- Aktuelles
„Es geht um Lebensqualität“ Diskussion über die künftigen Versorgung bei Diabetes und Adipositas
3 Minuten

Welche Chancen bieten Innovationen in Diagnostik und Behandlung für die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas? Was ist aus Sicht der Patientinnen und Patienten tatsächlich relevant? Und welche politischen Rahmenbedingungen müssen angepasst werden, um chronischen Erkrankungen besser zu begegnen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern? Diesen Fragen ging eine Diskussionsrunde nach.
Wichtig sei, im Dialog zu bleiben, so die dänische Botschafterin Susanne Hyldelund mit Blick auf die vom Unternehmen Novo Nordisk ausgetragenen Veranstaltungsreihe „Diabetes 2030“, die in diesem Jahr zum achten Mal stattfand. Die Faktoren für den Wandel der Gesundheitssysteme seien bekannt: Demografie, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Klimawandel und Finanzierung. Jeder Mensch möchte zudem möglichst gut versorgt sein, möglichst lange leben und gesund bleiben. „Es geht um Lebensqualität“, betonte sie.
Das dänische Gesundheitssystem gilt als Vorreiter, besonders im digitalen Bereich. In den zurückliegenden Jahren wurde es durch kontinuierliche Reformen immer wieder an den stetigen Wandel angepasst. Die Regierung schob u.a. eine Konzentration der Kompetenzen an, vor allem bei den Krankenhäusern – kleinere Einrichtungen wurden vielfach geschlossen oder zusammengelegt. „Das war richtig. Die Qualität in der Versorgung ist deutlich gestiegen“, erklärte sie. Dennoch gebe es „Drehtüreffekte: Zu viele Menschen mit chronischen Erkrankungen kommen immer wieder ins Krankenhaus zurück“.
Versorgung und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes und Adipositas: Experten und Betroffene diskutierten gemeinsam
Eine von der dänischen Regierung beauftragte Kommission hat nun im September 2023 konkrete Empfehlungen für ein robusteres Gesundheitssystem vorgelegt. Um Ressourcen zu sparen, soll etwa ein Gesundheitsrat eingeführt werden, der sektorübergreifende Aufgaben beurteilt und priorisiert. Zudem ist vorgesehen, die Anzahl unzweckmäßiger Behandlungen zu reduzieren. Mehr Therapien sollen im ambulanten Bereich stattfinden, um die Krankenhäuser zu entlasten. Die Empfehlungen würden sich als „To-do-Liste“ lesen – hinter jedem genannten Punkt steckten jedoch „tiefgreifende Veränderungen“, erklärte Hyldelund.
„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Transformation Chancen beinhaltet, auch für Menschen, die chronisch erkrankt sind“, sagte der Diabetologe Professor Dr. Diethelm Tschöpe, der die Veranstaltung gemeinsam mit dem Gesundheitsökonomen Professor Dr. Jürgen Wasem moderierte. Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Industrie, der Kassen und Patienten-Organisationen wies die Patienten-Vertreterin Stephanie Haack, die selbst seit 14 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, auf die hohe mentale Belastung („Mental Load“) einer chronischen Erkrankung hin.
Diese im Alltag zu managen, bedeute: mit Arztpraxen Termine vereinbaren, Befunde von Praxis zu Praxis im Briefumschlag transportieren, Rezepte besorgen und hoffen, „dass die Medikamente, die man braucht, auch verfügbar sind“, so Haack. Eine chronische Erkrankung bedeute „unheimlich viel Arbeit und Mental Load – allein, um am Leben zu bleiben“. Durchs Gesundheitssystem zu navigieren, sei wie eine eigene „olympische Sportart“ – kein Sprint zwar, aber ein Marathon.
„Wir sehen, dass wir in Deutschland besonders im präventiven Ansatz besser werden müssen“
Weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig nicht nur tödlich, sondern vor allem kostenintensiv sind und Deutschland hier noch viel nachholen muss, will das Bundesgesundheitsministerium im Rahmen einer nationalen Herz-Kreislauf-Strategie verstärkt in Früherkennung und Versorgung investieren, verkündete Thomas Müller, Leiter der Abteilung 1 „Arzneimittel, Medizinprodukte und Biotechnologie“ im Bundesgesundheitsministerium. Neben einem neuen Präventionsinstitut (BIPAM) sind Screening-Maßnahmen und erweiterte strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) geplant, bei denen Arztpraxen eine stärkere Rolle spielen. „Wir sehen, dass wir in Deutschland besonders im präventiven Ansatz besser werden müssen“, sagte er. Vor allem in der Verhaltensprävention komme man nicht voran. Vom „Dogma Verhaltensänderung allein“ müsse man daher „etwas wegkommen – hin zu einer „aktiven medikamentösen Beeinflussung“, vor allem im Bereich Hypertonie und Dyslipidämie. Das sehe auch der Minister so.
Viel Nachholbedarf sieht Dr. Thorsten Ruppert vom Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) bei der Genetik. Der Großteil der chronisch kranken Patientinnen in Deutschland werde nicht systematisch gescreent, um den genetischen Faktor hinter ihrer Erkrankung tatsächlich zu identifizieren. Viele von ihnen würden deshalb häufig auch nicht bestmöglich therapiert. In Innovationen müsse man verstärkt investieren. „Wir müssen ein guter Forschungs- und Studienstandort sein, um im internationalen Vergleich nicht weiter zurückzufallen“, so Ruppert.
Wesentlich sei auch eine bessere Steuerung, Vernetzung und Datennutzung in der Diabetesversorgung, betonte Kai Swoboda, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der IKK classic.
von Angela Monecke
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht

12 Minuten
- Begleit-Erkrankungen
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Tagen, 20 Stunden
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/






Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße