Vorsorgeuntersuchungen: Genau hinschauen

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Vorsorgeuntersuchungen: Genau hinschauen

Alle vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in seinen Richtlinien empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet und sind somit kostenlos. Hierzu zählen z. B. die Krebsfrüherkennung, der Gesundheits-Check-up oder Zahn- und Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen. Ein Recht auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter gibt es in Deutschland bereits seit 1971.

Das Gelbe Heft

Die Vorsorgeuntersuchungen Ihres Kindes werden in einem Gelben Heft, dem Kinderuntersuchungsheft (U-Heft), dokumentiert. Dieses erhalten Eltern zur Entlassung des Neugeborenen aus dem Krankenhaus. Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Vorsorgeprogramm umfasst elf Untersuchungen: die U1 bis U9 (inkl. U7a) bis zum 6. Lebensjahr sowie die J1 (12-14 Jahre).

Zudem werden vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) drei weiteren Untersuchungen empfohlen: PaedCheck U10, PaedCheck U11 und PaedCheck J2. Diese werden in ein Zusatzheft, das grüne Heft, eingetragen. Die Kosten hierfür erstatten noch nicht alle Krankenkassen. Eltern fragen deshalb am besten bei ihrer Kasse nach.

Die Schuleingangsuntersuchung gehört nicht zu den "klassischen" Vorsorgeuntersuchungen. Sie ist eine zusätzliche Untersuchung, die durch Ärzte und Ärztinnen des Gesundheitsamtes durchgeführt wird.

Vorsorge durch Untersuchungen

Um festzustellen, ob sich Ihr Kind altersgerecht entwickelt, erfolgt die erste Untersuchung – meist durch die Geburtshelfer – bereits wenige Minuten nach der Geburt. Alle weiteren Vorsorgen erfolgen dann durch einen Arzt oder eine Ärztin.

Zu jeder U-Untersuchung gehört eine vollständige körperliche Untersuchung des Kindes. Sie beinhaltet die Messung von Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang sowie die Untersuchung von Organen, Sinnesorganen, des Nervensystems, des Skeletts und der Muskulatur. Darüber hinaus erfolgt eine Entwicklungsbeurteilung der Grob- und Feinmotorik, Sprache, Kognition sowie der sozialen und emotionalen Kompetenz des Kindes und der Interaktion des Kindes mit den Eltern.

Vorsorgeuntersuchungen

ZeitpunktUntersuchung
Direkt nach der GeburtU1
3. - 10. LebenstagU2
1. Monat (4. - 5. Lebenswoche)U3
1. Monat (4. - 5. Lebenswoche)U4
6 Monate (6. - 7. Monat)U5
1 Jahr (10. - 12. Monat)U6
2 Jahre (21. - 24. Monat)U7
3 Jahre (34. - 36. Monat)U7a
4 Jahre (46. - 48. Monat)U8
5 ¼ Jahre (60. - 64. Monat)U9
7 - 8 JahreU10
9 - 10 JahreU11
13 Jahre (12 - 14 Jahre)J1
16 - 17 JahreJ2

Abgestimmt auf das Alter des Kindes werden die Vorsorgen durch spezielle Untersuchungen wie Blutentnahmen, Hüftultraschall, Seh- und Hörtestungen, Blutdruckmessung und Urinuntersuchungen ergänzt. Ergeben diese Untersuchungen Auffälligkeiten oder den Verdacht auf eine Krankheit, veranlasst der Kinderarzt/die Kinderärztin weitere Untersuchungen oder leitet an einen Spezialisten weiter.

Impfungen und Beratungen

Ein weiterer Teil der Vorsorgen sind die Überprüfung und Komplettierung des Impfstatus sowie ärztliche Beratungen zu vielen entwicklungsrelevanten Themen wie die Vitamin D- und Fluorprophylaxe, Schlafen, Bewegung, Ernährung, UV-Schutz, Karies, Unfall- und Gewaltprävention und Medienkonsum, um nur einige wichtige Themen zu nennen. Sprechen Sie Ihren Arzt/Ärztin an, wie Sie die individuelle Entwicklung und Gesundheit Ihres Kindes fördern und Risiken vermeiden können.

