- Ernährung
„Low Carb“-TrendLebensmittel
4 Minuten
Diabetikerlebensmittel? Gibt es nicht mehr. Dafür stehen heute z. B. Nussmehle, Konjaknudeln oder Jackfrucht hoch im Kurs, die wenige oder keine Kohlenhydrate enthalten. Viele dieser Produkte sind zusätzlich glutenfrei, vegan oder frei von Milchzucker. Lohnt es sich, diese Lebensmittel bei Diabetes einzusetzen? Wir haben einige davon genauer unter die Lupe genommen.
Bloß keine Kohlenhydrate! Und wenn doch, sollte ihr Anteil im Lebensmittel so gering wie möglich sein (englisch: low carb). Dieses Ziel verfolgen derzeit viele Menschen in Deutschland, und die Industrie hat ihre Hausaufgaben gemacht und bietet mittlerweile viele Fertigprodukte und Zutaten für die kohlenhydratarme Küche an.
Nicht zu viele Kohlenhydrate zu essen, ist auch für Diabetiker interessant. Aber: Kohlenhydrate sind kein Gift für den Körper! Klar ist, dass der Anteil an Zucker nicht nur bei Diabetes eine untergeordnete Rolle spielen sollte. Komplexe Kohlenhydrate hingegen, etwa aus Vollkornbrot, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, sind bei Diabetes prima geeignet. Sie vom Speisezettel zu streichen, wäre der falsche Weg.
Viele neu entwickelte Produkte haben zwar weniger Kohlenhydrate als z. B. die herkömmlichen Nudeln und Mehle, sind dafür aber oft fett- und eiweißreicher. Hier lohnt sich also der Blick auf die Zutaten und auf die Nährwertanalyse. Zudem haben solche „Spezial-Lebensmittel“ ihren Preis und sind teurer als „normale“ Zutaten. Verbraucher sollten also abwägen, ob der Kauf eines kohlenhydratreduzierten Produktes tatsächlich sinnvoll ist.
Pasta aus Linsen, aus Konjakwurzeln – oder aus Insekten
Eines der Lieblingsessen der Deutschen sind Nudeln, entweder mit leckerer Tomaten- oder Bolognesesauce, Meeresfrüchten, Hähnchen oder ganz klassisch als Beilage. Allerdings sind Nudeln sehr kohlenhydratreich. Deshalb wurden Alternativen mit weniger Kohlenhydraten enwickelt – z. B. Insektennudeln. Hersteller werben zudem mit der positiven Ökobilanz dieser Pasta, weil bei der Herstellung weniger Treibhausgase als in der Rindfleischproduktion entständen und weniger Wasser verbraucht werde.
Obwohl Nudeln normalerweise sowieso laktosefrei sind, wirbt der Hersteller dieser Insektenpasta extra damit. Diese Nudel-Alternative ist allerdings nicht automatisch low carb (also arm an Kohlenhydraten), denn neben einem zehnprozentigen Anteil an Buffalowürmern ist Hartweizengrieß Hauptzutat in Insektenpasta.
Anders sieht es bei Reis und Nudeln auf Basis von Konjakmehl aus. Um Konjakwurzeln in Nudeln zu verwandeln, werden sie getrocknet und zu Mehl pulverisiert. Die in Asien schon lange bekannten Konjaknudeln sehen aus wie etwas dickere Glasnudeln. Sie bestehen überwiegend aus Wasser und Konjakmehl. Sie sind kohlenhydratfrei und kalorienarm, dazu vegan und fettfrei. Die bereits vorgekochten Nudeln oder Reis werden in Plastikbeuteln im Handel angeboten. Sie müssen zu Hause nur mit Wasser abgespült und erhitzt werden.
Allerdings ist ihr Geschmack nicht mit herkömmlicher Pasta vergleichbar. Die Konjaknudeln müssen kräftig gewürzt werden, passen besonders zu asiatischen Gerichten und z. B. zu Veggie- und Fleisch-Bolognese.
