Forderungen der Diabetes-Selbsthilfe an neue Regierung: Patienten im Mittelpunkt – Lebenssituationen verbessern

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Forderungen der Diabetes-Selbsthilfe an neue Regierung: Patienten im Mittelpunkt – Lebenssituationen verbessern | Foto: Mirko - stock.adobe.com
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Forderungen der Diabetes-Selbsthilfe an neue Regierung: Patienten im Mittelpunkt – Lebenssituationen verbessern

Einigkeit in der Vielfalt: Bundes- und Landes-Organisationen der Diabetes-Selbsthilfe formulieren und vertreten die berechtigten Interessen ihrer Mitglieder gemeinsam im Diabetes-Anker! Einige konkrete Forderungen der Diabetes-Selbsthilfe an die neue Regierung sind hier zusammengetragen.

Als Vertreter der organisierten Selbsthilfe treibt uns die Sorge, dass nach der Bundestagswahl und den anstehenden Koalitionsverhandlungen die Gesundheitspolitik gegenüber anderen Themen wie innere Sicherheit oder Verteidigungsfähigkeit ins Hintertreffen gerät und es künftig eher um die Suche nach Einspar-Potenzialen als um Erhalt oder Ausbau von Versorgungs-, Teilhabe- und Präventionsstandards geht.

Auf einen Blick: Was die Diabetes-Selbsthilfe von der neuen Regierung fordert
  • wohnortnahe Versorgung sicherstellen durch Ausbau der Praxisstrukturen
  • Versorgung im Alter absichern durch digitale Ertüchtigung der Pflege-Einrichtungen
  • Teilhabe ermöglichen durch unkompliziertes Durchsetzen von Kita-/Schulbegleitung
  • Prävention ausbauen durch Werbe-Einschränkungen, Zuckersteuer und steuerliche Anreize für gesündere Ernährung
  • Selbsthilfe absichern durch Aufnahme in die Bonusprogramme der Krankenkassen, durch Aufnahme in DMP und durch Stimmrecht im G-BA

➤ zum Bereich für die Selbsthilfe-Verbände auf dem Diabetes-Anker

Deshalb formulieren wir im Folgenden unsere Interessen, Erwartungen und Forderungen gegenüber einer kommenden Bundesregierung. Dabei eint uns in unserer Vielfalt ein gemeinsames Ziel: die Lebenssituation von Menschen mit Diabetes zu verbessern!

Wohnortnahe Versorgung

Die dringend nötigen Reformen unseres Gesundheitssystems müssen immer im Blick haben, dass die wohnortnahe Versorgung gesichert bleibt. Die weitere Ausdünnung von diabetologischen Schwerpunktpraxen und Ambulanzen in den Kliniken muss gestoppt und umgekehrt werden.

Es kann nicht akzeptiert werden, dass wir Menschen mit Diabetes für das Erstellen und Überwachen von Therapie-Konzepten und für die Behandlung der Folgen unserer Erkrankung stundenlange Anfahrts- und Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, weil die Kompetenz in der Fläche fehlt.

Hier muss bereits in der medizinischen Ausbildung umgesteuert werden und es dürfen keine neuen gesetzlichen Hürden für eine auskömmliche Vergütung der Diabetologen geschaffen werden.

Versorgung im Alter

Die Versorgung von älteren, vor allem pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes in den Einrichtungen der ambulanten und der stationären Pflege ist mangelhaft! Uns erreichen Meldungen, dass in Pflege-Einrichtungen z.B. das Überwachen von Blutzuckerwerten kritisch ist, weil sich niemand richtig dafür verantwortlich fühlt.

Während der Hausarzt auf das Pflegepersonal verweist, ist dieses mit der qualifizierten Betreuung diabetischer Bewohner fachlich und zeitlich oftmals überfordert. Digitalisierte Lösungen sind in den Einrichtungen die Ausnahme.

Hier müssen alle Akteure enger zusammenarbeiten: Ärzteschaft, Pflege-Einrichtungen, Hersteller und Politik.

Teilhabe

Kinder mit Diabetes sind viel zu oft ausgeschlossen vom Kita-Besuch oder von der Teilnahme an Klassenfahrten und anderen schulischen Aktivitäten, weil ihnen eine stete Assistenzkraft von Krankenkassen und Ämtern verweigert wird.

Wir fordern, dass die Bundesteilhabe-Gesetzgebung endlich umgesetzt wird. Das bedeutet, dass die Rehabilitationsträger (Krankenkassen, Sozial-/Jugendämter) endlich dem gesetzlichen Auftrag der Erstellung von Teilhabeplänen nachkommen und diese bedarfsgerecht umsetzen müssen, damit den Kindern ein ganz normaler Besuch einer Kita oder Schule ermöglicht wird.

Ferner fordern wir eine bundesweite Initiative für Gesundheits-Fachkräfte an allgemeinbildenden Schulen. Dies würde perspektivisch teure spezielle Schulbegleitungen bei Diabetes Typ 1 weitgehend überflüssig machen.

Prävention

Um die regelrechte Diabetes-Typ-2-Epidemie einzudämmen, ist der Bereich der Prävention umfassend auszubauen. Wir fordern deshalb die Einführung einer Zuckersteuer sowie Werbe-Einschränkungen für stark zuckerhaltige Lebensmittel.

Der NutriScore muss überarbeitet werden, um besser abzubilden, wie gesund Lebensmittel sind, und dann für alle abgepackten Produkte verpflichtend werden.

Ferner halten wir die Befreiung regionalen Gemüses von der Mehrwertsteuer für einen probaten Anreiz zu einer gesünderen Ernährung.

Selbsthilfe fördern

Die Arbeit von Selbsthilfegruppen und -verbänden muss systematisch gefördert und aufgewertet werden. Krankenkassen sollten die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe in ihren Bonusprogrammen honorieren. Bonuspunkte sind für viele Betroffene eine Motivation, ihre Erkrankung besser in den Griff zu bekommen.

Die Aufnahme der Angebote der Selbsthilfe und der Patientenvertretung in die Disease-Management-Programme (DMP) halten wir ebenfalls für sinnvoll. Patienten sollten bei Aufnahme in ein DMP durch den Arzt zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe motiviert und die Kontaktdaten der Selbsthilfegruppen weitergegeben werden. Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) müssen dort endlich Stimmrecht bekommen!

Wir werden in dieser Legislaturperiode sehr genau darauf achten, wie man mit uns und unseren Forderungen umgeht, und uns immer wieder zu Wort melden. Seien Sie sich sicher – wir setzen uns für Sie ein.


gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (4) Seite 60-61

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  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 14 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 3 Tagen

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

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