Gesundheitspolitische Debatte: Mehr Fairplay beim Diabetes von der Politik gewünscht

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Mehr Fairplay beim Diabetes von der Politik gewünscht: Johannes Wagner, Dr. Gero Hocker und Nezahat Baradari bei der gesundheitspolitischen Debatte.
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Gesundheitspolitische Debatte: Mehr Fairplay beim Diabetes von der Politik gewünscht

Noch etwas verschwitzt, weit hinter der Zeit, dafür aber fraktionsübergreifend fröhlich trudelten die Spielerinnen und Spieler des FC Bundestag und des FC Diabetologie nach ihrer Begegnung zur 3. Halbzeit ein. Bei der gesundheitspolitischen Diskussion am Abend ging es weniger ums Toreschießen als um treffsicheres Argumentieren, vornehmlich über die Eindämmung von Typ-2-Diabetes. Eine Steilvorlage gegen den Kinderschutz lieferte die FDP und tat sich damit keinen Gefallen. Nicht nur deshalb wünschten sich die Expertinnen und Experten in Sachen Diabetes mehr Fairplay beim Diabetes von der Politik.

Knapp anderthalb Stunden dauerte der Talk. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit durch den verspäteten „Anpfiff“ des Abends kamen die thematischen Dauerbrenner ohne Umschweife auf den Tisch: Wann kommt endlich der Kinderschutz in der Werbung? Wann wird der Nutri-Score zu einem europaweit verpflichtenden Label? Pläne für mehr Kinderschutz in der Werbung hatte Bundsernährungsminister Cem Özdemir im Februar vorgelegt. Nach einem Entwurf seines Ministeriums soll an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit zu viel Zucker, Salz oder Fett künftig nicht mehr erlaubt sein. So steht es auch im Koalitionsvertrag.

Das Podium bei der gesundheitspolitischen Debatte: v.l.: Dr. Monika Mertens (BMEL, Grüne), Dietrich Monstadt (MdB, CDU), Johannes Wagner (MdB, Grüne), Dr. Gero Hocker (MdB, FDP) und diabetesDE-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Kröger. Die Politik müsse beim Diabetes endlich Nägel mit Köpfen machen, so der einhellige Tenor. Foto: diabetesDE – Dirk Michael Deckbar

Die FDP hingegen will ein Werbeverbot nur im Umfeld von Kindersendungen sehen. Inzwischen hat Özdemir den Gesetzentwurf entschärft. Ursprünglich sollte Fernsehwerbung für zu süße, salzige und fette Produkte wie etwa für Fertigpizza oder Softdrinks nur von 23 bis 6 Uhr erlaubt sein, jetzt soll nach Wochentagen gestaffelt werden: keine Werbung für solche Lebensmittel in den Zeiten, in denen Kinder am häufigsten vor der Glotze sitzen.

Gesetzentwurf für mehr Kinderschutz bei der Bewerbung von ungesunden Nahrungsmitteln wieder aufgeweicht

Johannes Wagner (Arzt und MdB der Grünen) stellte klar, dass seine Fraktion für eine Fett- und Zuckersteuer eine „große Offenheit“ zeige. Eine EU-weite Einführung des Scores als Nährwertkennzeichnung droht dagegen zu scheitern, denn der Nutri-Score ist unter den Mitgliedstaaten umstritten. Vor allem Italien schmeckt nicht, dass dieses Label zur Pflicht werden könnte. Ein Großteil der Länder ist unentschlossen. Die EU-Kommission plant, ein komplett neues System vorzuschlagen. Zum Nutri-Score konnte auch Dr. ­Monika Mertens aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) keine positiven Botschaften mitbringen. Derzeit suche Deutschland weiter nach „Verbündeten auf europäischer Ebene“, so Dr. Mertens. Sie geht aber nicht davon aus, dass der Score als verpflichtende Kennzeichnung noch in dieser Legislaturperiode kommen wird.

