumpe, wird die aktuelle Insulinabgabe (Basalrate) nochmals überprüft und der Anästhesist lässt sich bei Bedarf kurz die wichtigsten Bedienungsschritte zeigen. Unter der Wirkung des Schlafsaftes verabschiedet sich Ihr Kind unbesorgt von Ihnen und erhält dann im OP-Vorraum die Narkose.
Während der OP wird der Blutzucker regelmäßig kontrolliert und, falls erforderlich, korrigiert. Deutet sich ein Absinken des Blutzuckers unter den vorab festgelegten Grenzwert an, wird über die Vene glukosehaltige Elektrolytlösung zugeführt. Selten ist es erforderlich, steigende Blutzuckerwerte durch zusätzliche Insulingaben zu korrigieren. In diesem Fall wird das Insulin meist nicht subkutan verabreicht, sondern schnell wirksames Insulin über die Vene gespritzt.
Der Vorteil der intravenösen Gabe ist die bessere Steuerbarkeit – die Resorption aus subkutanen Depots kann durch eine beeinträchtigte Hautdurchblutung bei operationsbedingt gestörter Wärmeregulation unzuverlässig und verzögert erfolgen.
Nach der Operation
Nach der Operation wird die Narkose beendet und Ihr Kind wird in den Aufwachraum verlegt, wo es unter Überwachung durch die Aufwachraumschwestern seine Narkose ausschläft. Sobald Ihr Kind anfängt, wach zu werden, holen Sie es in Begleitung einer Krankenschwester im Aufwachraum ab. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Aufwachraumpersonal bereits vergewissert, dass die Atmung und die Herz-Kreislauf-Funktion unauffällig sind, Ihr Kind keine Schmerzen hat und die Blutzuckerwerte stabil sind.
Nach der Operation bleiben Sie noch ein paar Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus. Während dieser Zeit wird auf eine nachhaltig effektive Schmerztherapie geachtet und vorsichtig erst mit Trinken, dann mit Essen begonnen. Verläuft all dies unauffällig, wird die gewohnte Insulintherapie (angepasst an Blutzucker und Nahrungsaufnahme) wieder aufgenommen.
Wichtig ist in der Zeit nach der OP eine engmaschige Blutzuckerkontrolle, weil unter dem Einfluss der noch nachwirkenden Narkosemedikamente eine anästhesiebedingte Schläfrigkeit nicht von einer hypoglykämiebedingten Bewusstseinstrübung unterschieden werden kann.
Dies gilt auch für die erste Zeit nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Für die Fahrt nach Hause im eigenen Auto ist neben dem Fahrer deshalb eine zweite Begleitperson erforderlich, die sich uneingeschränkt um den Patienten kümmern kann. Treten zuhause Unsicherheiten auf, sprechen Sie sich bitte mit dem diensthabenden Anästhesisten ab. Seine Telefonnummer wird Ihnen bei Entlassung nach Hause mitgegeben. Er steht Ihnen rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung.
Größere Operationen
Der geplante Eingriff sollte, falls möglich, als erstes erfolgen, am besten morgens, um die Dauer des Nüchternseins möglichst kurz zu halten. Am Operationstag bekommt Ihr Kind keine reguläre Insulingabe mehr. Wegen der Nüchternzeit erfolgt ca. zwei Stunden vor dem Eingriff eine standardisierte intravenöse Insulingabe mit gleichzeitiger Flüssigkeitsgabe. Intravenös gegebenes Insulin wirkt wesentlich kürzer und erlaubt eine genauere Glukosekontrolle.
Während der Operation wird regelmäßig der Blutzucker kontrolliert und gegebenenfalls auf höhere oder niedrigere Blutzuckerspiegel reagiert. Auch nach der Operation wird engmaschig der Blutzucker kontrolliert, solange Insulin über die Vene verabreicht wird. Nachdem Ihr Kind aus der Narkose aufgewacht ist und es wieder essen und trinken darf, wird wieder auf das normale Insulinregime gewechselt, die intravenöse Insulingabe und auch die Flüssigkeitszufuhr beendet.
Der optimale Blutzucker-Bereich während der Operation ist 90 – 180 mg/dl (5 – 10 mmol/l). Nach dem Aufwachen sind Blutzuckerwerte zwischen 80 – 160 mg/dl (4,5 – 8 mmol/l) anzustreben. Korrekturen höherer Blutzuckerwerte erfolgen nach dem bisherigen Korrekturfaktor Ihres Kindes.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 3 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 1 Stunde, 5 Minuten
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 4 Minuten
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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