Geschmacklich nahe an herkömmliche Pasta heran kommen z. B. Rigatoni auf Basis von Lein- und Bohnenmehl. Sie sind glutenfrei und eiweißreich. Allerdings haben diese Nudeln im Vergleich zu Konjakpasta einen höheren Kohlenhydrat- und Energiegehalt. Etwas kohlenhydratreduziert im Vergleich zu herkömmlicher Pasta sind Nudeln aus roten und grünen Linsen. Sie sollten maximal vier bis fünf Minuten kochen, sonst werden sie zu weich und verlieren ihre Form.
Jackfrucht – exotischer Fleischersatz
Immer mehr Menschen greifen zu veganem Fleischersatz aus Soja und Lupinen. Eine Neuentdeckung im Supermarktregal sind Produkte aus Jackfrucht. Wird die größte Baumfrucht unreif geerntet, ist das leicht faserige Fruchtfleisch in seiner Textur und Konsistenz Rind- oder Hühnerfleisch sehr ähnlich und lässt sich passiert als Hackalternative oder in Stücke geschnitten wie Hähnchen oder Rindfleisch zubereiten.
Die Heimat des Jackfruchtbaums ist Indien und Sri Lanka; seine Früchte können bis zu 15 Kilogramm pro Stück wiegen und werden entweder gesäuert in Konserven oder in Vakuumbeuteln gehandelt. Um den leicht säuerlichen Geschmack zu vertreiben, spült man die Jackfrucht-Stücke in einem Sieb mit Wasser und würzt sie kräftig. Besonders harmonisch schmeckt die vegane Fleischalternative als Frikassee, in Königsberger Klopsen oder Gulasch (siehe Rezepte). Unreife Jackfrüchte sind kalorienarm, ballaststoffreich, fett- und zuckerfrei.
Kein Gluten – aber mehr Fett
Mehle, die nicht aus Weizen, Dinkel, Roggen oder Grünkern bestehen und glutenfrei sind, waren ursprünglich vor allem für Menschen mit Zöliakie/Sprue interessant. Heute werden die alternativen Mehle auch von all jenen genutzt, die Kohlenhydrate sparen möchten. Beliebt für Brot, Kuchen und Plätzchen sind besonders Kokos- und Mandelmehl. Es gibt aber auch Kürbiskern-, Hanf- und Kastanienmehl, erhältlich in Online-Shops, aber auch in Drogeriemärkten, Reformhäusern oder in den Gesundheitsabteilungen großer Supermärkte.
Allerdings haben diese Mehle meist einen höheren Fettgehalt – ein wichtiger Aspekt für Typ-2-Diabetiker, die abnehmen möchten: Ein Gramm Fett hat mehr als doppelt so viele Kalorien wie ein Gramm Kohlenhydrate. Viele Alternativmehle sind zudem eiweißreicher als herkömmliches Mehl, und bei Nussmehlen ist zudem der Ballaststoffgehalt höher.
Backen mit Nussmehlen und glutenfreien Mehlen
Wer mit Nussmehlen und glutenfreien Mehlen backen möchte, muss wissen, dass ein Bindemittel zugesetzt werden muss – z. B. ein bis zwei Teelöffel Flohsamenschalen, Chia- oder Leinsamen, Johannisbrotkernmehl, Pfeilwurzel- und Guarkernmehl. Auch Hühnereier binden und lockern den Teig. Um besonders bei Kuchen und Plätzchen ein gutes Ergebnis zu erzielen, empfehlen Hersteller solcher Mehle, nur rund 10 bis 30 Prozent des herkömmlichen Mehls gegen die Alternative auszutauschen.
Je nach Teigkonsistenz sollte etwas mehr Flüssigkeit (Mineralwasser mit Kohlensäure, Ei) in den Low-Carb-Teig kommen, damit er nicht zu bröselig wird. Oft geben die Hersteller auf der Verpackung gute Hinweise für die Verarbeitung dieser Mehle.
Autorin:
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (2) Seite 72-76
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 1 Tag, 6 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 1 Tag, 5 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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