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(Leistungs-)Sport mit Diabetes: Was müssen Eltern beachten?
4 Minuten

Die Diabetologin Dr. Sandra Schlüter kennt Leistungssport aus eigener Erfahrung im Tennis. Seit Jahren betreut sie Menschen mit Typ-1-Diabetes, die Sport auf professionellem Niveau treiben. Prof. Dr. Karin Lange hat sie nach ihren Erfahrungen gefragt, was Eltern bezüglich der sportlichen Ambitionen ihrer Kinder beachten sollten.
Im Interview: Dr. med. Sandra Schlüter
Dr. med. Sandra Schlüter ist Fachärztin für Innere Medizin und Diabetologin an der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Northeim (Niedersachsen). Sie ist Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Technologie“ (AGDT) der Deutschen Diabetes Gesellschaft und ist begeisterte Tennis-Spielerin.

Diabetes-Anker (DA): Was haben Sie als Ärztin von den Leistungssportlern mit Diabetes gelernt?
Dr. Sandra Schlüter: Zunächst habe ich gelernt, dass Sportler mit Typ-1-Diabetes wie alle anderen Sportler sehr unterschiedliche Empfindungen bezüglich ihres körperlichen Wohlbefindens haben, auch in Bezug auf ihren Diabetes. Es gibt Sportler, die mit 80 mg/dl bzw. 4,4 mmol/l durch den Wettkampf gehen müssen, um ihre volle Leistung abrufen zu können. Es gibt aber auch die, die mit 180 mg/dl bzw. 10,0 mmol/l in den Wettkampf starten. Das hängt natürlich auch von der Sportart ab.
Bei Ausdauersport liegt der Fokus auf einem längeren Zeitraum, bei Kraftsport auf einer deutlich kürzeren Zeit pro Wettkampf. Sportarten mit vorgegebenen Zeiten, wie Fußball, haben vielleicht einen kleinen Vorteil gegenüber Sportarten mit Open End wie Tennis. Das Ziel ist, für jede Phase – Wettkampf, Training, Erholung – einen möglichst konstanten Glukosespiegel zu erreichen. Und dabei können wir Sportler unterstützen.
Uns Fachkräften sollte immer klar sein, dass wir es dabei mit drei Dingen zu tun haben: Zuerst betreuen wir einen Menschen, der einen bestimmten Charakter hat. Der ärgert sich unabhängig vom Diabetes, wenn er verloren hat, und ist super happy, wenn er gewonnen hat. Der Diabetes ist ein Teil des Menschen, der gerade gewonnen hat. In einem Moment des Triumphs möchte jedoch keiner auf den Diabetes reduziert werden. Gewonnen “mit” Diabetes oder noch schlimmer “trotz” Diabetes wäre gefühlt eine Katastrophe für die meisten. Das heißt, wir sind Ansprechpartner, Psychologe, Freund, Tröster, Problemlöser. Wir sind Vertrauenspersonen.
Das Zweite ist die Sportart: Was sind die Besonderheiten, welche Leistungen müssen in welcher Zeit abgerufen werden, wie viel Energie kostet das? Und als Drittes kommt der Diabetes dazu: Wie passt der Diabetes zur Sportart, wie flexibel muss die Insulintherapie sein? Muss der Sportler während des Wettkampfs Insulin spritzen können? Wer übernimmt die Glukosekontrolle?
Die Betreuung von Leistungssportlern ist individuell und intensiv. Probleme müssen sofort behoben werden, damit der Trainingsplan eingehalten werden kann und damit die volle Konzentration auf dem Sport liegt. Es werden Trainingstage bis ins kleinste Detail besprochen und dabei wird der Sportler auch in der Diabetestherapie für den Wettkampf geschult. Also: Mensch, Diabetes und Sport müssen eine Einheit bilden. Das passiert häufig durch Vertrauen ins Trainerteam und dazu gehören wir als Diabetesfachkräfte ganz sicher!
DA: Was können die Eltern von Kindern mit Diabetes tun, wenn ihre Kinder intensiv Sport treiben wollen?
