Insulinarten: Welches Insulin für wen?

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© Jim Barber
Insulinarten: Welches Insulin für wen?

In Deutschland brauchen aktuell mehr als 1,5 Millionen Menschen Insulin, darunter über 300 000 Menschen mit Typ-1- Diabetes. Seit den Anfängen der Insulintherapie im Jahr 1922 hat sich einiges getan – welche Insulinarten stehen heute zur Verfügung?

Wer die Diagnose Typ-1-Diabetes bekommt, braucht sofort Insulin. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes hingegen vergehen einige Jahre, bis eine Insulintherapie notwendig wird. Dies hängt mit dem langsamen, aber kontinuierlichen Verlust an insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zusammen.

Insulin konnte erstmals 1921 durch die Forscher Banting und Best aus der Bauchspeicheldrüse eines Hundes isoliert werden, 1922 gelang erstmalig die Rettung eines Patienten durch die Behandlung mit Rinderinsulin. Gleich im Jahr darauf kam Insulin schon bei tausenden Diabetikern zum Einsatz, nachdem die industrielle Gewinnung von Insulin in die Tat umgesetzt werden konnte.

Die Anfänge der Insulingewinnung

In den folgenden Jahrzehnten wurde Insulin grundsätzlich aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen gewonnen. Dieses tierische Insulin wirkt auch bei Menschen, unterscheidet sich jedoch geringfügig vom menschlichen Insulin: Das Peptid-Hormon Insulin besteht aus 51 Aminosäuren. Rinderinsulin unterscheidet sich in drei Aminosäuren, Schweineinsulin in einer Aminosäure vom menschlichen Insulin.

Das aus den Bauchspeicheldrüsen der Tiere gewonnene Insulin wurde nach Reinigung unverändert verwendet. Dieses Insulin bezeichnete man auch als Normal- oder Altinsulin. Es musste aufgrund der kurzen Wirkdauer (4 bis 6 Stunden) mehrfach am Tag injiziert werden.

Erst im Jahr 1934 wurde das erste Verzögerungsinsulinentwickelt, ein Zinkinsulin. Zwei Jahre später gelang dem dänischen Wissenschaftler Hans Christian Hagedorn die Herstellung von NPH-Insulin (Neutrales Protamin Hagedorn). Bei NPH-Insulin wird der Verzögerungseffekt durch Bindung der Insulinmoleküle an das Eiweiß Protamin erreicht, die Wirkdauer wird damit auf 8 bis 12 Stunden verlängert, in hohen Dosierungen kann die Wirkung bis zu 20 Stunden anhalten.

Bis heute sind Insuline mit dem gleichen Verzögerungsprinzip verfügbar, natürlich nicht mehr als tierisches Insulin, sondern als NPH-Humaninsulin. Auch Mischinsuline enthalten als Verzögerungsinsulin ein NPH-Insulin in Kombination mit einem schnellwirksamen Insulin.

Verbesserungen durch gentechnische Verfahren

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt ist die gentechnische Herstellung von Insulin. Durch dieses Verfahren kann Insulin ohne den Einsatz tierischen Ausgangsmaterials produziert und seit 1982 durch gentechnisch veränderte Bakterien in großen Mengen hergestellt werden. Inzwischen ist dies auch mit Hilfe von Hefepilzen möglich. Das so gewonnene Humaninsulin ist mit menschlichem Insulin absolut identisch.

Im Jahr 1996 gelang es dann, ein gentechnisch verändertes Insulin(Insulin lispro) zu entwickeln. Dafür wurden zwei Aminosäuren aus der Aminosäurekette des Insulins vertauscht. Dieses erste schnellwirksame Insulin-Analogon flutete schneller an, zeigte einen höheren maximalen Wirkspiegel und eine kürzere Wirkdauer. Für viele Diabetiker bedeutete dies, nicht mehr auf den Spritz-Ess-Abstand achten zu müssen; auch zum Teil notwendige Zwischenmahlzeiten fielen durch das neue Insulin weg. Gleichzeitig waren die sehr hohen Blutzuckerspitzen nach einer Mahlzeit etwas geringer ausgeprägt. Weitere kurzwirksame Insulin-Analoga sind Insulin aspart und Insulin glulisin.

Bei den langwirksamen Insulinen dauerte es bis zum Jahr 2000, bis ein Insulin-Analogon entwickelt wurde (Insulin glargin U 100). Insulin glargin bildet nach der Injektion eine Art Depot, von dem aus es langsam über durchschnittlich ca. 20 bis 26 Stunden freigesetzt wird. Es wirkt zudem gleichmäßiger als NPH-Insulin. Seit 2004 gibt es ein zweites langwirksames Insulin-Analogon: Insulin detemir. Es wirkt etwas kürzer als Insulin glargin, aber ebenfalls gleichmäßiger als NPH-Insulin und führt deshalb weniger häufig zu Unterzuckerungen.

