- Aus der Community
Früh- versus Spätzünder
3 Minuten
Die Bezeichnungen „Jugend-“ und „Altersdiabetes“ für Typ-1- und Typ-2-Diabetes sind angesichts von 5-jährigen Typ-2-Diabetikern und Typ-1-Diabetikern, die ihre Diagnose mit Anfang 40 erhalten, längst überholt. Treffender wäre die Unterscheidung in „Früh-“ und „Spätzünder“. Denn eines bestimmten Tages war für jeden von uns „Tag X“ – der Tag der Diagnose. Manch einer hat diesen als Kleinkind erlebt und vermutlich dessen Tragweite nicht so wahrgenommen wie Neu-Diabetiker im Jugendalter oder „Spätzünder“, die bis dahin schon viele Jahrzehnte ohne den Diabetes gelebt haben.

Ich wurde im Alter von 21 Jahren diagnostiziert, mitten in meinem Studium. Bin ich damit nun ein Früh- oder ein Spätzünder? Ein Gefühl für völlig unterschiedliche Empfindungen in diesem Zusammenhang bekam ich zum ersten Mal, als ich mit Mitte 20 am „Camp D“ von Novo Nordisk teilnahm, einem mehrtägigen Event für Jung-Diabetiker aus ganz Deutschland. Ich teilte mir dort ein Zelt mit drei anderen Typ-1-Diabetikern, darunter eine 18-Jährige. Als sie mir erzählte, dass sie seit ihrem 3. Lebensjahr Diabetes hat, war ich ganz betroffen und reagierte mit: „Oje, das ist heftig.“ Auf Betroffenheit folgte Überraschung, denn sie wiederum antwortete, als sie hörte, dass ich „erst“ mit 21 diagnostiziert wurde, ebenfalls: „Oje, das ist heftig.“
Eine Frage der Perspektive
Spannend, oder? Ich für meinen Teil stellte es mir extrem schwierig vor, als Kind den Umgang mit Diabetes zu lernen, sich in Kindergarten und Schule zu behaupten und gerade in der Teenager-Zeit, wenn verwirrende Gefühle, Hormone und erste Erfahrungen mit Alkohol anstehen, seinen Diabetes nie ganz zu vergessen – und war froh, später diagnostiziert worden zu sein. Sie wiederum stellte es sich ganz furchtbar vor, „mitten im Leben“ so plötzlich mit einer Diabetes-Diagnose konfrontiert zu sein. Sie kenne es ihr ganzes bisheriges Leben lang ja gar nicht anders, meinte sie, aber ich dagegen hätte ja alles erst von jetzt auf gleich erlernen und umstellen müssen.
Unsere konträren Reaktionen von damals zeigen: Es gibt keinen „optimalen“ Zeitpunkt. Jeder muss sich zwangsläufig arrangieren, egal, ob er 5, 25, 45 oder 65 Jahre alt ist, wenn er von seiner Diabeteserkrankung erfährt. Und trotzdem gibt es natürlich verschiedene altersabhängige Rahmenbedingungen: Als minderjähriger Neu-Diabetiker tragen die Eltern die Verantwortung für eine gute Blutzucker-Einstellung, die ganze Familie muss sich ausgiebig mit dem neuen Thema befassen. In Kindergarten und Schule kann der Diabetes Fragen aufwerfen (siehe Beitrag in der BSL).

Als Erwachsener dagegen trägt man von Anfang an die Verantwortung selbst, hat häufig bereits berufliche Richtungen eingeschlagen und bestimmte Meilensteine gesetzt. Was ändert sich durch die Diagnose, muss man sich beruflich, in seinen Hobbys oder Routinen verändern? Wie reagieren Kollegen, Freunde und der Lebenspartner?
„Ne, ne, da machen wir nicht mit auf unsere alten Tage!“
Dass Diabetiker, die erst im Rentenalter von ihrem Diabetesdasein erfahren (meist Typ 2), teilweise ebenfalls mit liebgewonnen Routinen und der Motivation zu kämpfen haben, zeigt folgende Anekdote: Ich wurde einmal während eines Krankenhausaufenthaltes zur Blutzucker-Neueinstellung vom Oberarzt gebeten, eine Gruppe „unmotivierter“ Typ-2-Diabetiker im Seniorenalter zu „coachen“, die ebenfalls zu dieser Zeit im Krankenhaus waren. In geheimer Mission, sozusagen. Ich traf die gutgelaunte Gruppe im Aufenthaltsraum: Jeder hatte vor sich ein großes Stück Sahnetorte aus der Krankenhaus-Cafeteria, das definitiv nicht Teil der täglichen BE-Ration war.
Meine Verwunderung darüber und meine Nachfragen zu ihrem Diätplan und ihrem Blutzucker entlarvten mich und mein Gesprächsziel schnell – bis mich eine der älteren Damen zur Seite nahm und sagte: „Kind, du meinst es nur gut mit uns. Aber früher, im Krieg, da hätten wir alles essen dürfen – und hatten nichts. Heute, da haben wir alles – und da sollen wir nicht mehr dürfen? Ne, ne, da machen wir nicht mit auf unsere alten Tage!“
Ob das eine kluge Einstellung sein mag oder nicht, jeder urteilt eben aus seiner persönlichen Situation … Wie alt wart ihr beim Start eurer „Diabetes-Karriere“ – und welche Rolle spielte euer Alter dabei für euch?
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moira postete ein Update vor 16 Stunden, 22 Minuten
Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
(Wen es interessiert Band 2.3) -
moira postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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