Diabetes-Leitlinien: moderne Therapien aufgenommen

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Diabetes-Leitlinien: moderne Therapien aufgenommen

Zwei wichtige Leitlinien zu Diabetes mellitus sind aktualisiert worden: Zum einen die S3-Leitlinie „Therapie des Typ-1-Diabetes“ und zum anderen die S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter“. Was ist eine S3-Leitlinie und welche Neuerungen gibt es?

Eine gute Leitlinie ist auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und ihre Empfehlungen lassen sich im medizinischen Alltag umsetzen. International gibt es mittlerweile einheitliche Standards zur Bewertung von Leitlinien. In Deutschland koordiniert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) die Leitlinien-Entwicklung. Sie teilt Leitlinien in vier Klassen ein.

Dabei erfüllt eine höchste Klasse S3 alle qualitativen Anforderungen hinsichtlich des medizinischen Fachwissens und des Konsensus der Fachgesellschaften zu ihren Aussagen, sodass sie die verlässlichste Form der Leitlinien darstellt. Die Leitlinien sind dabei kein Zwang für Ärzte, ausschließlich so vorzugehen, aber sie geben verlässliche und allgemein medizinisch anerkannte Handlungs-Empfehlungen gemäß den aktuellen Erkenntnissen zu Diagnostik und Therapie.

Therapie des Typ-1-Diabetes

Koordiniert wurde die Arbeit an der neuen S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes von Prof. Dr. Thomas Haak aus Bad Mergentheim. Sie löst die Vorgänger-Version aus dem Jahr 2018 ab und ist nun bis zum 1. September 2028 gültig.

Gerade hinsichtlich des enormen technischen Fortschritts, den die Diabetestherapie in den vergangenen Jahren durchlaufen hat, wurde die Aktualisierung erforderlich. Die neue Leitlinie umfasst nun auch Empfehlungen zur modernen Diabetes-Technologie. Hierzu zählen CGM (kontinuierliche Glukose-Messung), Insulinpumpe und AID-System (automatisierte Insulin-Dosierung, auch genannt “Closed-Loop”). Ein AID-System verbindet CGM-Sensoren über einen steuernden Algorithmus mit Insulinpumpen.

Aufgrund der Möglichkeit, jederzeit den aktuellen Glukosewert abzurufen und sich außerdem vor einer Hypo- oder Hyperglykämie (Unter- oder Überzuckerung) warnen zu lassen, ist die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) mittlerweile zum Standard in der Glukose-Überwachung von Menschen mit Typ-1-Diabetes geworden. Insbesondere hinsichtlich des Verhinderns von Hypoglykämien wird CGM als ein wichtiger Bestandteil einer sicheren Therapie gesehen. Doch auch das bessere Erkennen und Verhindern zu hoher Blutzucker-Anstiege nach den Mahlzeiten hilft, die Zeit im Zielbereich (Time in Range) zu erhöhen und Folgeschäden vorzubeugen.

Nachdem gezeigt werden konnte, dass die mit CGM erhobenen Gewebezuckerwerte gut mit dem Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c korrelieren, sind die CGM-Messwerte nun allgemein zur Therapieplanung und -steuerung akzeptiert. Neben den Kapiteln zu den neuen Technologien wird auch das Einbeziehen von Menschen mit Typ-1-Diabetes in die Diagnostik und Therapie ihrer Erkrankung hervorgehoben und wird in einem eigenen Kapitel (“Partizipative Entscheidungsfindung”) ausführlich dargestellt.

Diagnostik und Therapie im Kindes- und Jugendalter

Auch in der aktualisierten S3-Leitlinie “Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter” sind die Vorteile der modernen Diabetes-Technologie die zentralen Neuerungen. Es wird die Empfehlung gegeben, wenn möglich allen Kindern und Jugendlichen die Nutzung eines CGM-Sensors und einer Insulinpumpe beziehungsweise eines AID-Systems anzubieten.

Durch diese neuen Technologien könnten eine bessere Inklusion ermöglicht und Einschränkungen bei der Teilnahme an Kindergarten und Schule so gering wie möglich gehalten werden. Und die neuen Technologien könnten wesentlich zur Entlastung der Familien beitragen, resümierte Dr. Ralph Ziegler, Münster, der sowohl am Erstellen der Leitlinie Typ-1-Diabetes als auch an der Leitlinie für Kinder und Jugendliche mit Diabetes beteiligt war.

Auch die psychosoziale Betreuung und die besondere Lebensphase des Übergangs von der kinderärztlichen Betreuung in die Erwachsenen-Medizin, die “Transition”, wird thematisiert. Ihr und der “Ernährungstherapie” sind nun eigene Kapitel gewidmet. Neu hinzugekommen sind zum Beispiel die Kapitel “Inklusion und Teilhabe” und “Telemedizin und Videosprechstunde”. Deutlich erweitert wurden unter anderem die Kapitel zu “Diabetes und Technologie”, “Risikofaktoren, Früherkennung und Prävention” und “Andere Diabetesformen”.


von Bettina Müller-Ifland

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 72 (3) Seite 38-39

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  • diahexe postete ein Update vor 22 Stunden, 10 Minuten

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

  • ckmmueller postete ein Update vor 4 Tagen, 9 Stunden

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

  • anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

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