Kurven, Daten und Statistiken: Informationen der Daten-Analyse verstehen

3 Minuten

Eine Frau mit Brille und ein Mädchen sitzen gemeinsam an einem Tisch vor einem Laptop. Die Frau macht sich Notizen, während beide auf den Bildschirm schauen.
Foto: Eve – stock.adobe.com (KI-generiert)
Kurven, Daten und Statistiken: Informationen der Daten-Analyse verstehen

Moderne Diabetes-Technologie liefert jeden Tag unzählige Informationen. In der Diabetes-Sprechstunde werden diese Daten strukturiert ausgewertet und die Insulin-Einstellung wird gegebenenfalls angepasst. Aber auch zu Hause ist ein regelmäßiger Blick in die Daten-Analyse-Software sinnvoll.

Mit der Daten-Analyse können Trends und Probleme selbstständig erkannt und die Diabetes-Therapie optimiert werden. Doch was bedeuten die verschiedenen Ansichten und Statistiken?

Time in Range – der wichtigste Alltagswert

Die Zeit im Zielbereich (Time in Range, TIR) wird meist als Säulengrafik dargestellt. Sie beschreibt den Anteil der Zeit, in der sich die Glukosewerte zwischen 70 und 180 mg/dl bzw. 3,9 und 10,0 mmol/l befinden. TIR ist einer der wichtigsten Qualitätsparameter der Diabetes-Therapie. Je größer der grüne Balken ist, desto besser.

Allgemein gelten folgende Zielgrößen:

  • über 70 Prozent im Zielbereich (70 – 180 mg/dl bzw. 3,9 – 10,0 mmol/l),
  • unter 5 Prozent unter dem Zielbereich (unter 70 mg/dl bzw. 3,9 mmol/l, davon unter 1 Prozent unter 54 mg/dl bzw. 3,0 mmol/l),
  • unter 10 Prozent im sehr hohen Bereich (über 250 mg/dl bzw. 13,9 mmol/l).

AGP beschreibt einen typischen Tag

Das Ambulante Glukose-Profil (AGP) stellt sämtliche Glukosewerte des betrachteten Zeitraums grafisch als „typischen Tag“ dar. Statt alle Werte und Kurven einzeln zu zeigen, werden Median und Schwankungsbreite grafisch abgebildet. Der Median beschreibt die mittleren Glukosewerte von 0 bis 24 Uhr. So kann man auf einen Blick erkennen, um welche Uhrzeit die Werte häufig zu hoch oder zu niedrig sind. Im Gegensatz zum Durchschnitt wird der Median durch einzelne Ausreißer nicht so stark beeinflusst.

Um den Median herum befinden sich zwei farbig markierte Bereiche:

  • 25. – 75. Perzentile: etwa die Hälfte aller gemessenen Werte liegen hier,
  • 10. – 90. bzw. 5. – 95. Perzentile: umfasst die mittleren 80 bzw. 90 Prozent aller Werte.
Beispielhaftes ambulantes Glukoseprofil (AGP). | Foto: André Kluge (KI-generiert)
Beispielhaftes ambulantes Glukoseprofil (AGP). | Foto: André Kluge (KI-generiert)

Je schmaler diese Bereiche sind, desto ähnlicher sind die Glukose-Verläufe an den meisten Tagen. Zeigen sich z. B. nach dem Frühstück ein ansteigender Median und eine schmale Schwankungsbreite, ergibt eine Anpassung der Insulindosis Sinn. Breite Bänder weisen auf starke Tag-zu-Tag-Variationen hin. Hier sollten zunächst die Ursachen für die Schwankungen gesucht werden. Ein Ereignis-Tagebuch kann helfen, Zusammenhänge mit Besonderheiten wie Sport oder Nahrungsmitteln aufzudecken.

Für eine aussagekräftige Auswertung sollten möglichst viele Daten vorhanden sein. Eine hohe Sensor-Tragezeit sorgt dafür, dass das AGP den Alltag möglichst genau abbildet. Bei Systemen zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) spielt zusätzlich die Zeit im Automodus eine wichtige Rolle. Sie sollte bei mindestens 95 Prozent liegen. Je häufiger das System automatisch arbeiten kann, desto besser lassen sich Glukosewerte stabilisieren.