Vorsorge bei Diabetes

Auch in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes gibt es spezielle Vorsorgeuntersuchungen. Sie dienen dazu, mögliche Folge- und Begleiterkrankungen (Schilddrüsenunterfunktion, Glutenunverträglichkeit) bzw. deren Frühformen zu erkennen.

Hierzu gehört die regelmäßige Untersuchung des Augenhintergrundes beim Augenarzt. Die Urinuntersuchung auf Eiweißausscheidung, die Messung des Blutdrucks sowie eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Fettwerte (Cholesterin) und Testung auf eine Schilddrüsenunterfunktion und Glutenunverträglichkeit wird in der Regel vom Diabetes-Team im Rahmen der Diabetes-Sprechstunde durchgeführt.

Neu: Aufklärung über Diabetes

Typ-1-Diabetes ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen des Kindesalters. In Deutschland erkranken zunehmend jüngere Kinder, welche besonders gefährdet sind, eine lebensbedrohliche schwere Stoffwechselentgleisung zu erleiden. Deswegen ruft die Arbeitsgemeinschaft für pädiatrische Diabetologie (AGPD) Kinderärzte und -ärztinnen dazu auf, im Rahmen der U6 (10 – 12. Lebensmonat) und U7a (3 Jahre) Eltern kurz die 4 Warnzeichen des Typ-1-Diabetes zu erklären und einen Info-Flyer auszugeben

So haben Eltern die Möglichkeit, Frühzeichen des Diabetes bei ihren Kindern zu erkennen und die schwere Stoffwechselentgleisung bei Erkrankungsbeginn zu verhindern. Vorbild für diese Kampagne ist das "Stuttgarter Präventionsprojekt". In einer ähnlich angelegten Informationskampagne ist es so gelungen, das Auftreten der diabetischen Ketoazidose bei Erkrankungsbeginn von 28 auf 16 Prozent zu senken!

Vorsorge-Erinnerungsservice

Um Eltern bei der Einhaltung der Impf- und Vorsorgetermine ihrer Kinder zu unterstützen, bietet der BVKJ einen kostenlosen Impf- und Vorsorge-Erinnerungsservice an: Nach Registrierung werden Eltern zeitgerecht per E-Mail über anstehende Impf- und Vorsorgetermine informiert. Erweitert wird dieses Angebot durch die kostenlose Praxis-App "Mein Kinder- und Jugendarzt". Diese ermöglicht es Ihnen, Informationen zu Terminen, Untersuchungen oder aktuellen Infos aus Ihrer Kinder- und Jugendarztpraxis direkt auf Ihr Smartphone zu erhalten.

Voraussetzung für die Nutzung ist, dass sich Ihr Kinderarzt für die Praxis-App hat freischalten lassen. Weitere Informationen zum Erinnerungsservice per E-Mail, zur App sowie allen Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und weiteren aktuellen Themen, die für die Belange Ihres Kindes wichtig sind, finden Sie unter www.kinderaerzte-im-netz.de.

Gesund bleiben durch Vorsorge

Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen sollen Erkrankungen und Fehlentwicklungen im Kindes- und Jugendalter möglichst frühzeitig erkannt werden, sodass weitere Diagnostik und/oder eine Therapie eingeleitet werden kann. Durch die regelmäßige Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen werden Gesundheitsrisiken reduziert, die die normale körperliche und geistige Entwicklung Ihres Kindes gefährden können.


Autor:

Dr. Thekla von dem Berge
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Diabetologie
Diabetes-Zentrum für Kinder und Jugendliche „Auf der Bult“
Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover

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  • thomas55 postete ein Update vor 2 Tagen, 3 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Tagen, 21 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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