Diabetes-Vorsorge und gute Werte können Nierenschäden vermeiden

2 Minuten

© Chinnapong – AdobeStock
Diabetes-Vorsorge und gute Werte können Nierenschäden vermeiden

Diabetes ist einerseits hierzulande die häufigste Ursache für Nierenschäden und -versagen, andererseits schließen häufig auftretende Begleiterkrankungen eine Transplantation aus. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich des Tages der Organspende hin – und betont die dringliche Notwendigkeit einer effektiver Vorsorge und eines guten Diabetesmanagements.

Über 7.000 Patientinnen und Patienten stehen derzeit in Deutschland auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Etwa die Hälfte von ihnen hat einen Diabetes oder Prädiabetes, der häufig nicht bekannt ist.

Begleiterkrankungen können einer Transplantation im Wege stehen

„Insbesondere Menschen mit einem Typ-2-Diabetes haben meist bereits klassische Begleiterkrankungen wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankung, die jedoch eine Transplantation erschweren oder sogar die Erfolgsaussichten derart reduzieren, dass sie gar nicht erst als Empfänger in Frage kommen, beziehungsweise von der Warteliste genommen werden müssen“, berichtet Privatdozentin Dr. med. Martina Guthoff, Nephrologin und Oberärztin der Sektion Nieren- und Hochdruckkrankheiten an der Medizinischen Klinik IV in Tübingen.

Diese Patienten bleiben dialysepflichtig – das heißt, sie müssen sich lebenslang mehrmals in der Woche einer Blutwäsche oder Bauchfelldialyse unterziehen und haben häufig eine geringere Lebenserwartung.

Einer amerikanischen Untersuchung zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit für Diabetespatienten, auf eine Warteliste für eine Nierentransplantation zu kommen, nur rund 80 Prozent im Vergleich zu stoffwechselgesunden Menschen. Dass eine Transplantation tatsächlich erfolgt, liegt nochmals um knapp zehn Prozentpunkte darunter. Denn im Verlauf der durchschnittlich sechs bis acht Jahre andauernden Wartezeit summieren sich bei vielen Diabetespatienten Begleitkomplikationen auf, die einer erfolgreichen Transplantation im Wege stehen.

Früherkennung von Diabetes und Nierenerkrankungen unbedingt notwendig

Auch haben Menschen, die mit einem vorliegenden Diabetes nierentransplantiert werden, ein geringeres Überleben sowie eine kürzere Lebensdauer der Niere als Patienten ohne Diabetes: In einer Untersuchung war das Verlustrisiko einer Niere mit einem Diabetes doppelt so hoch wie ohne die Stoffwechselerkrankung. „Es scheinen mikro- und makrovaskuläre Veränderungen durch die diabetische Stoffwechsellage nach einer Transplantation beschleunigt aufzutreten“, so Guthoff. Ein ähnliches Risiko gilt für Patienten, die nach der Transplantation einen Diabetes entwickeln.

Die Expertin weist daher darauf hin, dass eine Früherkennung des Diabetes und auch von Nierenerkrankungen unbedingt notwendig sei, um Patienten vor schweren Nierenschäden zu bewahren und im Falle einer notwendigen Nierenersatztherapie eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. „Bei allen Nierenpatienten sollte zudem auch auf einen Diabetes getestet werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass etwa jeder Dritte auf der Warteliste zur Nierentransplantation einen bislang unerkannten Diabetes oder Prädiabetes hat“, führt Guthoff aus.

Für stabile Blutzuckereinstellung und gute Blutdruckwerte sorgen

„Um eventuelle Nierenprobleme rechtzeitig zu diagnostizieren und konsequent behandeln zu können sollten sich Patientinnen und Patienten mit Diabetes mindestens einmal jährlich auf das Vorliegen von Eiweiß im Urin – die so genannte Albuminurie – screenen lassen“, erklärt Dr. med. Ludwig Merker vom MVZ DaVita Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen und Vorsitzender der DDG AG „Diabetes und Niere“.

Zudem sei es bei allen Patienten mit Diabetes wichtig, den eGFR-Wert zu bestimmen, der die Filtrationseigenschaft der Niere darstellt. „Auch der Blutdruck ist regelmäßig zu überprüfen, da eine Erhöhung ein Hinweis auf einen beginnenden Nierenschaden sein kann.“

Gleichzeitig sollte eine zielorientierte Diabetes- und Blutdrucktherapie erfolgen, die für stabile Blutzuckerwerte und guten Blutdruck sorgt. Denn dauerhaft erhöhter Blutzucker und Blutdruck sind Hauptrisikofaktoren für eine Nierenschädigung. „Jeder Patient kann auch selbst etwas für eine gute Nierenfunktion beisteuern. Besonders wirkungsvoll ist es, wenn Diabetespatienten ihr Gewicht reduzieren, nicht rauchen und sich gesund ernähren“, rät Merker.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Generationen-Wechsel der Sensoren: Vincent Krüger: „Ich möchte nicht mehr ohne!“
Sensoren zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) entwickeln sich ständig weiter. So bieten die Hersteller immer wieder neue weiterentwickelte Generationen dieser Hilfsmittel an und die Vorgänger-Generationen verlassen den Markt. Schauspieler Vincent Krüger berichtet im Interview, wie dieser Wechsel für ihn ablief.
Generationen-Wechsel der Sensoren: Vincent Krüger: „Ich möchte nicht mehr ohne!“ | Foto: Dexcom

8 Minuten

Anzeige
Frühstadium des Typ-1-Diabetes: Wie ist es, wenn man das Risiko kennt, Familie Hellemann?
Ist mehr als ein Diabetes-spezifische Antikörper bei einem Bluttest nachweisbar, liegt ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes vor. Wie geht es einer Familie, in der eine der Töchter drei Diabetes-spezifische Antikörper und somit ein hohes Risiko hat, bald einen Diabetes zu entwickeln? Das berichten Katrin, Jule und Angelina Hellmann im Interview.
Frühstadium des Typ-1-Diabetes: Wie ist es, wenn man das Risiko kennt, Familie Hellmann? | Foto: privat

17 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

  • Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
Verbände