- Eltern und Kind
So können Großeltern helfen
3 Minuten
Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf." – Dieses kluge afrikanische Sprichwort gilt weltweit auch für Kinder mit Diabetes. Selbstverständlich brauchen sie ihre Eltern ganz besonders, weil die neben vielen anderen Dingen zusätzlich die Diabetesbehandlung verantwortlich durchführen und überwachen.
Aber auch viele andere Personen, Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkel, Freunde und Nachbarn tragen dazu bei, dass Kinder wichtige Erfahrungen außerhalb der engsten Familie sammeln können. Dabei lernen Mädchen und Jungen, sich in unterschiedlichen Umgebungen wohlzufühlen, sich einzuordnen und selbstbewusst neue Aufgaben anzugehen.
In vielen Familien sind heute beide Eltern berufstätig, etwa 17 Prozent der Kinder in Deutschland wachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Die Zeit, die Kinder und Eltern heute in Ruhe miteinander verbringen können, ist oft viel zu knapp. Und hohe Ansprüche an die Flexibilität im Beruf erschweren das Familienleben und die gute Versorgung eines Kindes mit Diabetes zusätzlich. Trotz bestem Willen können Eltern deshalb nicht immer alles allein schaffen.
"Diabetes ist ein Familienprojekt"
"Diabetes ist ein Familienprojekt", schrieb der australische Kinderdiabetologe Prof. Fergus Cameron 2015 in einem viel beachteten Beitrag in der Fachzeitschrift
Gleichzeitig sind viele Omas und Opas jung genug, um selbstverständlich mit neuen Technologien umzugehen, sportlich aktiv zu sein und die Behandlung eines Kindes mit Typ-1-Diabetes verantwortlich zu überwachen. Frau B. (63) hatte vor einem Jahr bei ihrem dreijährigen Enkel vermutet, dass sein unstillbarer Durst etwas mit Diabetes zu tun haben könnte und ihrer Tochter geraten, zum Kinderarzt zu gehen.
"Für mich war es selbstverständlich, nach der schlimmen Diagnose an der Diabetesschulung teilzunehmen. Ich wollte ja weiter für unseren Enkel da sein und seine Eltern unterstützen. Wir alle hatten zu Beginn etwas Sorge, ob es mit der Pumpe und dem Kathetersetzen sicher klappt. Inzwischen ist auch das für mich Routine wie Telefonieren", berichtet die engagierte Großmutter.
Damit es zwischen den Generationen gut klappt
Viele Großeltern sind zunächst tief traurig, wenn sie von der Diabetesdiagnose bei ihrem Enkelkind hören. Aus ihrem Freundeskreis oder sogar aus eigener Erfahrung kennen sie den Typ-2-Diabetes und dessen Behandlung. Dagegen wissen nur wenige über den Typ-1-Diabetes bei Kindern Bescheid. Manche Großeltern mit Typ-2-Diabetes machen sich sogar – völlig unbegründet – Vorwürfe, dass sie den Diabetes an den Enkel "weitervererbt" hätten. Gegen solche Fehleinschätzungen und übertriebene Ängste helfen nur gute Information und klare Absprachen zwischen den Generationen:
Manchmal sind Großeltern unverzichtbar
Während einer Diabetesschulung berichtete Herr R. (68), dass er sich jetzt intensiv in den Typ-1-Diabetes einarbeiten wolle. Er sei sich nicht sicher, ob er das noch schaffe. Der Vater seiner drei Enkelkinder – der achtjährige Enkelsohn hat Diabetes – habe die Familie verlassen. Die Mutter müsse arbeiten. Herr R. hat viel Rückhalt durch andere Eltern erfahren und konnte sich mit Hilfe seines Enkelsohnes, der sich nach drei Jahren Diabetes schon wie ein "Profi" fühlte, und dem Diabetesteam das notwendige Wissen und die praktischen Fertigkeiten aneignen.
Nicht alle jungen Familien haben das Glück, Großeltern in der Nähe zu haben. Und manchmal ist ein harmonisches Miteinander einfach nicht möglich, weil ein Großelternteil die Notwendigkeit der Diabetestherapie nicht sehen will, das Kind heimlich mit Süßigkeiten "verwöhnt" und es damit gefährdet. In seltenen Ausnahmefällen sind Großeltern trotz ausführlicher Aufklärung weiter uneinsichtig. Die Eltern haben berechtigte Zweifel, ob diese Großeltern gut für ihr Kind sind.
Dann sollten Eltern andere Menschen aus der Familie, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft in die Betreuung des Kindes einbeziehen. Es ist kein falsch verstandener Egoismus, wenn Eltern eines Kindes mit Diabetes sich regelmäßig eine kurze Auszeit – Restaurantbesuch, Theater, Sport, Wochenende etc. – nehmen, um die Partnerschaft zu pflegen und neue Kräfte zu tanken. Und ihre Kinder lernen so von früh auf, dass sie nicht nur Zuhause sicher sind.
In fast allen Bundesländern gibt es dazu auch Initiativen von Menschen mit Typ-1-Diabetes, die als Paten oder Ersatzgroßeltern in Notfällen einspringen oder junge Familien über längere Zeit unterstützen wollen. Über diabetes-kids.de kann unter dem Stichwort "Diabetes-Paten" ein Kontakt angebahnt werden. Die Diabetes-Paten springen auch in Notfällen ein, wenn z. B. ein Elternteil ins Krankenhaus muss oder sich aus anderen Gründen weniger kümmern kann. Auch die Diabetes-Nannys der Stiftung Dianiño helfen, solche Notsituationen zu überbrücken.
Großeltern dürfen verwöhnen
Viele Kinder lieben ihre Großeltern, weil die sie verwöhnen, nicht "ganz so streng" sind wie die Eltern, Zeit für sie haben. Das sollte sich auch mit Diabetes nicht ändern. Verwöhnen heißt heute aber für kein Kind, ihm unbegrenzt Süßigkeiten, Computerspiele oder Fernsehen zu erlauben. Dies schadet allen Kindern. Verwöhnen kann bedeuten, Kindern wichtige Erfahrungen zu vermitteln, z. B. gemeinsam kochen oder backen, interessante Ausstellungen für Kinder oder einen Zoo besuchen, Geschichten erzählen oder vorlesen, Basteln, zum Sport begleiten oder anders zusammen aktiv sein.
Und schließlich sind das geduldige Zuhören, Anregungen zur Lösung von Problemen und immer wieder Ermutigung und Zuneigung das Wichtigste, was Großeltern ihren Enkeln schenken können.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 2 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