Analoge Basalinsuline haben noch weitere Vorteile: Durch die längere Wirkdauer muss das Insulin zum Teil seltener gespritzt werden. Außerdem sind diese Insuline im Gegensatz zu NPH-Insulin klare Lösungen und müssen nicht vor dem Spritzen gemischt werden.

Nur kurz auf dem Markt: Insulin degludec

Ungefähr zehn weitere Jahre vergingen, bis zwei weitere langwirksame Insulin-Analoga vorgestellt wurden, die auch als ultra-langwirksame Insulin-Analoga bezeichnet werden: zum einen Insulin degludec mit einer Wirkdauer von bis zu 72 Stunden und einer noch gleichmäßigeren, besser reproduzierbaren Wirkung und dadurch einer noch niedrigeren Hypoglykämie-Häufigkeit als bei den langwirksamen Insulin-Analoga der ersten Generation. Dieses Insulin war in Deutschland nur ein Jahr auf dem Markt – zum Bedauern vieler Diabetiker und Diabetologen.

Das zweite ultra-langwirksame Insulin-Analogon, Insulin glargin U 300, ist eine Weiterentwicklung des Insulins glargin U 100. Bei gleichem Molekül führt eine höhere Konzentration zu einer etwas gleichmäßigeren Wirkung, einer verlängerten Wirkdauer bis zu 36 Stunden und einer noch geringeren Hypoglykämie-Häufigkeit.

Verschiedene Therapiestrategien

Menschen mit Typ-1-Diabetes werden grundsätzlich mit einer intensivierten konventionellen Therapie(ICT, Basis-Bolus-Therapie) behandelt. Die Basis ist ein langwirksames Insulin, das die Grundversorgung des Körpers mit Insulin sicherstellt. Unabhängig von den Mahlzeiten sorgt dieses Insulin – wenn es richtig dosiert wurde – für einen stabilen Blutzuckerverlauf. Als Bolusinsulin, das zu den Mahlzeiten und bei erhöhten Werten zur Korrektur gespritzt wird,kommt ein kurzwirksames Insulin zum Einsatz. Es sorgt für die Verstoffwechselung der Kohlenhydrate aus der Nahrung.

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen statt der ICT die Insulinpumpentherapie. In der Pumpe befindet sich ein schnellwirksames Insulin, das kontinuierlich als individuell programmierte Basalrate und als Bolus zu den Mahlzeiten abgegeben wird.

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Erkrankung mit Insulin zu behandeln. Dies hängt mit dem langsamen Voranschreiten der Krankheit zusammen. In den ersten Jahren reichen oft Tabletten zur Optimierung der Stoffwechsellage aus. Sind Tabletten nicht mehr effektiv genug, kommt Insulin zum Einsatz. In Deutschland, wie auch in den meisten anderen Ländern, beginnen die meisten Patienten (unter Beibehaltung der Tabletten) eine Therapie mit einem langwirksamen Insulin (basalunterstützte orale Therapie, BOT).

Wenn diese Therapie im Laufe der Jahre nicht mehr ausreichend effektiv ist, kann zusätzlich, zunächst zur Hauptmahlzeit, ein kurzwirksames Insulin gespritzt werden (BOTplus). Diese Therapieoption kann, wenn nötig, schrittweise zu einer ICT “ausgebaut” werden. Nicht selten wird wegen deutlich erhöhter Blutzuckerwerte unter einer BOT auch gleich eine ICT gestartet.

Bei der ICT wird einmal am Tag ein langwirksames Insulin und dreimal (zu den Hauptmahlzeiten) ein kurzwirksames Insulin gespritzt. Das kurzwirksame Insulin wird jeweils vor der Mahlzeit gespritzt, das heißt, der Zeitpunkt der Mahlzeit kann flexibel gewählt werden. Fällt die Mahlzeit aus, wird in der Regel nicht gespritzt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Dosis des kurzwirksamen Insulins an die Größe der Mahlzeit anzupassen.

Alternative: Therapie mit Mischinsulin

Eine alternative Insulintherapie, die jedoch zunehmend seltener angewandt wird, ist die Therapie mit Mischinsulin (konventionelle Insulintherapie, CT) mit zwei Injektionen: eine vor dem Frühstück, eine vor dem Abendessen. Zudem gibt es noch die supplementäre Insulintherapie (SIT) mit drei Injektionen eines schnellen Insulins zu den Mahlzeiten.

Welche der Therapieformen gewählt wird, hängt von den Blutzuckerwerten, dem individuellen Therapieziel, der Motivation und den Fähigkeiten eines Menschen mit Typ-2-Diabetes ab. Die Entscheidung sollte von Arzt und Patient gemeinsam getroffen werden.

Schwerpunkt Insuline

von Dr. med. Thorsten Siegmund
Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Isar Klinikum,
Sonnenstraße 24 – 26, 80331 München
Tel.: 0 89/14 99 03-66 20
E-Mail: thorsten.siegmund@isarklinikum.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (4) Seite 20-23

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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