In der Tradition der „Ulmer Zuckeruhr“

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© IDT Ulm
In der Tradition der „Ulmer Zuckeruhr“

Seit 1986 gibt es das Institut für Diabetes-Technologie in Ulm – gegründet vom Vater der “Ulmer Zuckeruhr”. Seitdem hat sich viel getan in der Diabetes-Technologie, viele Hilfsmittel sind hinzugekommen. Studien, die die Sicherheit und den Nutzen der eingesetzten Hilfsmittel belegen, werden immer wichtiger. Genau diese Studien führt das IDT in Ulm durch.

Der Bereich Diabetes-Technologie steht im Mittelpunkt des Interesses beim Institut für Diabetes-Technologie (IDT) in Ulm. Hier werden vorwiegend klinische Studien z. B. mit Gewebeglukosesensoren, Insulinpumpen und Blutzuckermessgeräten durchgeführt. Etwa 20 Mitarbeiter sind an den Studien beteiligt.

Ziel: tragbare Bauchspeicheldrüse

Gegründet wurde das Institut im Jahr 1986 von Professor Dr. med. Dres. h. c. Ernst Friedrich Pfeiffer. Sein Ziel war, eine tragbare künstliche Bauchspeicheldrüse zu entwickeln – damit die Therapie des Diabetes automatisch geregelt wird und schwere Folgeschäden verhindert werden können.

Schon in den 1970er Jahren war der Diabetespionier maßgeblich an der Entwicklung einer künstlichen Bauchspeicheldrüse beteiligt; bekannt ist das System als Biostator. Dieses Gerät misst kontinuierlich die venöse Blutglukose und kann Insulin und Glukose in eine Vene abgeben. Noch heute hat das System seinen Stellenwert in Studienzentren.

„Ulmer Zuckeruhr“

Bekannt in Fachkreisen, auch international, wurde das IDT, als es ein System zur kontinuierlichen subkutanen Zuckermessung entwickelte: die „Ulmer Zuckeruhr“. Auch wenn ab Ende der 1990er Jahre Prototypen des Systems zur Verfügung standen, zuerst einmal für Studien, kam es nicht zur Marktreife: Das auf dem Prinzip der Mikrodialyse basierende System war für den Alltagseinsatz am Patienten zu aufwendig.

Breites Themenspektrum

Mit der Neueinführung des Medizinproduktegesetzes Ende der 1990er Jahre wurden dementsprechende Studien zunehmend bedeutsam. Das Themenspektrum ist vielfältig: Zu den zu untersuchenden Medizinprodukten gehören z. B. Stechhilfen, Insulinpens, Insulinpumpen, Boluskalkulatoren, Algorithmen für Closed-Loop-Systeme und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM).

Aber auch Studien zu Blutzuckermessgeräten aus der Gruppe In-vitro-Diagnostika werden im IDT durchgeführt. Dabei geht es nicht nur um Studien im Bereich Diabetologie vor der Zulassung eines sich noch in der Entwicklung befindenden Produkts, sondern es werden auch bereits zugelassene Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika untersucht. Hierbei geht es um die Leistungsfähigkeit und die Sicherheit der Systeme.

Das vielfältige IDT-Team

Viele Menschen und Berufsgruppen sind im Institut für Diabetes-Technologie für die Planung, die Durchführung und die Auswertung der Studien zuständig. Zu den Berufsgruppen gehören Ärzte, Biologen, Physiker, Krankenschwestern, Medizinisch-technische Laboratoriums­assistentinnen, Pharmazeutisch-technische Assistentinnen, Biologielaboranten, Diätassistentinnen, Ernährungsberaterinnen, Arzthelferinnen, Medizintechniker und Elektrotechniker – hier existiert also eine große Bandbreite an Wissen. Und natürlich sind mit einem Diabetologen auch die erforderlichen Diabeteskenntnisse vorhanden.

