- Ernährung
Einfluss von Eiweiß auf den Blutzucker: Das Abc der Fett-Protein-Einheit (FPE)
3 Minuten
Eiweiß und Fett können den Blutzucker Stunden nach dem Essen ansteigen lassen – selbst wenn kaum Kohlenhydrate auf dem Teller liegen. Die Fett-Protein-Einheit (FPE) hilft, diesen verzögerten Effekt besser einzuschätzen. Für wen diese Berechnung sinnvoll ist und wie sie funktioniert, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Patricia Kirschke.
Vielleicht kommt Ihnen die Situation bekannt vor: Ein schöner Sommerabend, Sie sitzen zusammen mit Freunden und Familie, genießen ein saftiges Steak mit einem knackigen Salat. Um kein Insulin spritzen zu müssen, lassen Sie Baguette, Kartoffel- und Nudelsalat links liegen. Bevor Sie gegessen haben und auch danach ist der gemessene Wert im Normbereich. Einige Stunden später aber ist er auf einmal erhöht – und Sie fragen sich, wie das passieren konnte …
Nicht nur Kohlenhydrate in Form von Zucker oder Stärke lassen den Blutzucker ansteigen: Auch Fett und Eiweiß nehmen Einfluss darauf. Während Ein- und Zweifachzucker, also Haushalts- und Traubenzucker, einen schnellen Anstieg bewirken, brauchen Mehrfachzucker wie stärke- und vollkornhaltige Produkte etwas länger. Ein Blutzuckeranstieg durch Fett und Eiweiß benötigt hingegen mehrere Stunden. Wann spielt diese Erhöhung eine Rolle?
FPE – nicht für jeden Menschen mit Diabetes relevant
Falls Sie sehr fett- und eiweißreich essen und eher wenige Kohlenhydrate, wird von der Leber Fett und Eiweiß durch verschiedene Umbauprozesse in Zucker umgewandelt – das heißt Glukoneogenese; dieser Prozess benötigt einige Zeit, daher kommt es zum verzögerten Blutzuckeranstieg. Eine Fett-Eiweiß-Berechnung als Fett-Protein-Einheit (FPE) ist nicht für jeden Menschen mit Diabetes relevant; oftmals bemerken viele gar keinen verspäteten Blutzuckeranstieg nach dem Essen.
Wenn eine Mahlzeit sehr ausgewogen ist, also alle Nährstoffe zu bestimmten Anteilen enthalten sind, wird ein Blutzuckeranstieg durch Fett und Eiweiß meist nicht deutlich – eine FPE-Berechnung ist nicht nötig.Bei Kindern und Jugendlichenhaben Studien gezeigt, dass sich eine Berechnung der FPE positiv auf die Blutzuckerverläufe nach dem Essen auswirken kann. Eine FPE-Berechnung ist aber zeitintensiv und aufwendig und daher eher nichts für den Alltag.
Personen, die allerdings kohlenhydratarm oder tendenziell fett- und eiweißreich essen, könnten von einer FPE-Berechnung profitieren. Die Berechnung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Fett- und Eiweißmenge der Mahlzeit den enthaltenen Kohlenhydratgehalt deutlich übersteigt – wie bei Steak mit Salat und einer kleinen Portion Baguette.
So berechnet man die Fett-Protein-Einheit
Eine FPE ist definiert als 100 Kilokalorien aus Fett und Eiweiß. Sie müssen nun herausfinden, wie viel Energie aus Fett (1 g liefert 9 Kilokalorien) und wie viel aus Eiweiß (1 g enthält 4 Kilokalorien) das Lebensmittel enthält. Bei fertig verpackten Produkten ist dies einfacher herauszufinden als bei loser Ware vom Metzger oder an der Verkaufstheke: Sie können über die Nährwertangaben auf den Verpackungen berechnen oder dazu in Nährwerttabellen nachschlagen.
Nachdem Sie die Energie (also die Kilokalorien) aus Fett und Eiweiß ermittelt haben, werden beide zusammengerechnet und das Ergebnis durch 100 geteilt: Sie erhalten die FPE für Ihr Lebensmittel (Berechnungsbeispiel: siehe Kasten) – diese wird nun analog dem Kohlenhydratfaktor (also KE- oder BE-Faktor) mit Insulin berechnet.
Berechnungsbeispiel für die Fett-Protein-Einheit (FPE)
22 g x 9 kcal (Kilokalorien aus Fett)
+ 33 g x 4 kcal (Kilokalorien aus Eiweiß)
________________________________________
= 33 kcal (Kilokalorien aus Fett + Eiweiß)
330 kcal : 100 = 3,3 FPE, gerundet 3 FPE
Die ermittelte FPE wird normalerweise mit dem jeweiligen KE- oder BE-Faktor multipliziert. Einige Personen rechnen auch mit einer Einheit Insulin für eine FPE. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn erfahrungsgemäß ist eine FPE nicht gleichzusetzen mit einer KE- oder BE-Einheit. Daher sollte bei der Berechnung zunächst nicht die gesamte Insulinmenge für die FPE kalkuliert werden. Um Hypoglykämien zu vermeiden, hat es sich bewährt, mit kleinen Dosen anzufangen und die Insulinmenge bei Bedarf zu erhöhen.
Wie dosiert man FPE-Insulin am besten?
Auch zur Insulindosierung von FPE gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das größte Problem dabei ist der Blutzuckeranstieg erst Stunden nach der Mahlzeit; daher kann man mit einer direkten Insulinabgabe zum Essen wenig erzielen. Das injizierte Analoginsulin wirkt zu schnell, und der Blutzuckeranstieg ist hierfür zu langsam. Hier ist das Risiko einer Unterzuckerung groß.
Man kann dies verschiedentlich auffangen:
- das Insulin für die berechneten FPE nachträglich spritzen,
- das Insulin bestmöglich aufteilen – einen Teil vor der Mahlzeit und den zweiten danach bzw. einige Stunden später spritzen.
So können Sie das Insulin für die FPE verzögern
| Fett-Protein-Einheit (FPE) | Dauer von verzögertem/dualem/ Multiwave-Bolus in der Pumpe |
| 1 | 3 Stunden |
| 2 | 4 Stunden |
| 3 | 5 Stunden |
| mehr als 3 | 8 Stunden |
Da der Blutzuckeranstieg durch FPE von Mensch zu Mensch und Mahlzeit zu Mahlzeit verschieden ist, braucht die Insulindosierung viel Erfahrung und Übung. Mit einer Insulinpumpe könnte der verzögerte oder duale bzw. Multiwave-Bolus genutzt werden. Etwas einfacher wäre es, den verzögerten Blutzuckeranstieg nachträglich oder sogar am nächsten Morgen zu korrigieren.
Schwerpunkt: „Relevante Ernährungsfaktoren bei Diabetes“
- Fette: Darauf kommt es an!
- Kohlenhydrate: Von kleinen und großen Händen
- Leber und Eiweiß: Welche Rolle spielen sie?
- Das Abc der Fett-Protein-Einheit
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (5) Seite 28-29
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 4 Tagen, 7 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 4 Tagen, 6 Stunden
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
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uho1 antwortete vor 4 Tagen, 4 Stunden
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
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calvin240 antwortete vor 3 Tagen, 1 Stunde
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 5 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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