Feuchte Augen und ein Kloß im Hals: Zu Besuch bei Novo Nordisk – Teil #2

4 Minuten

Community-Beitrag
Feuchte Augen und ein Kloß im Hals: Zu Besuch bei Novo Nordisk – Teil #2

Teil #1 nicht gelesen? Dann bitte hier entlang.

Attraktiver Arbeitgeber für Diabetiker

Novo Nordisk ist heute der weltweit größte Hersteller von Insulin mit Niederlassungen in 75 Ländern und Zentren für Forschung und Entwicklung auf 3 Kontinenten. „Immer ganz nah an den Bedürfnissen der Patienten“, lautet die Maxime, die der stellvertretende CEO für Europa, Jerzy Gruhn, auf jeden Fall ziemlich authentisch verkörpert, denn er hat selbst Typ-1-Diabetes. Er weiß also genau, wovon er spricht, wenn er sagt: „Es macht nun einmal einen Unterschied, wie lang die Nadel eines Pens ist oder ob man bei einem Insulin einen Spritz-Ess-Abstand von 30, 10 oder 0 Minuten braucht.“ Wie viele Menschen mit Diabetes bei Novo Nordisk beschäftigt sind, konnte Jerzy Gruhn nicht beantworten: „Wir fragen das bei der Einstellung natürlich nicht ab. Doch wir sind sicherlich ein attraktiver Arbeitgeber für Diabetiker.“

Novo Nordisk
Zufahrt zur Produktionsstätte von Novo Nordisk in Hillerød (Foto: Novo Nordisk)

Sicher ist sicher: Zwei Produktionsstätten für Rohinsulin

Angesichts der Tatsache, dass beinahe die Hälfte des weltweit benötigten Insulins aus der Produktion von Novo Nordisk stammt, bewegte mich die Frage nach der Sicherheit der Anlagen: „Ist die Versorgung gesichert, auch wenn ein Werk aufgrund eines Unfalls oder eines Terroranschlags nicht länger produzieren kann?“, fragte ich die Apothekerin Eva Bak Skov. Sie konnte mich beruhigen: Das pulverförmige Rohinsulin, das als Basis für sämtliche andere Insuline dient, werde zwar nur in Dänemark produziert, allerdings ganz bewusst an zwei verschiedenen Standorten. Außerdem gebe es weltweit große Lagerbestände, die einen vorübergehenden Ausfall eines Werks kompensieren könnten.

Was würde ein Brexit für Novo Nordisk bedeuten?

Auch die anderen Journalisten hatten Fragen an die Experten bei Novo Nordisk, sehr unterschiedliche Fragen sogar. Aus Skandinavien waren vor allem Wirtschaftsjournalisten mit dabei – schließlich ist Novo Nordisk in Dänemark ein so wichtiger Arbeitgeber wie bei uns in Deutschland vielleicht Siemens oder Volkswagen. Da wirken sich Unternehmensentscheidungen schon mal auf die Börsenkurse aus. Die skandinavischen Kollegen wollten also (interessante Frage!) wissen, wie sich Novo Nordisk auf einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union vorbereitet. „Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt“, erklärte Vize-CEO Jerzy Gruhn, „ein Brexit wäre sicher weder gut für die britische noch für die gesamteuropäische Wirtschaft.“ Beispielsweise habe derzeit die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ihren Sitz in London, „das würde sich nach einem Brexit sicherlich ändern.“

Tresiba: Das reiche Deutschland muss für Innovationen zahlen

Die deutschen Journalisten wiederum stammten aus Fachredaktionen und hatten vor allem gesundheitspolitische Fragen. Zum Beispiel, ob in Sachen Tresiba wirklich schon das letzte Wort gesprochen ist. Das ultralangwirksame Basalinsulin (Insulin degludec) war 2015 nur ein Jahr nach seiner Markteinführung wieder vom deutschen Markt genommen worden, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem Insulin keinen Zusatznutzen zugesprochen hatte und die gesetzlichen Krankenkassen infolgedessen keinen höheren Preis als für eine herkömmliche Therapie mit Humaninsulin zahlen wollten. Lars Rebien Sørensen sagte gegenüber den Journalisten: „Das ist ein Fall, in dem wir darauf bestehen müssen, dass Deutschland als reiche Nation den Preis für Innovation zahlt. Wenn wir hier die geforderten Rabatte gewährt hätten, dann hätten auch Frankreich oder England entsprechende Nachlässe verlangt, und dann kippt unser Geschäftsmodell.“ Für die vielen betroffenen Diabetiker, die auf Tresiba umgestellt wurden, seither deutlich weniger nächtliche Hypoglykämien hatten und nun erneut auf ein anderes Basalinsulin wechseln müssen, hatte Lars Rebien Sørensen nur einen kleinen Hoffnungsschimmer: „Wir bleiben im Dialog mit den deutschen Behörden und haben auch den Eindruck, dass dort langsam ein gewisses Umdenken einsetzt.“

