- Eltern und Kind
Reisen mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes
3 Minuten
Unabhängig davon, ob die Kinder oder Jugendlichen Insulin spritzen, eine Insulinpumpe und einen Sensor oder ein AID-System tragen, sind gewisse Vorkehrungen zu treffen. Denn: Eine gute Planung ist schon die halbe Erholung!Folgende Fragen können bei der Vorbereitung behilflich sein:
Wo geht es hin? Inland? Ausland?
Eine Reise innerhalb Deutschlands bedeutet, dass man sich keine Gedanken um die Krankenversicherung und das Gesundheitssystem machen muss. Geht es ins Ausland, sollte eine Auslandsreiseversicherung abgeschlossen sein, und es sollte vorher auch geklärt werden, inwiefern diese den Diabetes und akute Komplikationen, die damit zusammenhängen, abdeckt.
Eine ausreichende Menge an Insulin, Spritzen, Glukosesensoren, Blutzuckermesstreifen und Pumpenzubehör muss immer mitgenommen werden, da diese nicht an jedem Urlaubsort sofort zur Verfügung stehen. Im Ausland sind eventuell das gewohnte Insulin und insbesondere die technische Ausstattung (Sensoren, Katheter, etc.) nicht verfügbar.
Wie findet die Anreise statt?
Auto? Zug? Flugzeug? Schiff?
Bei der Anreise mit dem Flugzeug sollte unbedingt eine Bescheinigung (Zollbescheinigung) mitgenommen werden, damit das Diabetesequipment (Spritzen, Insulin, Messstreifen, Pumpe, Sensoren, Blutzuckermessgerät, etc.) mit an Board genommen werden kann. Diese Bescheinigung wird von der Diabetesambulanz ausgestellt. Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen darf die Pumpe offiziell nicht in den Körperscanner. Die Pumpe kann in diesem Fall abgelegt und am Körperscanner vorbei auf die andere Seite des Scanners gegeben werden.
Das Diabetesequipment gehört beim Fliegen unbedingt ins Handgepäck:
Wie sind die Temperaturen?
Heiß, gemäßigt oder kalt ?
Geht es in ein Urlaubsland mit hohen Temperaturen oder ist es eher kalt? In Ländern mit trockener Hitze ist der Insulinbedarf meist niedriger als gewohnt, bei feuchter Hitze hingegen kann er erhöht sein. Bei der Lagerung des Insulins muss Folgendes beachtet werden: Temperaturen über 40 °C und unter 2 °C sowie direkte Sonneneinstrahlung können das Insulin unwirksam machen. Außerdem sollten die Ampullen bruchsicher transportiert werden. Einige Möglichkeiten für den Transport seien hier erwähnt: Leere, vorgekühlte und gepolsterte Thermoskannen, Styroporboxen, feuchte Handtücher oder Kühltaschen für Arzneimittel eignen sich gut. Im Winterurlaub sollte das Insulin möglichst nah am Körper gelagert werden, damit es nicht zu kalt wird: also die Bauchtasche unter der Skijacke oder die Pumpe in der Innentasche der Jacke tragen, nicht in der Außentasche oder in einem Rucksack!
Wie aktiv wird der Urlaub?
Strandurlaub? Wandern? Radfahren? Surfen? Schwimmen?
Die meisten Kinder und Jugendlichen sind im Urlaub aktiver als zu Hause. Dies führt zu einem niedrigeren Insulinbedarf. Vor der Abreise kann daher in einem Gespräch mit dem Diabetesteam besprochen werden, wie das Insulin in solch einem Fall zu reduzieren ist. Bei den AID-Systemen kann beispielsweise der Sportmodus genutzt werden, um Hypoglykämien zu vermeiden. Nicht alle Pumpen sind wasserdicht, daher sollten diese beim Ausüben von Wassersport (Kanufahren, Surfen, Kiten) in wasserdichten Taschen verpackt werden.
Zum Schwimmen können die Geräte abgekoppelt werden.