Dr. Schlüter: Sie sollten ihre Kinder darin bestärken, ihren Sport zu treiben. Die Erkenntnis mitnehmen, dass es geht, sich zu bewegen und auch Leistung im Sport zu bringen. Aber vor allem, sich fachliche diabetologische Hilfe zu holen und nicht aufzugeben, wenn gesagt wird, das geht nicht! Aber das Wichtigste ist: mitdenken. Manchmal muss man im Sport individuelle, unkonventionelle Lösungen finden und das geht meist besser im Team, also Eltern und Diabetesteam. Denn niemand kennt das Kind und seinen Diabetes so gut wie die Eltern.
DA: Was sind Ihre Tipps für Freizeitsportler mit Pen-, mit Pumpen-Therapie und mit Systemen zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme)?
Dr. Schlüter: Egal, mit welcher Therapie Sport getrieben wird, folgt die Insulinwirkung immer einer gewissen Logik. Zu einer guten Match-Vorbereitung gehört auch immer ein Plan oder eine Vorstellung, wie viel Insulin zu welchem Zeitpunkt wirkt. Wie ist meine optimale Glukosehöhe vor einem Training oder Wettkampf? Wie insulinempfindlich bin ich? Im Wettkampf mit viel Adrenalin-Ausschüttung brauche ich vielleicht sogar noch kurzwirkendes Insulin direkt vor dem Wettkampf. Im Training muss da eher die Insulinzufuhr reduziert werden.
Aber was allen Sportlern hilft und zwar im Wettkampf und Training, aber auch rückblickend in der Analyse der Daten, ist eine Darstellung aller benötigten Parameter in einer Diabetes-Software, die auch direkt bei der sportlichen Betätigung eingesehen werden kann: Glukosehöhe, noch wirkendes Insulin, Puls – alles, was hilft, den Insulinbedarf so gut wie möglich abzuschätzen oder auch die Kohlenhydratzufuhr zu regulieren.
DA: Und wie sind Ihre Erfahrungen heute mit AID-Systemen beim Sport?
Dr. Schlüter: Wie gesagt, jede Insulintherapie hat ihre eigenen Regeln. Bei AID und Sport sollte sich der Sportler mit seinem AID-System sehr gut auskennen. Was macht der Algorithmus bei welcher Einstellung? Wie reagiert der Algorithmus auf das, was der Sportler tut, wie, Kohlenhydrate zu sich zu nehmen ohne Eingabe in das AID-System? Wann erfolgt eine Korrektur durch das System, bei welcher Einstellung wird der Zielwert angehoben? Wichtig ist, dass Algorithmus und Sportler nicht gegeneinander arbeiten und sich neutralisieren. Das AID-System ist Teil des Teams.
Außerdem ist darauf zu achten, dass bei AID-Nutzung häufig geringere Mengen an Insulin aktiv sind. Wichtig ist dabei, die Match-Taktik auch auf das AID-System anzuwenden – keine Grenzen setzen beim Erarbeiten von neuen Möglichkeiten! Warum nicht mal den Schlafmodus im Wettkampf nutzen, wenn die Insulinabgabe in diesem Modus zur Insulinempfindlichkeit im Wettkampf passt? Man schläft ja nicht ein, nur weil der Modus Schlafmodus heißt. “Think out of the box!” So wird man Weltmeister oder Olympiasieger!
DA: Was ist Ihnen noch ganz wichtig beim Thema Sport?
Dr. Schlüter: Dass wir jeden, der Sport mit Typ-1-Diabetes treiben möchte, unterstützen, dies auch tun zu können – egal, ob es Leistungs- oder Freizeitsport ist. Ein Typ-1-Diabetes darf bei den Therapieoptionen, die wir heute haben, keinen Menschen ausbremsen. Klar, Typ-1-Diabetes und Sport sind kein Selbstläufer, besonders Leistungssport! Aber aufzugeben, ohne es auszuprobieren, das ist keine Option. Gut Sport!
Interview: Prof. Dr. Karin Lange
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2023; 11 (3) Seite 8-9
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thomas55 postete ein Update vor 6 Tagen, 12 Stunden
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 5 Tagen, 8 Stunden
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]





