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Video-Schulungen für Menschen mit Diabetes: Fachverbände fordern Richtlinien-Anpassungen
3 Minuten
Bis auf die Zeit der Corona-Pandemie waren Video-Schulungen im Rahmen der strukturierten Behandlungsprogramme (Disease-Management-Programme, DMP) von Menschen mit Diabetes bisher nicht möglich. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) plant aktuell in einer Anpassung der Richtlinien zu den DMP-Anforderungen, auch die Videoschulung zu ermöglichen. Mehrere diabetologische Fachverbände begrüßen dies, fordern aber auch wichtige Anpassungen.
In vielen internationalen Studien konnte die Effektivität von Video-Schulungen bei der Versorgung von Menschen mit einer chronischen Erkrankung nachgewiesen werden. Und auch die Nachfrage ist da, wie Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen bestätigt: „Die Bereitschaft ist insbesondere bei jungen Menschen, Familien und Kindern hoch, Online-Angebote zu nutzen, und wird inzwischen von vielen als Standard gefordert“, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Pädiatrische Diabetologie“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Die DDG, ihre AG „Diabetes & Technologie“ und „Pädiatrische Diabetologie“ sowie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendendokrinologie (DGKED), der Bundesverband der niedergelassenen Diabetologen e.V. (BVND) und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) begrüßen daher in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Videoschulungen in seine Richtlinie zu den DMP-Anforderungen aufnehmen möchte und als Alternative zu Präsenz-Schulungen akzeptiert.
„Die Richtlinie ermöglicht eine zeitgemäße moderne Schulung der im Rahmen der DMP-Anforderungen zugelassenen Schulungs- und Behandlungsprogramme und bietet Menschen mit Diabetes eine Alternative zur Präsenz-Schulung. Es muss jedoch sichergestellt sein, dass die Qualität der Schulung erhalten bleibt “, erklärt Dr. med. Tobias Wiesner, Vorstandsmitglied der DDG und des BVND.
Forderung für Richtlinien-Anpassung: Video-Schulungen nur durch qualifiziertes Personal
Im Beschlussentwurf über eine Änderung der DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP A-RL) habe der G-BA bislang uneindeutig formuliert, wie eine digitale Schulung genau aussehen soll und wer die Patienten-Schulungen per Video durchführen darf, bemängelt die DDG in einer Pressemitteilung. „Video-Schulungen sind lediglich eine andere Form der Schulung – an den Grundsätzen einer strukturierten Patienten-Schulung sollte sich nichts ändern“, gibt Dr. Wiesner zu Bedenken. Die Verbände plädieren daher dafür, in der Richtlinie den Begriff der Video-Schulung zu präzisieren und schlagen vor: Die Schulung von Versicherten sollte wahlweise in Präsenz, online oder in einer Kombination aus Präsenz- und Online-Einheiten mit evaluierten Programmen erfolgen. Und Behandelnde, die an einem DMP teilnehmen, setzen diese dann mit krankheitsspezifischer Expertise um, um die Integration von Therapie und Schulung zu gewährleisten.
So müsse in der Richtlinie klar formuliert sein, dass Video-Schulungen – äquivalent zu Präsenz-Schulungen – in der qualifizierten Arztpraxis durchgeführt werden, welche die betroffenen Patientinnen und Patienten auch sonst medizinisch betreut. „Strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramme sind ein unerlässlicher Bestandteil der Diabetes-Therapie, ein integraler Bestandteil der Langzeitbetreuung und sollten daher unbedingt von Leistungserbringern mit krankheitsspezifischer Expertise umgesetzt werden“ führt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland von der DDG aus.
Damit solle auch sichergestellt werden, dass es eine Abgrenzung zwischen strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogrammen und anderen digitalen Angeboten wie beispielsweise reinen Online-Vorträgen, Videos (z.B. Tutorials), Video-Sprechstunden zur Beratung oder autonome Online-Tools (z.B. DiGA) erfolgt. „Diese stellen keinen Ersatz für eine strukturierte Patientenschulung dar, sondern sind nur ein Add-on“, ergänzt Dr. Nicola Haller vom VDBD.
Menschen mit Diabetes als aktive Partner einbinden
Die G-BA-Richtlinie sollte zudem im Sinne der in der Diabetes-Schulung inzwischen üblichen Methode der Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF) im Wortlaut angepasst werden: „Die Formulierungen sind nicht mehr zeitgemäß. Betroffene und ihre aktive Rolle im Behandlungsprozess müssen gewürdigt und entsprechend eingebunden werden“, sagt DDG-Experte Professor Dr. Bernhard Kulzer. So regen die Autoren der Stellungnahme an, den „§ 4 zu Anforderungen an die Schulungen der Leistungserbringer und der Versicherten“ im Duktus der PEF zu formulieren.
Da qualifizierte Video-Schulungsprogramme lediglich eine andere Darbietungsform der bereits evaluierten Präsenz-Schulungen sind, ist eine Neubewertung, wie der G-BA in seiner Richtlinie formuliert, nicht notwendig. „Bereits bestehende Schulungsprogramme sollten von der zusätzlichen Evaluationspflicht freigestellt werden, da dies keinen wissenschaftlichen Mehrwert erbringt sowie eine unangemessene Härte für die Anbieter und eine weitere Verzögerung des Patientenangebots bedeuten würde“, betont Dr. Sandra Schlüter, Vorsitzende der DDG-AG „Diabetes & Technologie“.
Redaktion Diabetes-Anker
mit Materialien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 10 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 12 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 10 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