Vorgehen bei der Daten-Analyse

  • Gibt es häufige Unterzuckerungen? Sie sollten immer zuerst verringert werden.
  • Wie hoch sind Time in Range und GMI? Sie sind allgemeine Qualitätsmerkmale.
  • Wie verläuft der Median? Gibt es Tageszeiten mit häufig zu hohen oder zu niedrigen Werten?
  • Wie breit sind die Perzentilen? Treten starke Schwankungen auf?
  • Passen die Insulin-Daten zum Glukose-Verlauf?

GMI und Glukose-Variabilität

Aus dem durchschnittlichen Glukosewert der letzten Wochen wird der Glukose-Management-Indikator (GMI) berechnet. Er entspricht zwar nicht genau dem im Labor bestimmten HbA1c, gibt aber eine Tendenz an. Vorteil des GMI ist der kürzere Betrachtungszeitraum, der Erfolge einer Therapie-Anpassung deutlich schneller sichtbar macht.

Allerdings können auch viele Unter- und Überzuckerungen zu einem akzeptablen Durchschnittswert führen, sind aber für den Körper wesentlich belastender als stabilere Glukosewerte. Diese Variabilität der Glukosewerte wird als Variationskoeffizient (VK oder CV) angegeben.

Er sagt aus, in welchem Bereich rund um den Mittelwert sich die mittleren 50 Prozent der Werte befinden. Ein Wert unter 36 Prozent gilt als günstig und spricht für eine stabile Kontrolle. Ist der Variationskoeffizient deutlich höher, deutet dies auf starke Glukose-Schwankungen hin.

Insulin-Daten richtig interpretieren

Viele AGP-Berichte zeigen zusätzlich die durchschnittlich verabreichte Insulin-Menge. Diese wird häufig aufgeteilt in Basalinsulin, Bolusinsulin und Autokorrekturen bei AID-Systemen. Die Angaben helfen, die Insulin-Therapie besser zu beurteilen. Bei AID-Systemen sollte regelmäßig überprüft werden, ob die Basalinsulin-Menge noch zur Basalrate passt. Die Zahlen sollten jedoch immer in Verbindung mit den Glukose-Verläufen und den individuellen Einstellungen und Zielen betrachtet werden.


Für Beiträge in der Rubrik Eltern und Kind kooperiert der Diabetes-Anker u.a. mit der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED). Der Verband setzt sich dafür ein, die Ver­sorgung von Kindern und Jugend­lichen mit Diabetes und anderen Stoffwechseler­krankungen zu erhalten und zu verbessern.


von André Kluge

André Kluge ist Diabetesberater DDG. Er ist tätig im Kinderkrankenhaus der Kliniken der Stadt Köln und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED).

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (10) Seite 46-47

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes und Technik: Bessere Unterstützung, andere Herausforderung
Moderne Medizintechnik ist fester Bestandteil des Krankheits-Managements bei Diabetes. Ihr Einsatz ist aber kein Selbstläufer oder Allheilmittel, mahnt die organisierte Selbsthilfe im Diabetes-Anker. Risiken und unerwünschte Auswirkungen müssen stärker berücksichtigt werden – in der Versorgung wie im gesellschaftlichen Alltag.
Eine Person mit Glukosesensor am Oberarm betrachtet gemeinsam mit einer zweiten Person die Diabetesdaten auf einem Smartphone. Die Anzeige zeigt Blutzuckerwerte, Tagesverlauf und dokumentierte Mahlzeiten.

3 Minuten

Typ-1-Diabetes: Wenn der Bolus nicht mehr im Mittelpunkt steht
Kohlenhydrate einschätzen, Insulin berechnen, Bolus abgeben – und das bei jeder Mahlzeit. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes gehört diese Routine trotz moderner Diabetestechnik weiterhin zum Alltag. Gerade beim Essen im Restaurant, auf Reisen oder bei einem spontanen Snack kann das zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern. Eine neue Funktion innerhalb der CamAPS FX App setzt genau hier an.
Typ-1-Diabetes: Wenn der Bolus nicht mehr im Mittelpunkt steht | Foto: mylife Diabetes Care

2 Minuten

Anzeige
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • multi postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 1 Woche

    Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.

  • olivers postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