Diabetes-Technologie: Ich, der Cyborg – die Top-5-Reaktionen

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Diabetes-Technologie: Ich, der Cyborg – die Top-5-Reaktionen

Auch Susanne bezeichnet sich mit Insulinpumpe am Bauch und Sensor am Oberarm seit vielen Jahren als „halben Cyborg“. Ihre Top 5 der Irrtümer rund um ihre Diabetes-Technologie im Miteinander mit Nicht-Cyborgs – und wie trotz aller Missverständnisse Verständnis füreinander gelingen kann.

Wer kennt es nicht: Man ist im Gespräch mit jemandem, den man gerade erst kennengelernt hat – sei es beruflich oder privat, und irgendwann scannt man nebenbei den CGM-Sensor, schaut auf dem Smartphone nach seinem aktuellen Glukosewert oder verabreicht sich über die Pumpe Insulin. Fragende Blicke beim Gegenüber. „Nicht wundern, ich habe Typ-1-Diabetes, trage Sensor und Insulinpumpe. Ich bin ein halber Cyborg“, so lautet dann meine proaktive Standardantwort.

Manchmal kommentiert das Gegenüber aber das Gesehene, bevor ich mich erklären kann – kombiniert mit eigenen Theorien und Erklärungsversuchen. Hier meine persönlichen Top 5 der falschen, aber oftmals kreativen Interpretationen, die mir als Reaktionen auf meine Gadgets bisher begegnet sind:

1. Nikotinpflaster

Der Klassiker: Gerade, als Glukosesensoren noch recht neu auf dem Markt und noch nicht in TV-Werbespots zu sehen waren, wurde ich häufig gefragt: „Oh, ist das da ein Nikotinpflaster an deinem Arm?“ Als Nicht-Raucherin (und Nicht-Ex-Raucherin) habe ich mal nachgesehen: Auch Nikotinpflaster werden tatsächlich unter anderem am Oberarm getragen – auch wenn sie natürlich nicht aus Plastikchips bestehen …

2. WLAN-Verstärker

Meine Lieblingsinterpretation: Ich saß vor ein paar Jahren in der Hamburger U-Bahn während des „Schlagermoves“ (für alle Nicht-Hamburger: das ist ein Festival auf St. Pauli, bei dem sich Menschen verkleiden, trinken und „lustig“ sind). Ein schon etwas angetrunkener Clown neben mir sah meinen Sensor, fixierte ihn regelrecht, dachte angestrengt nach und fragte dann: „Sag mal, ist das ein mobiler WLAN-Verstärker?!“

3. Verhütungsmittel

Im Ägyptenurlaub vor vielen Jahren sprach mich jemand neugierig am Pool an. Er deutete auf meinen Omnipod und wollte wissen, ob das eines dieser Verhütungsstäbchen sei, von denen er schon gelesen habe und die man unter der Haut trage. Äh … nein, kein Hormonimplantat. Also, manchmal weiß man wirklich nicht so genau, ob hinter solchen Fragen ehrliches Interesse oder nur ein schlechter Anmachversuch steckt …

4. Funk

Als ich noch eine Insulinpumpe mit Katheterschlauch genutzt habe, kam eines Tages eine Ärztin als neues Mitglied in meine damalige Sambaband. Erst später erzählte sie mir, dass sie anfangs eine ganze Zeit lang dachte, ich trage da einen medizinischen „Notfall-Pieper“ am Hosenbund – ein Funkgerät, mit dem Mediziner im Prä-Smartphone-Zeitalter im Notfall erreichbar waren. Nein, Mediziner-Kolleginnen waren wir nicht – dafür heute beste Freundinnen.

5. Impfung

Diese neueste Fehlinterpretation entstand im letzten Jahr ganz offensichtlich aus aktuellem Anlass. Denn im letzten Sommer fragte mich jemand mit Blick auf meinen Sensor am Oberarm, ob ich gerade eben erst meine Corona-Impfung erhalten hätte. Eigentlich hätte ich einen Scherz machen sollen: „Richtig – und ich habe die Sonderedition erhalten: Dank des Chips am Arm funktioniert die Überwachung durch Bill Gates noch besser.“ 😉

„Stimmt, aber …“

Und auch, wenn mein Gegenüber keine eigenen Interpretationen äußert, so erfolgt auf meine Äußerung „Ich bin ein Cyborg“ meist irgendeine Reaktion. Manchmal eine verhalten-vorsichtige – „Ist das gut oder schlecht?“, häufiger aber eher eine begeisterte mit überzogenen Vorstellungen – „Und diese Gadgets machen das dann alles ganz alleine? Du musst da gar nichts mehr machen?“ bis hin zu: „Toll, dass das heutzutage alles so einfach ist!“

Quelle: Pixabay / geralt

Bei diesem letzten Satz atme ich meist unhörbar tief ein und wäge ab, ob ich einfach „Ja, stimmt“ sagen soll oder in der Laune bin, dieses Urteil ein bisschen einzuordnen. Denn – so erwidere ich im zweiten Fall oft: „Keine Frage, die Technik hat sich tollerweise rasant entwickelt in den letzten Jahren. Und stimmt, die Technik entlastet enorm, bietet Einblicke in den Glukoseverlauf und eine Sicherheit, die es zur Zeit meiner Diagnose vor 20 Jahren noch nicht gab.

Aber: Bloß, weil man Pumpe und Sensor trägt, ist der Typ-1-Diabetes nicht geheilt. Man muss trotzdem Bescheid wissen, was im Körper warum passiert, muss trotzdem immer beim Blutzuckerspiegel die Balance halten, Kohlenhydrate abschätzen, Zubehör bestellen, Notfall-BE bei sich haben, Sporteinheiten je nach Blutzucker planen und so weiter.“

Seid tolerant und klärt auf!

Ungeduld ist bei Unwissenheit gegenüber unseren Gadgets meiner Meinung nach dagegen fehl am Platz. Denn wie sollte es das Gegenüber besser wissen, wenn er oder sie bislang noch nie etwas mit Diabetes oder Blutzucker zu tun hatte, keinerlei Vorstellung von der Theorie und dem Zucker-Alltag hat?

Und auch, wenn man den Unterschied zwischen Typ 1 und 2, die möglichen Ursachen oder eben die Gadgets wie Pumpe oder Sensoren schon x-mal erklärt hat: gerne immer wieder. Und ich freue mich im Gegenzug auch immer wieder über neue Interpretationen!

Was sind eure lustigsten Erlebnisse als Cyborg? Für was haben eure Mitmenschen Insulinpumpe und Sensoren gehalten?


Nicht nur Susanne ist mit den teils witzigen Einschätzungen unserer heutigen Cyborg-Gadgets konfrontiert. Auch Katharina hat Erfahrungen im Umgang anderer Menschen mit ihrem Diabetes gemacht. Zu Katharinas Einschätzung von der Wahl der richtigen Worte geht es hier.


von Susanne Löw

Susanne Löw ist freie Journalistin und Autorin. Seit 2002 lebt sie mit Typ‑1‑Diabetes und hat über 60 Länder bereist. Sie schreibt regelmäßig für Diabetes-Anker (Kolumne „Fernweh“), ist Autorin des Buchs „Zucker im Gepäck“ und berät zum Reisen mit Diabetes.

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  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
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  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
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