- Aus der Community
Top oder Flop? Der Guardian Connect aus dem Hause Medtronic
5 Minuten

Seit kurzer Zeit gibt es vom Unternehmen Medtronic ein weiteres Transmitterfamilienmitglied. Neben den Transmittern für die MiniMed Veo (Modellreihe 554 und 754) und für die MiniMed 640G reiht sich nun ein pumpenunabhängiger Transmitter ein. Der Guardian Connect.
Das Schöne an dem Transmitter ist, dass man nicht auf eins der o.g. Pumpenmodelle angewiesen ist. Andreas aus der Schweiz hatte auf seinem Blog auch schon einmal einen kurzen Einblick in den neuen Transmitter und die App gegeben. Ich führe dies mit meinem Testbericht fort.
Erstmal zum Transmitter und woran man nun welchen erkennt.
Der Veo-Transmitter hat gar keinen Aufdruck, der für die 640G hat einfach nur ein „G“ und der Guardian Connect ein „GC“ aufgedruckt. Im Kern sitzt aber der Unterschied.
Während die beiden Transmitter für die Pumpen auf einer Funkfrequenz arbeiten, so übermittelt der GC seine Daten via Bluetooth an die App, welche aktuell nur für iOS-Geräte zur Verfügung steht. Wer kein iPhone besitzt (aus welchen Gründen auch immer), kann bei der Verordnung des Systems einen modifizierten iPod Touch erhalten.
Offiziell ist das System seit Ende März verfügbar, aber wie in diversen Pressemitteilungen schon zu lesen war, gibt es im Allgemeinen und aufgrund des positiven Bescheides vom G-BA für die kontinuierliche Glukosemessung einen Riesen-Run auf dieses System, so dass es erstmal nur begrenzt verfügbar war. Die Liefersituation bezüglich der Enlite-Sensoren hat sich Anfang Juli jetzt soweit verschärft, dass sogar eingereichte Rezepte wieder zurück an den Kunden geschickt werden inklusive eines Begleitschreibens, in dem das Unternehmen um Entschuldigung bittet und erklärt, dass bis voraussichtlich Ende 2017 keine Neuverordnungen zu dem CGM-System mehr angenommen werden können, um der angespannten Liefersituation ein wenig entgegenzuwirken. Diese Situation hat aber nichts mit dem hier nun im Test befindlichen System zu tun. Also weiter im Text.
Wie sieht die App eigentlich aus und was gibt es alles zu entdecken?
Starte ich nun die App zum ersten Mal, werde ich durch das komplette Einrichtungsmenü geführt. Der Transmitter wird gesucht und wenn ich bereits einen CareLink-Account habe, kann ich die Zugangsdaten auch gleich eintragen, auf Wunsch auch einen, der im Notfall informiert wird. Hier liegt, im Vergleich zur Pumpenvariante, einer der kleinen Vorteile.
CareLink ist aber KEIN Muss für die Verwendung des Guardian Connect.
In der App selbst gibt es nun die Möglichkeit, neben einem „Blutzuckerwert“ auch noch die Insulinmenge, Kohlenhydratzufuhr, Sport bzw. Bewegung und sonstige Notizen zu dokumentieren. Bei der gespritzten Insulinmenge kann man noch auswählen, ob es sich um analoges Kurzzeitinsulin oder Langzeitinsulin handelt, bei der Bewegung die Dauer und Intensität.


