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„Diabetes steht nicht im Vordergrund, ist aber immer mit dabei“
4 Minuten

Magst du dich einmal kurz vorstellen?
Ich bin Katharina, 28 Jahre alt und habe – bis auf ein paar Auslandsaufenthalte – mein ganzes Leben in München verbracht. Hier habe ich Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert und bin danach als Trainee zu einer Versicherung gegangen. Gerade arbeite ich in einem IT-Startup des Konzerns. In meiner Freizeit mache ich viel Musik: Gesang, Klavier und Orgel.
Welche Erfahrungen hast du als Typ-Flerin?
Ich kenne zwei Menschen mit Typ-1-Diabetes: dich und meine Freundin Mia (@busy_bolus_bee). Mia habe ich im Englischstudium kennengelernt, außerdem waren wir beide in der katholischen Hochschulgemeinde aktiv. Von ihrem Diabetes habe ich mitbekommen, weil wir oft zusammen gegessen und viel unternommen haben. Gerade beim Essen merkt man, dass Menschen mit Diabetes sich da einfach viel mehr Gedanken machen müssen, und auch bei Unternehmungen achtet sie viel mehr auf ihren Körper als ich.

Über Mias Instagram-Account bekomme ich auch von den Hürden im Alltag mit, wenn ich gerade nicht selbst mit ihr unterwegs bin. Mia hat zum Beispiel seit einiger Zeit eine Assistenzhündin, die noch in Ausbildung ist. Ich war überrascht, wie schlecht die strukturelle und finanzielle Unterstützung dafür hier in Deutschland ist und wie Mia manchmal mit ihrem Hund diskriminiert wird. Assistenzhunde dürfen im Nahverkehr kostenlos mitgenommen werden, und mehr als einmal hat ein Schaffner Mia nicht geglaubt, dass sie wirklich einen Assistenzhund hat – obwohl sie alle Unterlagen dabeihatte. Das ist das Problem der „unsichtbaren Behinderungen“; Menschen glauben einem nicht, dass man gerade eine Pause oder eine bestimmte Art der Unterstützung braucht, weil es auf den ersten Blick nicht sichtbar ist.

Welche Rolle spielt Diabetes in eurer Freundschaft?
Auf den ersten Blick keine große, aber natürlich ist Diabetes im Hintergrund immer mit dabei. Wenn wir gemeinsam wandern, dann muss Mia sehr darauf achten, wie es ihr körperlich geht, und Pausen machen wir einfach dann, wenn sie sie braucht. Das ist für uns total okay. Klar brauche ich auch mal was zu essen oder zu trinken, aber bei mir ist das nicht so akut, da kann ich mich gut nach ihr richten.
Über Mias Instagram-Account bekomme ich zum Beispiel auch mit, was es mental und emotional mit ihr macht, wenn ihr Zucker zu tief ist – wie belastend es sein kann, wenn man nicht weiß, warum die Werte so niedrig sind, oder wenn sie sich Sorgen macht, wie sie durch die Nacht kommen soll.

Was waren für dich besonders herausfordernde Momente?
Zu Beginn des Ukraine-Krieges hat Mia eine Spendenaktion für Insulin und Hilfsmittel organsiert. Es kam ganz viel zusammen und ich habe dann beim Sortieren und Verpacken mitgeholfen. Da sind mir zwei Dinge plötzlich ganz krass bewusst geworden, die ich zwar theoretisch schon wusste, aber nie so in ihrer Härte gespürt habe. Erstens: Menschen mit Diabetes würden ohne Insulin einfach sterben. Und zweitens: Diabetes ist unglaublich komplex. Ich war ja manchmal schon damit überfordert, die verschiedenen Utensilien richtig zuzuordnen. Jemand, der jeden Tag seinen Diabetes managt, braucht ja schon ein kleines Medizinstudium! Und selbst, wenn man dann tolle Technik hat, die einem viel abnimmt, muss man trotzdem alles noch von Hand können, denn die Technik kann ja auch mal ausfallen. Einmal war ich mit Mia unterwegs und ihre Pumpe hat nicht mehr funktioniert. Zum Glück hatte sie einen Pen dabei und konnte sich so spritzen.

Was waren besonders schöne Momente?
Das will ich gar nicht so auf Diabetes beziehen – ich freue mich nämlich immer, wenn ich Mia sehe und Zeit mit ihr verbringen kann. Völlig unabhängig vom Diabetes bin ich für diese Freundschaft total dankbar. Kürzlich haben wir zum Beispiel gemeinsam getrennt Corona durchgestanden und uns digital Gesellschaft geleistet, indem wir uns jeden Tag Updates geschickt oder gemeinsam zeitgleich Serien geschaut haben. Außerdem hat mich Mia zum Wordle-Fan gemacht.

Im Hinblick auf ihr Diabetes-Engagement freue ich mich für sie, wenn sie ihr Netzwerk ausbauen kann oder zum Beispiel auf Konferenzen eingeladen wird.
Was wünschst du den Menschen mit Diabetes in deinem Leben?
Ganz viel Empathie von ihren Mitmenschen, Akzeptanz, wenn sich Pläne mal verändern, und, dass die Menschen in ihrem Umfeld sich selbstständig zum Thema Diabetes informieren und nicht der Mensch mit Diabetes ständig auch noch die ganze Aufklärungsarbeit leisten muss. Außerdem fände ich es wichtig, strukturelle Benachteiligungen zu verringern – also einen besseren Zugang zu guten Gesundheitsangeboten und gesamtgesellschaftlich mehr Verständnis dafür, dass einfach alle Menschen unterschiedlich sind und ganz viele Wege zum Ziel führen können.
Und noch ein Podcast-Tipp zum Schluss?

Ich bin Historikerin und mein Lieblingspodcast ist gerade „Geschichten aus der Geschichte“ – der ist toll, weil die Themen vielleicht erstmal ein bisschen verrückt und überraschend klingen, selbst wenn man Geschichte studiert hat. Aber diese Geschichten werden dann in ihren großen historischen Kontext eingebettet und man erfährt wahnsinnig viel. Außerdem finde ich die Moderatoren sehr sympathisch, es sind zwei Männer, die aber immer gendern. Dafür gibt’s nochmal einen Extra-Punkt.
Das Interview mit Lara könnt ihr euch in diesem Beitrag von Mirjam ansehen!
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 13 Stunden, 34 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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vio1978 postete ein Update vor 1 Tag, 23 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
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renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
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moira antwortete vor 5 Tagen, 15 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
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Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