Formula-Diäten: Formel fürs Abnehmen?

4 Minuten

© Kirchheim/Bernhard Kölsch
Formula-Diäten: Formel fürs Abnehmen?

Mindestens jeder vierte Erwachsene hierzulande hat deutlich zu viele Kilos im Körpergepäck. Abspecken lautet die Devise. Doch viele Menschen wissen gar nicht so richtig, wie sie den Einstieg dazu finden können. Eine Hilfe in verschiedenen Formen bieten dazu komplette Mahlzeiten als „Formula-Diäten“. Was ist hier bei Diabetes zu beachten? Und wie lässt sich damit Übergewicht aktiv abbauen?

In Schulungen, beim Arzt oder der Selbsthilfegruppe heißt es immer wieder, dass gesundes Abnehmen bei Typ-2-Diabetes der zentrale Baustein ist, um Blutzuckerwerte im guten Bereich zu halten und damit gefährliche Folgeerkrankungen zu vermeiden. Was so leicht in der Theorie klingt, ist praktisch nicht ganz so einfach umzusetzen: Es erfordert eine gehörige Portion Willenskraft und Durchhaltevermögen, um auf Dauer den Kilokampf für sich zu gewinnen.

Da ist es kein Wunder, dass es jedes Jahr viele neue Diäten gibt, die Erfolge versprechen. Wer sich allerdings nur eine kurze Zeit kasteit und danach sein Essverhalten nicht ändert, wird schnell wieder zunehmen – bekannt als Jo-Jo-Effekt.

Wirksame Hilfe gibt es trotzdem aus dem Diätland und zwar als Formula-Drink, -Suppe oder -Riegel. Zahlreiche Studien haben sich mit der Wirkung dieser Produkte beschäftigt und ihnen Erfolge bescheinigt.

Die Kilos kommen schleichend

Übergewicht kommt nicht über Nacht, sondern es entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum. Zwei oder drei Kilo mehr auf der Waage scheinen zunächst nicht weiter tragisch zu sein. Doch wer beizeiten nicht auf die innere Stopp-Taste drückt, wundert sich irgendwann darüber, wie viel der Körper über die Jahre an Übergewicht angesammelt hat. Bildlich ist das vergleichbar mit einem Körperanstrich: Monat für Monat wird er mit Butter eingepinselt, Masse und Umfang nehmen zu.

Wer beispielsweise täglich nur 200 Kilokalorien mehr isst, als er an Energie braucht, kann nach einem Jahr mit 10 Kilo mehr auf der Waage rechnen. Zum Vergleich: 200 Kilokalorien stecken in 40 g Knuspermüsli mit 60 ml fettarmer Milch, in zwei Rollmöpsen, einer halben Currywurst, zwei Scheiben Fleischwurst, zwei Esslöffeln Leberwurst, zwei normal großen Kartoffelklößen, drei Stück Eiskonfekt, 200 ml trockenem Wein oder einem halben Liter Weizenbier.

3 große Unterschiede zu früher

Es ist nicht einfach, erfolgreich Gewicht zu verlieren: Es gibt heute viele Hilfen und eine Fülle passender Lebensmittel zum Abnehmen – aber es ist weitaus schwieriger, den Kampf zu gewinnen, als noch vor 50 Jahren. Entscheidend sind drei Unterschiede zur Gegenwart:

Fast Food und Essen war nicht permanent und 24 Stunden am Tag verfügbar. Zu bestimmten Zeiten gab es im Fernsehen nur ein Testbild. An Computer, Smartphones und Tablets dachte noch niemand. Praktisch wurde weniger gesessen und sich mehr im Alltag bewegt. Mehr noch: Gegessen wurde zu festen Zeiten, auf den Tisch kamen überwiegend selbst gekochte Speisen.

Und da schließt sich der Kreis: Je bequemer der Lebensstil über die Jahrzehnte wurde, desto stärker stieg die Übergewichtskurve. Heute gibt es so gut wie alles als Fertiggericht, es muss also nicht mehr unbedingt gekocht werden. Es gibt permanent passive Beschallung und Unterhaltung, so dass sich insgesamt weitaus weniger bewegt wird. Alltagsbewegung war vor 50 Jahren ein fester Bestandteil des Lebens, heute muss sie wieder bewusst eingeplant werden. So bezeichnen Experten das Sitzen heute als das neue Rauchen.

Rettungsanker in dicken Zeiten

Mehr Alltagsbewegung wäre also ein guter Anfang. Für den Einstieg und als Motivator in eine längerfristig angelegte Ernährungsumstellung sind zudem Formula-Diäten besonders interessant. Denn wer sich ans Prinzip dieser Komplettnahrungen hält, wird abnehmen. Zum effektiven Abnehmen empfiehlt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft in ihren Leitlinien auch Diäten mit sehr niedrigem Kaloriengehalt von 800 bis 1 200 Kilokalorien täglich – und darunter fallen die Formula-Diäten. Empfohlen werden sie Menschen mit einem Body-Mass-Index über 30 kg/m².