Was fehlt hier noch?
Was mir persönlich an Informationen fehlte, war zum Beispiel der ISIG-Wert des Sensors. Dieser ist gerade interessant, wenn mal ein Sensor vorzeitig aussteigen oder die Werte zu große Unterschiede gerade bei der Kalibration anzeigen sollten. Ein Bolusrechner wäre auch noch gut, gerade wenn man Pumpenträger ist, aber diese nicht von Medtronic sein sollte. Man munkelt, es soll sogar eine Pumpe geben, die aktuell keinen Bolusrechner integriert haben soll.
Des Weiteren fehlt hier auch eine ordentliche Anbindung an die Apple Watch, so wie es vom Dexcom G5 bekannt ist und mit der neuen WatchOS auch vollkommen unabhängig angezeigt werden kann.
Hier besteht definitiv großer Nachholbedarf seitens der Programmierer aus dem Hause Medtronic.
Die Kalibration
Nachdem man den Sensor erfolgreich gestartet hat, beginnt wie bei der MiniMed Veo/640G die Initialisierungsphase und genau wie bei den beiden Pumpen kann man diese von ca. 2 Stunden auf wenige Minuten reduzieren, in dem man den Sensor abends vor dem Schlafengehen setzt und den Transmitter ankoppelt, ABER noch nicht startet. Nach der ersten Kalibration hatte ich das Gefühl, das die ersten 6 Stunden bis zur nächsten Kalibration keine 6, sondern eher 3 Stunden waren.
Im oberen Bereich des Bildschirmes läuft auch ein kleiner Blutstropfen „rund“, so das man auch ungefähr weiß, wann es wieder Zeit für einen Blutzuckerwert ist.
Träger einer Applewatch bekommen dann eine kleine Pushbenachrichtigung. Wie auch bei der Pumpe kann man die Kalibration dann nach hinten verschieben, falls es gerade unpassend ist (Meeting, Klausuren, Autofahrt etc.).
War’s das schon?
Leider ja. Bis auf die Pushbenachrichtigungen auf der Uhr, der Anzeige im Widgetfenster, einen tollen Grafen in der App und eine Alarmierung an einen Verwandten bzw. Bekannten ist hier nicht mehr viel zu holen. Wenn man natürlich die Daten in CareLink hochlädt, haben die Verwandten die Möglichkeit, sich die Kurve auch live über die Seite anzusehen.
Man kann also nur hoffen, dass hier das Unternehmen apptechnisch noch zum direkten Konkurrenten Dexcom schnell aufschließt.
Für Penner oder Fremdpumpenträger ist hier die persönliche Meinung und Einschätzung gefragt, da eine eindeutige Empfehlung aus meiner Sicht nicht gegeben werden kann. Es werden jetzt vielleicht einige sagen: „Nimm den Dexcom G5, da haste echt tolle Sachen mit am Start“, vergessen hier aber auch, dass gerade beim G5 die Preispolitik des Unternehmens schon einem zu denken gibt.
Der Guardian Connect hat ja eine Garantie von 12 Monaten und kann mit der beiliegenden Ladeschale jederzeit aufgeladen werden. Der G5 hat nur eine Lebensdauer von ±3 Monaten und ist danach „tot“. Klarer Entscheidungsvorteil für den G(C). Ich persönlich habe zuhause sogar noch 2 Enlitetransmitter für die Veo liegen und diese funktionieren trotz mittlerweile 3 bzw. 4 Jahren auf’m Buckel immer noch.
Unterm Strich bin ich aber mit einer Alternativlösung zum pumpengekoppelten System zufrieden und sobald auch die ersten ordentlichen Updates gemacht worden sind, wird das Guardian-Connect-System eine sehr gute Konkurrenz zum Dexcom G5 werden.
Fazit und Bewertung:
Tragekomfort ist unverändert und wer den Elite schon mal trug, wird keinen Unterschied feststellen. Form und Handhabung sind gleich geblieben.
Die App ist recht schlicht gehalten und man kann mehr nachlesen als bei der MiniMed Veo/640G. Die Möglichkeit der Warnung an einen Angehörigen ist sehr gut für Kinder, um auch die Eltern zu informieren. Als allgemeinen Wunsch für die App wäre eine Verbesserung und Konnektivität gerade mit der Apple Watch sehenswert. Die Alarme sollten unabhängig von der gerade aktuell eingestellten Lautstärke höher liegen bzw. ein wenig „penetranter“ sein.
Eine Android-App sollte auch schnellstmöglich rauskommen, da man hier mehr Leute anspricht als unter iOS.
Für wen ist das System am Ende wirklich? Nicht Medtronic-Pumpenträger oder allgemein für Leute, die noch mit Pen arbeiten. Letztere haben hier einen Vorteil durch die Eingabe der Basalinsulinzugabe. Die meisten Wünsche und Anregungen, die Andreas auf seinem Blog genannt hat, teile ich auch.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
- Behandlung
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
kety22 postete ein Update vor 5 Tagen, 20 Stunden
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 5 Tagen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?









Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück