- Behandlung
Ist eine Stoffwechsel-Normalisierung bei Typ-2-Diabetes dauerhaft möglich?
2 Minuten

Ein Typ-2-Diabetes lässt sich zwar nicht heilen, unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich aber bei vielen Menschen die Diagnose zumindest wieder umkehren – man spricht dabei von einer Remission. Ob diese Stoffwechsel-Normalisierung von Dauer ist, hängt vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns, von einer nachhaltigen Lebensstiländerung und einer geeigneten Behandlung mit Medikamenten ab.
Um das Ende einer Remission des Typ-2-Diabetes – also ein Drosseln der Diabetes-Symptome hin zu einer Stoffwechsel-Normalisierung – festzustellen, gelten dieselben Kriterien wie bei der erstmaligen Diagnose der Stoffwechselerkrankung. Darauf hat Professor Dr. Blandine Laferre vom Irving Medical Center an der Columbia University in New York bei einem internationalen Diabetes-Kongress hingewiesen. Sprich: Wenn der HbA1c-Wert wieder auf über 6,5 % steigt, erneut Diabetesmedikamente nötig sind, jegliche Blutzuckerwerte oberhalb von 200 mg/dl, Nüchtern-Blutzuckerwerte höher als 126 mg/dl oder beim oralen Glukosetoleranztest nach zwei Stunden Werte von über 200 mg/dl gemessen werden, dann ist der Typ-2-Diabetes zurück. „Ein einziger dieser Marker reicht aus“, betonte die Diabetologin.
Dauer der Stoffwechsel-Normalisierung bei Typ-2-Diabetes variiert – und es gibt keine Garantie
Ob und wie lange die Stoffwechsel-Normalisierung Bestand hat, variiert je nach Ausgangslage und der anfänglichen Therapie des Typ-2-Diabetes. Selbst eine kurzfristige intensive Insulintherapie, die Gabe anderer Diabetes-Medikamente, ein bariatrischer Eingriff oder Änderungen der Lebensgewohnheiten sind kein Garant dafür, dass sich der Diabetes nicht erneut manifestiert. So zitierte Prof. Laferre eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2013, wonach 30 Prozent der Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretenem Typ-2-Diabetes und HbA1c-Werten zwischen 9,7 und 11,9 Prozent, die über zwei bis drei Wochen nach der Diagnose eine intensive Insulintherapie erhalten hatten, ein Jahr später wieder Diabetes-Symptome aufwiesen.
Auch ein Therapie-Start mit GLP1-Rezeptoragonisten (GLP1-RA) scheint die Stoffwechsel-Normalisierung trotz eines positiven Effekts auf die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen nur bedingt zu erhalten, da die Glukosewerte nach Ende der Therapie wieder ansteigen. Bei bariatrischen Eingriffen scheint eine nachhaltige Remission vor allem von der Behandlung vor der Operation abzuhängen. So kam es in einer Studie aus dem Jahr 2010 im Verlauf von fünf Jahren bei Patientinnen und Patienten mit einem Roux-en-Y-Magenbypass (Behandlung zuvor ausschließlich mit einer Ernährungsumstellung), nur in 24 Prozent der Fälle zu einem Wiederauftreten der Symptome. An zweiter Stelle folgen diejenigen, die vor der OP eine Behandlung mit oralen Antidiabetika durchgeführt haben. 72 Prozent Rückfallquote waren es bei einer vor der Operation durchgeführten Insulintherapie.
Erfolgsfaktor für eine Remission: Therapie des Typ-2-Diabetes auf den Erhalt der Betazell-Funktion ausrichten
Daten zur Rückfallquote liefert auch die LookAHEAD-Studie. Vorhersagevariablen für die Stoffwechsel-Normalisierung sind demnach die Dauer des Typ-2-Diabetes, der HbA1c-Wert, eine Insulintherapie, ein Gewichtsverlust nach einem Jahr und eine verbesserte körperliche Fitness. „Leider wurde in der LookAHEAD-Studie die Betazell-Funktion nicht untersucht“, gab Prof. Laferrere zu bedenken. Dabei ist der fortschreitende Verlust der Betazell-Funktion vermutlich ein zentraler Faktor für eine Vorhersage.
„Zu einem Rückfall kommt es, wenn die Betazellfunktion schon vor der Intervention nicht mehr gut war, wenn die Betazellfunktion mit der Zeit nachlässt oder wenn es zur Dedifferenzierung [Zellen verlieren ihre zelltypspezifischen Eigenschaften; Anm. d. Red.] von Betazellen kommt“, erklärte die Expertin. Eine Rückkehr des Typ-2-Diabetes kann man am ehesten verhindern, wenn die Menschen frühzeitig eine Behnadlung erhalten, ihren Lebensstil nachhaltig verändern und sich der Verlust der Betazell-Funktion verhindert lässt. Deshalb plädierte Prof. Laferre dafür, die medikamentöse Behandlung unmittelbar nach der Diagnose danach auszurichten, die Betazell-Funktion möglichst lange zu erhalten. Dafür müsse man die Patientinnen und Patienten aber auch besser nach ihrem spezifischen Diabetes-Typ einteilen können.
von Antje Thiel
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung

3 Minuten
- Begleit-Erkrankungen
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 1 Tag, 21 Stunden
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Tagen, 15 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße