Kinder und Jugendliche mit Diabetes: Unterstützung für Familien bei vernachlässigter Therapie

3 Minuten

Kinder und Jugendliche mit Diabetes: Unterstützung für Familien bei vernachlässigter Therapie | Foto: Prostock-studio – stock.adobe.com
Foto: Prostock-studio – stock.adobe.com
Kinder und Jugendliche mit Diabetes: Unterstützung für Familien bei vernachlässigter Therapie

Trotz aller Diabetes-Belastungen gelingt Eltern die Versorgung ihrer Kinder mit Diabetes meist sehr gut. In einigen Fällen können die Eltern jedoch die Diabetes-Therapie nicht ausreichend begleiten. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit Diabetes sowie deren Familien.

Diabetes bei einem Kind belastet Familien. Chronischer Schlafmangel, Klassenfahrt-Vorbereitung oder Familienstreit wegen hoher Werte – die Herausforderungen können für Eltern von Kindern mit Diabetes erheblich sein. Manchmal können Eltern ihre Kinder mit der Therapie nicht ausreichend unterstützen.

Vernachlässigte Diabetes-Therapie bei Kindern und Jugendlichen: Ursachen und Gefahren

Die Gründe dafür können vielschichtig sein: Vielleicht bestehen Konflikte in der Beziehung, Arbeitslosigkeit oder dauerhafte Armut. Oder bei den Eltern oder ihren Kindern besteht eine psychische Erkrankung. Und viele Eltern können ihre Kinder in der Pubertät „einfach nicht mehr erreichen“.

Eine Vernachlässigung der Therapie kann sich ganz unterschiedlich zeigen: Fehlendes Erinnern an Insulin-Abgaben oder zu wenig Unterstützung beim Schätzen von Kohlenhydrat-Mengen. Die Glukosewerte sind dauerhaft zu wenig im Zielbereich. Kinder müssen allein in die Diabetes-Praxis gehen oder Jugendliche allein den Klinik-Aufenthalt zum Pumpenwechsel organisieren. Insgesamt sind betroffene Kinder und Jugendliche zu stark auf sich allein gestellt.

Zunächst können durch die Vernachlässigung der Therapie akute körperliche Schäden entstehen, z. B. durch eine Ketoazidose oder sehr schwere Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Außerdem steigt bei dauerhaft erhöhten Glukosewerten das Risiko für Folgeerkrankungen. Und Konzentrations-Probleme durch hohe Glukosewerte können eine schlechtere Schulbildung zur Folge haben.

Unterschiedliche Optionen der Unterstützung: Diese Hilfen können Familien wahrnehmen

Erziehungsberatung

Erziehung ist kein Kinderspiel. Durch eine Erziehungsberatung können sich Eltern allerhand Wissen und Fähigkeiten rund um stressarme Erziehung aneignen. So kann die Diabetes-Belastung für die gesamte Familie gesenkt werden.

Psychologische Hilfen

Bei Kindern und Jugendlichen oder auch bei den Eltern kann eine psychische Erkrankung die Diabetestherapie erschweren. Dann ist es wichtig, eine Stabilisierung durch eine Psychotherapie oder psychiatrische Vorstellung zu erreichen. Viele Therapien können ambulant erfolgen und entlasten die Familien enorm.

Diabetes-Schulungen

Altersgerechte Schulungen und Kurse können helfen, Kenntnisse und Fähigkeiten des Kindes und der Eltern auszubauen sowie die Diabetes-Akzeptanz und Therapie-Motivation zu verbessern.

Stationäre Neueinstellung

Manchmal muss eine stationäre Krankenhaus-Aufnahme erfolgen, um die Diabetes-Therapie neu zu justieren. Deren Umsetzung zu Hause kann z. B. durch eine neue Therapieform erleichtert werden.

Reha-Maßnahmen

Eine Reha-Maßnahme wird von der Krankenkasse oder dem Rentenversicherungsträger übernommen. Sie ist z. B. hilfreich, wenn es um einen gewünschten Zuwachs von Selbstständigkeit geht oder wenn neben dem Diabetes noch Asthma oder Übergewicht besteht.