Blutzuckermesssysteme im Test

Besonders intensiv untersucht das IDT Blutzuckermessgeräte und Blutzuckerteststreifen nach den Vorgaben der Norm „ISO 15197 –Testsysteme für die In-vitro-Diagnostik – Anforderungen an Blutzuckermesssysteme zur Eigenanwendung beim Diabetes mellitus“. Eine Aktualisierung hat die Norm in diesem Jahr erfahren: Sie wurde strenger.

Mindestens 95 % der mit dem jeweiligen Blutzuckermesssystem bei 100 Probanden gemessenen Blutzuckerkonzentrationen dürfen folgende maximale Abweichung von den Ergebnissen der entsprechenden Referenzmethode aufweisen: bei Glukosekonzentrationen < 100 mg/dl maximal ± 15 mg/dl und bei Glukosekonzentrationen > 100 mg/dl maximal ± 15 %. Außerdem sollen drei Teststreifenchargen eines Blutzuckermesssystems untersucht werden, um Unterschiede zwischen den einzelnen Chargen zu entdecken.

Blutzuckermesssysteme, die bereits auf dem Markt sind, sollten die Vorgaben der Norm erfüllen. Deshalb untersucht das IDT auch solche Messsysteme hinsichtlich Präzision, Einflüssen von Interferenzen und Handhabung sowie Genauigkeit in den Händen der Anwender.

CGM schon lange Thema

Das Thema kontinuierliche Glukosemessung, das seit einigen Jahren im Licht der Öffentlichkeit angekommen ist, beschäftigte das IDT bereits vor mehr als zehn Jahren: Damals hat das Institut Schulungsfolien entwickelt für den Einsatz bei der Auswertung von retrospektiven kontinuierlichen Glukosekurven; diese Folien wurden auch zeitnah international präsentiert.

Studien, bei denen Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) untersucht werden oder bei denen es um die Entwicklung und Optimierung von Algorithmen zur Insulindosierung geht oder auch bei Insulinpumpenstudien bleiben die Probanden, meist Typ-1-Diabetiker, häufig mehrere Tage stationär im Institut; Zweibettzimmer sind dafür eingerichtet.

Die Daten – Glukoseverläufe und deren Interpretation für Therapieanpassungen unter Berücksichtigung der Insulindosierungen, Mahlzeiten und Aktivitäten –, die sich in den Studien ergeben, besprechen die Ärzte des IDT während des Aufenthalts intensiv mit den Probanden.

Wie genau schätzen Diabetiker?

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt des Instituts ist die Untersuchung von Glukoseverläufen nach Mahlzeiten, untersucht in Abhängigkeit von der Mahlzeitenzusammensetzung. Auch die Schätzgenauigkeit, wie Mahlzeiten zusammengesetzt sind, hat das IDT mit Typ-1-Diabetikern in Studien erfasst.

Gute Uni-Kooperation

Das IDT wird zu 100 % von der Ernst Friedrich Pfeiffer-Dotation getragen; Vorstand dieser Dotation sind Professor Dr. Andreas F. H. Pfeiffer, Sohn des Institutsgründers, und Dr. M. Pfeiffer. Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des IDT ist Dr. Guido Freckmann, wissenschaftliche Leiterin Professor Dr. Cornelia Haug. Durch den Status als „An-Institut“ der Universität Ulm ist eine enge Zusammenarbeit mit den Fakultäten und Einrichtungen der Universität Ulm möglich.

Wollen auch Sie einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Diabetikern leisten und möglicherweise an Studien dazu teilnehmen? Damm melden Sie sich im IDT. Sie erhalten zuerst ein Infopaket über das Institut, eine Verpflichtung zur Studienteilnahme ergibt sich daraus nicht.

Studienteilnahme

Die Kontaktdaten: Institut für Diabetes-Technologie, Helmholtzstraße 20, 89081 Ulm, Tel.: 07 31/5 09 90-0, Fax: 07 31/5 09 90-22, E-Mail: diabetes@idt-ulm.de, Interent: www.idt-ulm.de


von Dr. Guido Freckmann

Erschienen in: Diabetes und Technologie, 2013; 5 (3/4) Seite 18-19

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  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 11 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 21 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

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