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Mein Diabetes macht ohne mich Urlaub: Wie sich Italien auf meinen Blutzucker auswirkt
4 Minuten
Pizza, Pasta, Gelato – für jeden Diabetiker ist der Urlaub in Italien oder einem anderen Land mit kulinarischen Versuchungen oft ein Horror. Unbekannte Lebensmittel, keine Kohlenhydratangaben und man möchte auch nicht immer an den Diabetes denken. Maggy hat sich den Leckereien gestellt.
Pizza, Pasta, Gelato sind eine wahre Herausforderung für jeden Insulinjunkie. Aber was ist, wenn der Diabetes sich einfach mal selbst eine Auszeit nimmt? Meine beruflichen Aufenthalte in Italien nutzt mein Zuckermonster, um mal ordentlich zu entspannen. Der Insulinbedarf sinkt, der Blutzucker steigt kaum an und auch Unterzuckerungen sind selten. Seit Jahren versuchen mein Diabetologe und ich, dieses Rätsel zu lösen. Hier unsere Ideen…
Meine ersten Tage in Italien
2007 war ich das erste Mal für mein Auslandssemester in Italien. Seit 2013 arbeite ich regelmäßig dort in Archiven und Bibliotheken, um für meine Doktorarbeit zu recherchieren. Ich bin immer ein bis zwei Monate in Florenz und kann jedes Mal denselben Effekt feststellen: Während ich arbeite, macht mein Diabetes Urlaub. In den ersten zehn Tagen schraube ich meine Basalrate beinahe täglich runter.
Den Effekt kann ich auch an wärmeren Tagen in Deutschland beobachten, da das Insulin dann bei mir besser wirkt. Normalerweise gibt mir meine Pumpe über den Tag verteilt 28 Einheiten. Meine italienische Basalrate liegt bei 23 Einheiten. Als Erstes muss ich immer meinen morgendlichen BE-Faktor von 1,5 auf 1 korrigieren.
Die anderen Faktoren benötigen etwa zwei Wochen toskanische Sonne, bis auch diese um 0,5 gesenkt werden müssen. Nach etwa einer Woche liegt mein Morgenblutzucker nüchtern bei entspannten 80-100 mg/dl (4,4-5,5 mmol/l).
Böses italienisches Essen?
In Deutschland meide ich Weißmehlprodukte wie Pizza und Pasta. Es geht immer schief. In Italien würde ich verhungern, wenn ich dort versuchen würde, diesen Lebensmitteln aus dem Weg zu gehen. Nun ja, und dem wundervollen, italienischen Eis möchte ich auch gar nicht ausweichen. Diese kulinarischen Köstlichkeiten bleiben auch weiterhin eine Herausforderung, aber dennoch ist irgendetwas anders.
Viele kennen die Experimente um die Bolusgabe für Pizza. Die italienische Pizza ist meist mit frischem Mozzarella und einem sehr dünnen Boden gemacht. Das ist der wohl deutlichste Unterschied zur deutschen Pizza mit Gouda, der schnell mal einen doppelt so hohen Fettgehalt hat wie die italienische weiße Käsekugel.
Zusätzlich wird viel Wert auf frische Produkte aus der Region gelegt, die eine hohe Qualität haben – keine Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, zusätzliche versteckte Kohlenhydrate oder unnötiger Zucker. Da darf der Diabetes sich entspannt zurücklehnen und der aufgeteilte Bolus kann sich mit der Pizza beschäftigen.
Warum macht mein Diabetes Urlaub?
Der Käse allein macht nicht den Unterschied und ich esse ja nicht nur die ganze Zeit Pizza. Arbeite ich in der Nationalbibliothek in Florenz, gönne ich mir jeden Mittag ein Panino auf der nächsten Piazza und runde das Essen mit einem Cappuccino und einem Gelato ab.
Und genau da liegt der erste entscheidende Unterschied: Möchte man nicht ein schlechtes, überteuertes Panino essen, das immer den Touristen angedreht wird, muss man in die versteckten Läden in die Seitenstraßen. Mein Lieblingsladen ist rund einen Kilometer von meinem Arbeitsort entfernt. In den historischen Stadtzentren gibt es entweder nur schlechte Busverbindungen oder es würde durch die vielen Staus länger dauern, als zu Fuß zu gehen.
So komme ich täglich auf 10.000 bis 13.000 Schritte. Hier in Deutschland muss ich extra eine Stunde Walken gehen, um das zu schaffen.

Andere Länder, andere Sitten
Der veränderte Lebensrhythmus ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, der zur Verbesserung der Blutzuckerwerte führt. Wer hätte hier schon Zeit, erst einmal 2 km für ein belegtes Brötchen zu laufen? Das wäre undenkbar. Auch muss ich nicht um 8 Uhr im Büro sein, sondern kann länger schlafen und gemütlich um 10 Uhr mit der Arbeit in der Bibliothek beginnen – was offenbar meiner inneren Uhr entspricht. Keine Fristen sitzen mir im Nacken und auch kein Leistungsdruck.
Die italienischen Mitarbeiter führen selbst ein entschleunigtes Arbeitsleben, was man gar nicht glaubt, wenn man den Trubel auf den Straßen sieht. Wenn etwas nicht sofort fertig ist, dann ist das eben so und dann wird es am nächsten Tag eben beendet. Dies zeigt mal wieder, wie nicht nur Bewegung, sondern auch Stress auf den Diabetes Einfluss haben können.
Italien auf Rezept?
„Wenn ich könnte, würde ich Ihnen einen Daueraufenthalt in Italien auf Rezept ausstellen!“, scherzte mein Diabetologe nach dem letzten längeren Aufenthalt. Vor ihm lagen meine Werte aus der Zeit und ein HbA1c von 5,6. Er sagte, dass er das bei vielen Patienten beobachten kann, die längere Zeit aus ihrem stressigen Berufsleben und Alltag aussteigen.
In den Daten war nur eine einzige Spitze über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zu finden – da hatte ich Eis mit flüssigem Nougat gegessen und den Italieneffekt doch zu hoch eingeschätzt. Aber so gut, wie das Eis geschmeckt hat, hat sich das definitiv gelohnt.

von Katharina Tugend
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moira postete ein Update vor 6 Tagen, 21 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