Die Formula-Diäten bieten sich bei starkem Übergewicht oder einer bevorstehenden Operation an. So lässt sich vor dem medizinischen Eingriff verhältnismäßig schnell, leicht und unkompliziert zumindest etwas Gewicht verlieren. Denn bei Operationen zählt jedes verlorene Kilo.

Instantpulver fertig anrichten

Die Instantpulver gibt es als Trinknahrung oder als Suppe in süßen und pikanten Geschmacksrichtungen. Die Pulver werden mit Wasser, fettarmer Milch oder fettarmen, zuckerfreien, veganen Alternativen angerührt. Heraus kommt dabei eine Suppe, Creme oder ein Shake (Wer auch einmal etwas kauen möchte, kann entsprechende Riegel auswählen).

Solche Produkte müssen den Anforderungen des Paragrafen 14a der Diätverordnung entsprechen. Sie enthalten dabei mindestens 50 g Eiweiß, 90 g Kohlenhydrate, 7 g essenzielle Fettsäuren und 10 bis 30 g Ballaststoffe – und das bei einer Tagesration von maximal 1 200 Kilokalorien. Auch in puncto Vitamine und Mineralien sind in der Diätverordnung Mindestmengen festgelegt, die solche Produkte erfüllen müssen. Dann entsprechen sie den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) herausgegebenen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr eines Erwachsenen.

Abnehmen mit Formula-Diäten: Praxistipps

Mit Shakes, Riegeln oder einer Suppe, die den medizinischen Anforderungen an Formula-Diäten entsprechen, kann der Weg in erfolgreiches Abnehmen und das Halten des neuen Gewichts erleichtert werden. Besprechen Sie dies bitte vorab mit Ihrem Diabetesexperten bzw. Ihrer Diabetesberaterin. Um auf Dauer keinen Jo-Jo-Effekt zu erleben, gehören regelmäßige Bewegung, am besten zweieinhalb Stunden pro Woche, große Portionen Gemüse und Salat und auch Disziplin dazu. Auf dass Sie Erfolg haben mögen beim Abnehmen!

1. vor Operationen oder bei starkem Übergewicht

  • Ersatz aller Mahlzeiten durch Formula-Produkte
  • nur unter ärztlicher Aufsicht
  • zeitlich festgelegter Rahmen
  • Anpassung der Diabetes-Medikamente
  • Aufklärung über mögliche Begleiterscheinungen wie Unterzuckerungen

Übergangsphase in eine Ernährungsumstellung

  • Ersatz von zwei Mahlzeiten durch Formula-Produkte
  • nach dem Verlust der ersten Kilos bei starkem Übergewicht

oder

  • Motivationsstart bei mäßigem Übergewicht
  • Zeitrahmen mit Diabetesteam festlegen
  • eine Hauptmahlzeit täglich besteht
  • aus festen Speisen

Haltungsphase oder Intervalltage

  • Ersatz von einer Mahlzeit durch Formula-Produkte
  • beispielsweise an fünf Tagen pro Woche

oder

  • zum Halten des neuen Gewichts an einem Tag der Woche ein bis drei Mahlzeiten durch Formula-Produkte ersetzen
  • Modell mit Diabetesteam besprechen
  • Kalorienmenge der Mahlzeiten aus festen Speisen dem neuen Gewicht entsprechend anpassen

Es wäre also praktisch möglich, sich dauerhaft mit solchen Produkten zu ernähren. Doch in der Praxis sind sie eine vorübergehende Lösung: Denn allem voran gilt es, damit den Einstieg ins erfolgreiche Abnehmen zu schaffen und sukzessive ein neues Ess-Verhalten zu erlernen. Nur wer auf Dauer seine Gewohnheiten umstellt, kann sein neu erworbenes, gesundes Gewicht halten. Wie der praktische Umgang mit Formula-Diäten aussehen kann, erfahren Sie in obigem Kasten.


von Kirsten Metternich von Wolff
Diätassistentin DKL und DGE, Redaktion Essen und Trinken,
Hildeboldstraße 5, 50226 Frechen-Königsdorf, Tel.: 0 22 34/91 65 41,
E-Mail: info@metternich24.de

Website: www.metternich24.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (5) Seite 80-84

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Nicht nur akut gefährlich: Schwere Unterzuckerungen können das Risiko für Demenz erhöhen

Im Zusammenhang mit der Diabetes-Therapie besteht oft die Sorge vor Unterzuckerungen. Inzwischen gibt es immer mehr Hinweise, dass schwere Unterzuckerungen, die Hilfe Dritter erfordern, nicht nur akut ein Problem darstellen. Sie können möglicherweise auch zum Entstehen einer Demenz beitragen.
Nicht nur akut gefährlich: Schwere Unterzuckerungen können das Risiko für Demenz-erhöhen | Foto: Ana – stock.adobe.com

5 Minuten

Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf

Der DiaCup 2026 bringt im Juni erneut Menschen mit Diabetes zu einem Tischtennisturnier in Düsseldorf zusammen. Im Trainingszentrum von Borussia Düsseldorf stehen Bewegung, gemeinsames Erleben und Austausch im Mittelpunkt. Die Anmeldung läuft bis zum 5. Juni.
Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf | Foto: DiaCup/DDZ

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

Verbände