Sozialpädagogische Familienhilfe

Die sozialpädagogische Familienhilfe ist eine Leistung des Jugendamts, um Eltern in ihren Erziehungs-Aufgaben und in der Überwindung von Krisen zu unterstützen. Die sozialpädagogische Fachkraft erstellt vor Ort mit der Familie einen Hilfeplan. Sie berät in schwierigen Lebenssituationen, unterstützt bei Problemen in der Erziehung oder bei der Organisation des Alltags.

Unterstützung durch eine Diabetes-Nanny

Nach Rücksprache mit dem behandelnden Diabetes-Team kann eine Diabetes-Nanny der Stiftung Dianiño die Familie niedrigschwellig zu Hause begleiten. Die Nannies helfen bei Diabetes-Krisen, bieten Schulungen an, leisten Hilfe bei seelischen Belastungen oder beraten mit Fachwissen. Die Stiftung plant außerdem für 2025 einen Online-Kurs für Eltern: „Delfin“ – ein Programm, um die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern zu verbessern und die Familien so zu entlasten.

Hinzuziehen des Jugendamts

Manchmal ist die Vernachlässigung der Therapie sehr ausgeprägt. Wenn diabetologische Behandlungsteams oder z.B. auch Kitas oder Schulen gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung haben, wird dies mit den Eltern besprochen und anschließend das Jugendamt informiert. Wenn die Eltern aktiv mitarbeiten, bestehen gute Aussichten, dass es zu Verbesserungen der Situation kommt. Bei unzureichender Mitwirkung wird vom Jugendamt das Familiengericht zur Entscheidung über weitere Maßnahmen hinzugezogen.

Spezialisierte Wohngruppen

Wenn die betroffenen Kinder oder Jugendlichen nicht mehr bei ihren Eltern leben können oder wollen, ist auch eine Unterbringung außerhalb des Elternhauses möglich. Dies entspannt das Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern oft erheblich. Hierfür gibt es auf die Diabetes-Betreuung spezialisierte Wohngruppen und Einrichtungen. Die Kinder und Jugendlichen sind für einige Zeit in einem neuen Wohnumfeld mit Gleichaltrigen betreut und können weiter zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen.

Fazit

Wenn Eltern bemerken, dass die Diabetestherapie ihres Kindes vernachlässigt wird, ist es wichtig, alle Hilfsangebote auszuschöpfen, um die Gesundheit des Kindes zu sichern. Um eine verfahrene Situation wieder zu entspannen, stehen ganz unterschiedliche Hilfen zur Verfügung.


von Dr. Benjamin Krummel

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (3) Seite 46-47

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Kolumne „Fernweh“: Eiskalter Badespaß, ausgefallene CGM-Sensoren
Eine Hamburger Winteraktion bringt Hunderte zum Eisbaden in die Elbe. In der Kolumne „Fernweh“ berichtet Susanne, wie eiskalter Badespaß nicht nur einen guten Zweck unterstütze, sondern auch kurzzeitige Auswirkungen auf die CGM-Sensoren der beteiligten Menschen mit Diabetes hatte.
Kolumne „Fernweh“: Eiskalter Badespaß, ausgefallene CGM-Sensoren | Foto: Anna Syvak - stock.adobe.com

2 Minuten

Community-Beitrag
In Japan und Deutschland: Mit Diabetes zwischen Kulturen
Sich ein Leben in Deutschland aufzubauen, wenn man nicht hier geboren und aufgewachsen ist, stellt schon eine Herausforderung dar. Dann bekam die aus Japan stammende Riho Taguchi nach vielen Jahren noch Typ-1-Diabetes. Wie sich der Umgang damit in den beiden Kulturen unterscheidet, berichtet die Journalistin im Interview.
In Japan und Deutschland: Mit Diabetes zwischen Kulturen | Foto: privat

8 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • othenbuehler postete ein Update vor 16 Minuten

    Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
  • moira postete ein Update vor 3 Tagen, 3 Stunden

    Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
    (Wen es interessiert Band 2.3)

  • moira postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

Verbände