Wie die Leber ihr Fett wegkriegt: DDB fördert MOCA-Studie zu Fettleber und Typ-2-Diabetes

3 Minuten

Wie die Leber ihr Fett wegkriegt: DDB fördert MOCA-Studie zu Fettleber und Typ-2-Diabetes | Foto: natali_mis - stock.adobe.com
Foto: natali_mis - stock.adobe.com
Wie die Leber ihr Fett wegkriegt: DDB fördert MOCA-Studie zu Fettleber und Typ-2-Diabetes

Ein Typ-2-Diabetes geht häufig mit einer Erkrankung der Leber einher. In dem zentralen Stoffwechselorgan, das unter anderem Zucker und Fette aus der Nahrung verarbeitet, bilden sich Fettablagerungen. Interessanterweise verstärken sich Typ-2-Diabetes und eine Fettleber gegenseitig. Ob eine spezielle Formen der Ernährung der Lebergesundheit helfen kann, soll die MOCA-Studie zeigen, die der DDB fördert.

Das heißt also nicht nur, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Risiko haben, eine Fettleber zu entwickeln. Es scheint auch andersherum zu funktionieren: Forschende der Charité in Berlin haben in einer früheren Studie beobachtet, dass eine Verringerung des Leberfetts bei Menschen mit Diabetes auch die Insulin-Resistenz reduziert, also die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin erhöht.

Die Teilnehmenden an der Studie erreichten den Abbau von Leberfett auf eher überraschende Weise. Nicht Sport brachte den Erfolg, auch keine Diät zur Gewichtsabnahme. Die Forschenden verschrieben den an ihrer Studie Teilnehmenden vielmehr eine an Eiweiß (Protein) reiche gesunde Ernährung, ohne dass sie ihr Gesamtgewicht reduzieren mussten.

Der DDB-Online–Treffpunkt: Raum für Ihre und Eure Anliegen

Zu unseren regelmäßigen bundesweiten Online-Treffen laden wir Expertinnen und Experten aus Medizin, Versorgung oder Politik ein und diskutieren die Bedarfe der Betroffenen. Die Treffen sind in erster Linie Ihr und Euer Raum – hier gibt es Austausch mit Gleichgesinnten und die Möglichkeit, eigene Anliegen zu platzieren. So können wir an wichtigen Stellen in Versorgung oder Politik für Ihre und Eure Interessen eintreten!

➤ mehr dazu auf der DDB-Website

Eiweißreiche Ernährung hilft

Sie erhöhten bei den täglichen Mahlzeiten entweder den Gehalt an tierischem Eiweiß, also etwa Quark, Käse, Fleisch oder Fisch. Oder die Teilnehmenden erhielten bestimmte mit pflanzlichem Eiweiß angereicherte Produkte wie Brot, Nudeln oder Kekse. Insgesamt war die Ernährung während der Studie reich an Ballaststoffen und arm an gesättigten Fettsäuren.

Nach sechs Wochen eiweißreicher Ernährung war bei fast allen Teilnehmenden das Leberfett deutlich weniger geworden. Gleichzeitig verbesserte sich die Insulin-Empfindlichkeit der Teilnehmenden. Die Körperzellen sprachen also wieder besser auf das Hormon an und konnten mehr Zucker aus dem Blut aufnehmen.

Um ihre vielversprechenden Ergebnisse weiterzuverfolgen, planen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt eine weitere Studie. Darin wollen sie genauer erforschen, welche Art von Eiweißen die besten Effekte auf Leberfett und Insulin-Resistenz zeigt.

Welche Eiweiße sind am wirksamsten?

Sind es pflanzliche Eiweiße, solche aus Molke oder das Milcheiweiß Kasein? „Molkeprotein und Kasein unterscheiden sich sowohl in ihrer Aminosäurezusammensetzung wie in ihrer Resorptionsgeschwindigkeit“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Andreas Pfeiffer. Sie werden also unterschiedlich schnell vom Körper aufgenommen und auf unterschiedlichen Wegen verwertet. „Dadurch wirken sie sich unterschiedlich auf Leberfett und Insulinsensitivität aus.“ Im Vergleich zu Fleisch seien beide Milcheiweiße zudem „sicherlich gesünder“.

Pflanzliche Nahrungsprodukte sind unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit relevant und wirken positiv auf die Gesundheit – „was aber wahrscheinlich an ihren zusätzlichen Nährstoffen wie zum Beispiel Polyphenolen liegt“, erklärt Pfeiffer weiter. In der aktuellen Studie wollen die Forschenden herausfinden, ob pflanzliche Eiweiße ebenso effektiv wie tierische gegen das Leberfett wirken.

Im Interesse unserer Mitglieder und aller Menschen mit Diabetes unterstützt der DDB die MOCA-Studie (Molke oder Casein?) mit finanziellen Mitteln. Wir danken an dieser Stelle unseren Mitgliedern und Förderern, die dieses Engagement mit ihren großzügigen Spenden ermöglicht haben.

Lust, mitzuforschen?

Möchten Sie mehr über Ihren eigenen Stoffwechsel und Ihre Ernährungsweise erfahren und dabei die Diabetesforschung unterstützen? Dann ist die MOCA-Studie vielleicht die richtige Gelegenheit. Teilnehmen können Menschen zwischen 18 und 79 Jahren, die einen Typ-2-Diabetes haben, der nicht mit Insulin behandelt wird. Um an der MOCA-Studie teilnehmen zu können, muss zudem eine Fettleber vorliegen. Ob Sie davon betroffen sind, wird bei einer Eignungsuntersuchung per Ultraschall ermittelt.

MOCA-Studie Neugierig?

Für Fragen rund um den Verlauf und das Ziel der Studie stehen Studienarzt Dr. Stefan Kabisch und die Ernährungswissenschaftlerin Marta Csanalosi von der Charité in Berlin zur Verfügung. Sie können ihnen eine Mail mit dem Betreff „MOCA“ an folgende Mail-Adresse schreiben: diabetes@charite.de

Ein Interview mit Studienleiter Prof. Dr. Andreas Pfeiffer zum Thema Fettleber findet sich unter www.diabetikerbund.de/mocainterview

Im Rahmen der Studie nehmen Sie drei Wochen lang täglich ein Getränk zu sich, das entweder Erbsen- oder Molkeprotein oder Kasein enthält. Zu Beginn und am Ende der drei Wochen werden Sie eingehend ärztlich untersucht. Zudem erhalten Teilnehmende eine Beratung für gesunde Ernährung.


von Dr. Ulrike Schneeweiß

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (4) Seite 62-63

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V.
Nach mehreren Jahren an der Spitze übergibt Michael Wirtz sein Amt: Neuer Vorsitzender der DiabetesHilfe Nord e.V. wird Reiner Sommer. Wirtz blickt auf gemeinsame Projekte zurück und erklärt, warum er dem Verein trotz Rückzugs weiterhin verbunden bleiben möchte.
Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V. | Fotos: privat

< 1 minute

Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“
Im ersten Teil dieser Serie ging es um einen Perspektivwechsel: Typ-2-Diabetes ist nicht nur eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Entscheidend ist auch Fett an den falschen Orten. Wenn dieses Fett abnimmt, kann sich der Stoffwechsel verbessern. Doch warum ist es so schwer, an diese Fettreserven heranzukommen? Gewichtsverlust braucht ein Energie-Defizit. Doch entscheidend ist auch, ob der Körper die Tür zu seinen gespeicherten Energie-Reserven weit genug öffnen kann.
Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“ | Foto: Viktor – stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%