Nachgefragt | Medizin: Miriam hat Probleme in der weiterführenden Schule

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Nachgefragt | Medizin: Miriam hat Probleme in der weiterführenden Schule

Sie haben medizinische und/oder psychosoziale Fragen bezüglich Kindern und Jugendlichen mit Diabetes? Die Experten des Diabetes-Eltern-Journals geben Ihnen in der Rubrik Nachgefragt Antwort!

Die Frage

Unsere 10-jährige Tochter Miriam hat seit fünf Jahren Diabetes. Von Beginn an trägt sie eine Insulinpumpe. Mein Mann und ich sind beide berufstätig, deshalb waren wir froh, dass sich damals im Kindergarten sehr engagierte Erzieherinnen um den Diabetes unserer Tochter kümmern konnten. Es gab daher keine großen Probleme, Miriam nahm an allen Unternehmungen teil, so war sie auch im Kindergarten ein unbeschwertes und fröhliches Kind.

Vor der Einschulung in die erste Klasse hat sie an einem zweitägigen Kurs “Fit für die Schule” teilgenommen, außerdem haben wir die Lehrer in persönlichen Gesprächen ausführlich über den Diabetes unserer Tochter informiert. So blieb auch die Zeit in der Grundschule ohne größere Komplikationen.

Jetzt, in der weiterführenden Schule, hat sich der gesamte Tagesablauf für unsere Tochter völlig verändert, u. a. kommt sie an drei Tagen in der Woche erst nachmittags nach Hause. Der Schulalltag ist hektisch geworden. Vor allem aber können sich die Lehrer in der neuen Schule nicht mehr so intensiv um Miriam kümmern wie in der Grundschule. Die Folge ist, dass sie jetzt häufig hohe Blutzuckerwerte hat, der HbA1c ist deutlich angestiegen.

Mit Insulinpumpe und Messgerät geht sie zwar schon sehr sicher um. Aber auf sich allein gestellt vergisst sie oft, ihren Blutzucker zu messen und das Insulin zu bolen, und wenn sie dann doch daran denkt, hat sie hierfür zwischen den Schulstunden meistens keine Zeit oder sie findet keinen geeigneten Raum. Auch die Berechnung des Insulins für das Mittagessen in der Schulmensa bereitet ihr große Schwierigkeiten.

Über diese Entwicklung sind wir Eltern sehr unglücklich. Was können wir tun?

Claudia M.

Die Antwort von Dr. Wolfgang von Schütz

Das Wichtigste ist, dass, wie in der Grundschule, Lehrer und Mitschüler über den Diabetes Ihrer Tochter gut informiert sind. Den Blutzucker messen, die Insulinpumpe bedienen, die Signaltöne von Pumpe und Messgerät oder auch eine kleine Zwischenmahlzeit bei Unterzuckerung sollten für die Klasse und die Lehrer nichts Besonderes sein.

Sehr gute Informationen hierzu enthalten die Diabetesbroschüren, die speziell für Lehrer in der Schule bzw. Trainer im Sportverein herausgegeben wurden. Diese Broschüren sind inhaltlich sehr gut und sehr verständlich geschrieben und werden kostenlos von den Diabetesteams verteilt. Sie können aber auch über die AG für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) bezogen werden (www.diabetes-kinder.de).

Meist bilden sich unter den Schülern in der neuen Klasse rasch stabile Freundschaften. Die Erfahrung zeigt, dass sich z. B. die neue Freundin dann durchaus bereit erklärt, auf den Diabetes ihrer Klassenkameradin mit aufzupassen.

Nach umfassender Aufklärung sind aber auch viele Lehrer in der weiterführenden Schule bereit, ein wachsames Auge auf die Kinder mit einer chronischen Erkrankung zu haben und so sozusagen eine Supervisions- und Erinnerungsaufgabe zu erfüllen.

Spezielle Schulungskurse für die Kinder beim Schulwechsel

Einige Diabeteszentren, in denen Kinder und Jugendliche ambulant behandelt werden, bieten spezielle Schulungskurse für die Kinder an, die nach der vierten Klasse auf eine weiterführende Schule wechseln, entsprechend dem Kurs “Fit für die Schule”, an dem auch Ihre Tochter zur Einschulung teilgenommen hat. Die Kosten werden auch hier in der Regel im Rahmen eines tagesklinischen Aufenthaltes von den Krankenkassen übernommen. Fragen Sie Ihr Diabetesteam danach.

Eine weitere große Hilfe für den Kontakt zu Miriam kann ein Handy zum direkten Telefonieren bzw. ein Smartphone mit WhatsApp-Funktion sein. Sprechen Sie mit dem Klassenlehrer, ob die Schulleitung es Ihrer Tochter unter den gegebenen Umständen erlaubt, ein Handy in der Schule zu benutzen. (Erfahrungsgemäß gestatten es die meisten Schulen.)

Dann könnte Ihre Tochter bei Fragen und Problemen direkt Kontakt zu Ihnen aufnehmen. Umgekehrt könnten Sie zu verabredeten Zeiten Ihre Tochter anrufen oder ihr eine WhatsApp schreiben und sie auf diesem Weg an das Blutzuckermessen und an das Bolen des Insulins erinnern.

Was tun bei Überforderung?

Manche Kinder sind hiermit allerdings in der neuen Klasse überfordert, und manchmal bleibt auch die Unterstützung durch die Lehrer aus. Es besteht dann die Möglichkeit, eine ambulante Krankenpflege für die Zeit des Unterrichtes bei der Krankenkasse zu beantragen, entweder als kurze Besuche zu verabredeten Zeiten mehrmals am Tag oder als ständige Begleitung.

Eine ambulante Krankenpflege oder eine Schulbegleitung ist eine ärztliche Verordnung, die Kosten hierfür werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Allerdings sollte bedacht werden, dass damit dem Kind wegen seines Diabetes sehr leicht in der Klasse eine Sonderrolle zukommt. Das gilt es möglichst zu vermeiden. Daher sollte die ambulante Krankenpflege nur dann verordnet werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Nehmen Sie sich in der Diabetesambulanz Zeit, um das Thema Schulwechsel ausführlich zu besprechen und fragen Sie, ob es den Diabetesberaterinnen eventuell möglich ist, die Lehrer Ihrer Tochter zum Thema Diabetes zu schulen.


von von Dr. med. Wolfgang von Schütz

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (3) Seite 18-19

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 7 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Tagen, 1 Stunde

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

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