Welche Dokumente sind für die Einreise wichtig?
Wie oben bereits erwähnt, sollte bei Flügen unbedingt an die Zollbescheinigung gedacht werden. Ansonsten gehören der Impfausweis, die Versichertenkarte und der Diabetesausweis ins (Hand-)Gepäck. Der Impfstatus sollte vorher einmal überprüft werden: Evtl. sind bestimmte Impfungen aufzufrischen (z.B.: Tetanus) oder zusätzliche Impfungen vorzunehmen (z.B.: Hepatitis A, Gelbfieber o.ä.).
Wie ist die medizinische
Versorgung vor Ort?
Wo ist der nächste Arzt? Wo das nächste Krankenhaus?
Es ist vorteilhaft, sich vor der Abreise darüber Gedanken zu machen, wie die medizinische Versorgung am Urlaubsort ist: Wo ist der nächste Arzt? Wo das nächste Krankenhaus und die nächste Apotheke?
Wichtige Telefonnummern, die unbedingt VOR Antritt des Urlaubs im Handy hinterlegt werden sollten:
•bei Sensoren bzw. Insulinpumpen: Hotline des jeweiligen Geräteherstellers
•Notfallnummer des jeweiligen Landes
•Telefonnummer des eigenen
Diabetesteams
Was muss ich unterwegs dabei haben?
Insulin, Traubenzucker, Messgerät, sowohl lang- als auch kurzwirksame Kohlenhydrate und ausreichend Getränke (insbesondere Wasser) sollten immer griffbereit sein. Ketonmessgeräte und –messstreifen gehören bei jeder Reise dazu und dürfen nicht vergessen werden. Die Notfallspritze oder das Glukagon-Nasenspray gehören ebenfalls ins Gepäck.
Wenn der Glukosesensor ausfällt, muss die Möglichkeit der kapillären Blutzuckermessung gegeben sein. Es ist also sehr wichtig, ein Glukosemessgerät und ausreichend viele Glukosemessstreifen zusätzlich mit einzupacken.
Was ist bei Verwendung der technischen Geräte (Sensoren und Insulinpumpen) noch wichtig?
Die technischen Geräte sind alle auf eine Energieversorgung angewiesen. Es müssen also ausreichend Ersatzbatterien und /oder Ladekabel für diese Geräte mitgenommen werden. Gerade außerhalb von Deutschland werden eventuell Adapter für die Steckdosen benötigt.
Was müssen Kinder/Jugendlich mit einer Insulinpumpe oder einem AID-System beachten?
Ein AID-System bedeutet, dass normalerweise die Pumpe und der Sensor alles regeln. Was aber passiert, wenn die Technik versagt? Und das ausgerechnet, wenn man gerade auf einer einsamen Insel am Strand in der Sonne liegt oder mitten in den Alpen wandert? Solche Situationen gibt es zum Glück selten, sie sind aber möglich! Dringend sollte der aktuelle Insulinplan mit den aktuellen Pumpeneinstellungen, entweder in Papierform oder als elektronisches Dokument z.B. auf dem Handy dabei sein. Die Pumpenfirmen garantieren zwar innerhalb Europas eine Lieferzeit von ca. 8-24 Stunden für eine Ersatzpumpe, diese wird jedoch im Neuzustand geliefert; die Einstellungen müssen dann alle neu vorgenommen werden. Außerdem sollte ein Spritzplan vorliegen, damit die Zeit bis zur Lieferung der Ersatzpumpe überbrückt werden kann. Der Spritzplan allein hilft allerdings auch nicht weiter: Wichtig sind auch die entsprechenden Utensilien wie Spritzen, Pens und Insulin. Für den Urlaub außerhalb Europas empfehlen wir, vor dem Urlaub beim Hersteller nach einer Ersatzpumpe zu fragen. Im Flugzeug muss eventuell (herstellerabhängig) der Flugmodus eingeschaltet werden.
Fazit:
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 2 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 6 Tagen, 4 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 6 Tagen, 3 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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