- Technik
Google sollte nicht enttäuschen!
2 Minuten
Die Kontaktlinse von Google – eine neue Hoffnung auf eine nichtinvasive Glukosemessung? Sprich: Ohne Blutentnahme den Blutzucker messen?
Es ist wenige Wochen her, dass Google, der Marktführer unter den Internet-Suchmaschinen, eine Medienkampagne zum Bekanntwerden seiner Entwicklung führte: der Kontaktlinse zum Zuckermessen! Dutzende Medien allein in Deutschland stürzten sich auf die Nachricht – Zeitungen brachten die Meldung auf der ersten Seite. Der Facebook-Kanal des Diabetes-Journals verzeichnete innerhalb weniger Stunden tausende Leser, wie man hört. Ein Thema also, das Menschen mit Diabetes sehr interessiert, sehr bewegt – aus nachvollziehbaren Gründen.
Also fragen wir uns: Wo ist sie, diese Kontaktlinse? Wo sind die wissenschaftlichen Daten? Wo ist die Website, auf der man die Details nachlesen kann? Das ist nämlich nötig.
Googles Labor ist ja nicht die erste Gruppe, die in der Tränenflüssigkeit Zucker messen will. Nach Sichten der wissenschaftlichen Literatur muss man damit rechnen, dass die Schwankungen des Zuckers in der Tränenflüssigkeit ca. 20 bis 45 Minuten nachhinken hinter der Blutzuckerschwankung; da würden wir doch gern genauer wissen: Wie sieht es mit dem Instrument von Google aus?
Wie sieht es mit dieser Schwankung von Tag zu Tag aus? Wenn man vielleicht mehr getrunken hat: Geht es dann schneller? Oder ist diese Verzögerung individuell konstant? Wie will die Gruppe von Google daraus den Blutzucker von Diabetikern abschätzen? Bereits die kontinuierlichen Messgeräte (kontinuierliches Glukosemonitoring/CGM) weisen bekanntlich ca. 5 bis 10 Minuten Verzögerung zwischen dem gemessenen Wert und dem Blutglukosewert auf.
Die meisten der großen Zahl derer, die bis heute versuchten, nichtinvasiv Glukose zu messen, scheiterten an dem Problem der Spezifität – mit anderen Worten: Es wurde nicht nur Glukose, sondern manch anderes mitgemessen; das führte zu falschen Werten. Nun, dies ist hier wohl nicht der Fall: In der Tränenflüssigkeit wird mit der Google-Kontaktlinse soweit erkennbar nur die Glukose gemessen. Aber wie genau ist es? Können wir sicher sein, dass bei dem Projekt die Blutglukose gemessen und nicht irgendetwas anderes zum Vergleich herangezogen wird?
Mich beunruhigt, dass keine Daten zu finden sind, welche Werte genau gemessen werden. Aus meinem Blickwinkel ist das die grundlegende Frage. Da helfen die weiteren faszinierenden technischen Anwendungen nicht: „Die Glukosewerte würden auf dem Handy oder auf einer Armbanduhr erscheinen“, heißt es. Dieser Hinweis beim Kennenlernen des Systems lenkt meiner Meinung nach eher ab von der Schwierigkeit, dass die Werte in der Tränenflüssigkeit nachhinken.
Google weckt viele Hoffnungen.Wenn sich herausstellt, dass sie nicht gerechtfertigt sind, ist das schlecht für die Szene – das heißt für die Wahrscheinlichkeit, dass in naher Zukunft einmal ein solches Gerät auf den Markt kommt. Erneute Enttäuschung lässt den Optimismus schwinden, dass es mal etwas wird mit dem blutlosen Messen – und potentielle Geldgeber hätten weniger Lust, zu investieren.
Übrigens: Ich bin als Autor insofern befangen, als ich selbst seit vielen Jahren an der Entwicklung eines nichtinvasiven Glukose-Messsystems arbeite.
von Prof. Hermann von Lilienfeld-Toal
Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0,
Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (3) Seite 21
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moira postete ein Update vor 2 Wochen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 2 Tagen
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 1 Tag, 23 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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