Changing Diabetes: Weniger Vorurteile, mehr Teilhabe, mehr Motivation

Auch abseits von gesundheitspolitischen Machtkämpfen sind „Umdenken“ und „Wandel“ Worte, die bei Novo Nordisk gern verwendet werden. Etwa, wenn es um die von Novo initiierte Kampagne „Cities changing diabetes“ geht. Weil die Zahl der Diabetesneuerkrankungen in Großstädten deutlich stärker steigt als in ländlichen Regionen, fördert man Projekte, die Menschen in Großstädten zu einem gesünderen Lebensstil verhelfen und sie so vor der Diagnose Diabetes bewahren. Für diejenigen, deren Erkrankung sich nicht mehr abwenden lässt, engagiert sich Novo Nordisk mit seiner Kampagne „Changing Diabetes“ unter anderem dafür, Vorurteile abzubauen und Diabetiker zu motivieren, sich durch ihre Erkrankung nicht unnötig einschränken zu lassen. Dieser Kerngedanke steckt auch hinter dem „Team Novo Nordisk“, einem Team hochmotivierter Radprofis mit Typ-1-Diabetes, das von Novo Nordisk gesponsert wird.

©BrakeThrough Media
©BrakeThrough Media

Während unseres Besuchs war via Skype der Belgier Thomas Raeymaekers zugeschaltet, der über seine Karriere als Radprofi im Team Novo Nordisk berichtete. Er war 17 Jahre alt und auf dem besten Wege zum erfolgreichen Radprofi, als ihm die Diagnose Typ-1-Diabetes einen Dämpfer verpasste. Sein Arzt riet ihm, seinen Traum von der Profikarriere zu begraben. Doch er wurde auf das Team Novo Nordisk aufmerksam und schloss sich den Radprofis an. Als mit Morbus Crohn 2015 allerdings eine weitere Autoimmunerkrankung hinzukam, musste Thomas seine aktive Karriere dann doch an den Nagel hängen. Heute trainiert er das Juniorteam des Team Novo Nordisk. Gemeinsam mit dem Initiator des Teams, Vize-CEO Jakob Riis, hat Thomas ein großes Ziel vor Augen: „Wir hoffen, 2021 zum hundertsten Geburtstag von Insulin mit einem Team Novo Nordisk bei der Tour de France anzutreten.“ Ich gehöre zwar nicht zu den Leuten, die im Juli permanent vor dem Fernseher hocken, um die Tour de France zu verfolgen. Doch wenn der Plan dieses Profiteams aufgeht, dann werde ich in 5 Jahren wohl eine Ausnahme machen.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Was die Diagnose Doppel-Diabetes bedeutet – im Gespräch mit Katharina und Daniel

In dieser Folge unseres Podcast-Community-Formats „Höhen & Tiefen“ sprechen wir über das Thema Doppel-Diabetes – einer Kombination aus Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Unsere Gäste, Katharina und Daniel, teilen ihre persönlichen Geschichten über ihre Erfahrungen mit dieser Diagnose und wie sie sich auf ihr Diabetes-Management auswirkt.
Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Was die Diagnose Doppel-Diabetes bedeutet – im Gespräch mit Katharina und Daniel | Foto: privat/MedTriX

2 Minuten

Neue Staffel der Video-Reihe „Diabetes-Docs erklären Technik“ gestartet

Ab welchen Blutzuckerwerten liegt eigentlich ein Diabetes mellitus vor und wie wird die Diagnose gestellt? Welche Zielbereiche sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes anstreben? Welche Messtechniken stehen zur Verfügung und wie funktionieren sie? Dies erklärt Dr. Oliver Schubert-Olesen, Diabetologe aus Hamburg, zusammen mit seinem Patienten Thorsten von Elling.

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • laila antwortete vor 53 Minuten

      @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

  • vio1978 postete ein Update vor 1 Tag, 15 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

  • renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag

    gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?

Verbände