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Den Nutri-Score müsse man jedenfalls dringend überarbeiten, da er teils zu „absurden Einordnungen“ führe, erklärte MdB Dr. Gero ­Hocker von der FDP (im Bild oben in der Mitte; mit Johannes Wagner und Nezahat Baradari). So würde etwa Frühstückscerealien ein Grün oder Gelb zugeordnet, obwohl sie oft viel Zucker enthielten. Für Kopfschütteln unter den Zuhörenden sorgte Dr. Hocker durch Äußerungen wie: „Ich glaube nicht, dass z.B. ein pauschales Werbeverbot für Schokolade am Rande einer Fußballübertragung wirklich dazu führt, dass Kinder ,weniger adipös‘ sind.“ Würde man junge Menschen von solchen Produkten fernhalten und sie erst mit 18 Jahren damit konfrontieren, „gehe ich nicht davon aus, dass sie mündige Entscheidungen treffen können“. Durch Verbote in dieser Breite würde man zudem Produkt­innovationen erschweren. Dietrich Monstadt (MdB, CDU) konterte: „Wir brauchen nicht noch mehr Markteintritte, die unsere Kinder dick und krank machen.“

Mehr Fairplay beim Diabetes von der Politik gewünscht: In Sachen Diabetes-Strategie passiert nichts mehr

Nezahat Baradari (Pädiaterin und MdB der SPD) berichtete, dass sie noch nie einen „solch schlimmen Zahnstatus“ wie heute bei Kindern gesehen hätte und dass viele junge Menschen während der Pandemie stark zugenommen hätten, die Kilos aber nicht mehr loswürden. „Natürlich wollen wir mit der Dia­betes-Strategie weitermachen und sie ergänzen“, aber nach der Verabschiedung der Strategie im Juli 2020 im Bundestag sei „rein gar nichts passiert“, kritisierte Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Zudem wies er auf eine „Präventionskrise in Deutschland“ hin: „Wir alle hier haben die Verpflichtung, eine Gesundheitsfürsorge für Menschen zu betreiben.“ Verhaltensprävention allein reiche nicht aus. Als gutes Beispiel für Verhältnisprävention sei der Nutri-Score zu sehen, eine hilfreiche Alltagsbegleitung für Menschen auf dem Weg hin zu einer gesünderen Ernährung.

Diabetologie schlägt Bundestag

Die Ansagen von Trainer Christoph Daum zeigten Wirkung: Die Diabetologie schlug den Bundestag mit einem 2:1. Foto: diabetesDE – Dirk Michael Deckbar

Zu ihrer siebten Begegnung trafen sich die beiden Fußballmannschaften FC Bundestag und FC Diabetologie im Juni in Berlin. Mehrere Ex-Profis, die das Team aus Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Diabetesberaterinnen und Diabetesberater sowie Menschen mit Diabetes unterstützen, kickten mit: Richard Golz, Thomas Häßler und Roland Benschneider. Dabei war auch Olympiasieger Matthias Steiner, der selbst Typ-1-Diabetes hat.

„Immer den Kopf oben halten und kämpfen“, gab Kult-Trainer Christoph Daum auch später bei der 3. Halbzeit den Anwesenden auf den Weg. Daum, der damit auch auf seine Krebserkrankung anspielte, trainiert die Mannschaft des FC Diabetologie seit 2015 ehrenamtlich. Die Diabetologie schlug den Bundestag mit 2:1.

„Wir haben gewonnen – die erste Halbzeit!“, sagte der Kapitän des FC Bundestags, Mahmut Özdemir (MdB, SPD) am Ende der Debatte augenzwinkernd und mit Blick auf das Spiel. Den Sieg nach Hause trugen am Ende aber doch die Diabetologinnen mit einem 2:1. Bleibt zu wünschen, dass sich dieser „Lauf“ der Diabetesexpertinnen (der zweite Sieg in Folge) auch auf politischer Ebene ohne weitere „Nachspielzeit“ fortsetzt, etwa beim Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung.

Die Veranstaltung wurde von den Unternehmen Abbott, Astra ­Zeneca, Grünenthal, IKK Classic, Novo Nordisk und Pfizer unterstützt.



von Angela Monecke

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    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

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  • mr postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?