- Aus der Community
Qualifiziert durch die Schule „Diabetes“ – ein Mehrwert für die Gesellschaft
5 Minuten
Sind Menschen mit Diabetes weniger leistungsfähig oder gar eine Last für die Gesellschaft? Fragen, mit denen Andreas sich auseinandersetzt. Seine Antworten darauf sind eindeutig!
Ausblick
Der berufliche Alltag lässt nur wenig Spielraum für zusätzliche Aufwände zu. Doch gerade bei Typ-1-Diabetikern entstehen dabei Anforderungen, die aus der Sicht des beruflichen Umfeldes kaum erahnt werden können. Warum die spontane und effektive Problemlösungsfähigkeit bei Diabetikern meiner Meinung nach eine besondere Qualität darstellt, wird im folgenden Beitrag vermittelt.

Bedeutsame Hintergründe
Die epidemiologischen Zahlen zu „Diabetes mellitus“ lassen aufgrund ihrer stetig steigenden Tendenz erst einmal nicht besonders viel Gutes erahnen. Unterstützt wird diese, wie ich finde, eher düstere Überlegung, durch die hohen Risiken in Form von schwerwiegenden neurologischen und kardiovaskulären Komplikationen, welche die Krankheit für Betroffene mit sich bringen kann. Dahingehend leiden 6,9 Mio. Menschen an Typ-2-Diabetes und 32.000 Kinder und Jugendliche sowie 340.000 Erwachsene an Typ-1-Diabetes – Tendenz steigend (1).
Doch gerade die jüngeren, berufstätigen Typ-1-Diabetiker_innen stellen nach meiner Erkenntnis eine Gemeinsamkeit dar, denn: Diese Gruppierung wird mit besonderen Aufgaben und Wechselwirkungen konfrontiert. Der Weg ins Berufsleben ist – wie ich finde – grundlegend anspruchsvoll. Gerade dann, wenn ein Beruf angestrebt wird, der mit persönlichen Interessen, Vorlieben, Zielen und Visionen kombiniert wird. Bestreben, die für mich als Typ-1-Diabetiker vorweg limitiert sind, da ich selbst bei bester Einstellung und Leistungsfähigkeit noch auf körperlich anspruchsvolle und verantwortungsvolle Berufe verzichten müsste (Polizei, Militär, Luftfahrt usw.) (2). Meine Überlegungen zu weiteren Hindernissen für Diabetiker_innen, wie diese entstehen können und wo das vielleicht nicht selten unterschätzte Potenzial zu finden sein könnte, möchte ich im Folgenden aufzeigen.
Die besondere Situation
Die Hindernisse im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Einstellung, aber auch der folgenden beruflichen Laufbahn, erscheinen mir nicht eindimensional erklärbar. Es sind nicht unbedingt die Gutachter_innen oder die potenziell Vorgesetzten, die ein Risiko bei Diabetiker_innen vermuten, welches sie bei anderen Bewerber_innen und Mitstreiter_innen nicht vermuten, denke ich. Dazu kommen vor allem die realen Zusatzaufgaben, welchen sich Diabtiker_innen im alltäglichen Leben widmen „dürfen“.

Ja, es stimmt: Ich bin als „Betroffener“ dazu gezwungen, nachts aufzustehen, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, vielleicht die Insulindosierung zu verändern oder Kohlenhydrate durch Nahrung zuzuführen. Ich muss früher aufstehen, um die Injektionen oder die Nahrung für den bevorstehenden Tag anzupassen, und ich habe eine vielleicht größere Verpflichtung, regelmäßig Sport zu treiben, als andere. Klar, denn wer würde nicht gerne ohne erschwerende, konzentrationsraubende Hypoglykämien dazu fähig sein, die volle Leistungsfähigkeit im Alltag abrufen zu können?
Nur das annähernd optimale Diabetesmanagement ermöglicht mir eine gesunde und damit lebenswerte Zukunft, ohne Nieren-, Herz-, Gefäß- oder Nervenschäden zu erleiden, die zu einem vorzeitigen Tod führen können (3). Enormes medizinisches Fachwissen und ein hohes Maß an Disziplin, um jeden Tag früher als andere aufzustehen, sind aus meiner Sicht wahrhaftig ein Bestandteil des erfolgreichen Diabetesmanagements. Verstärkt wird der Anspruch an Disziplin durch die Organisation und Bewältigung regelmäßiger Zusatzaufwände während der Nacht, wie z.B. das Kontrollieren des Blutzuckerwertes oder Insulininjektionen, um Stunden später beim Erwachen den Tag so gut als möglich starten zu können.
Dazu kommen regelmäßige Sporteinheiten, um die Insulinsensibilität zu erhöhen, Glukose abzubauen und das kardiovaskuläre System zu trainieren (4). Nicht zu vergessen eine gesunde, wohlbedachte Ernährung, die auf die individuellen Aufgaben des Tages angepasst werden muss (5). Nicht jeder Tag ist gleich und dennoch möchte ich auf jede Situation vorbereitet sein. Das bedeutet: Einen Tag, an dem neben der beruflichen Tätigkeit auch das Training ansteht, kann ich nicht planen wie einen Tag ohne Training, aber dafür mit zusätzlichen Familienaktivitäten. Der Nährstoff-, Insulin- und Kontrollbedarf alleine sind total verschieden und bedürfen Aufmerksamkeit.
Und damit nicht genug: Wie oft geht etwas dabei schief bzw. lässt es sich nicht genau vorhersagen und damit planen? Was tun, wenn ein Training plötzlich ausfällt, einmal Überstunden anfallen oder ein Freund Hilfe braucht usw.? Schnelle und gezielte Anpassung ist gefragt – nichts Neues für „professionelle“ Diabetiker_innen. In solchen Fällen muss ich beispielsweise die Insulindosierung, die Injektionsfrequenz, die Ernährung ändern und intuitiv aber genau anpassen sowie die dafür notwendigen Mittel bereitstellen. Meiner Meinung nach zeigt dies einen Aufwand, den sich manche uninformierte Personen aus dem alltäglichen Umfeld kaum vorstellen können.
Die Überlegenheit durch die Schule „Diabetes“
Die im Vorfeld erläuterten Situationen und die damit einhergehenden Aufwände sind nach meiner Recherche keine Seltenheit. Allerdings frage ich mich: Handelt es sich dabei wirklich nur um Negatives, was es zu verurteilen gilt? Meine daran anknüpfenden Überlegungen veranlassten mich schlussendlich zu der festen Überzeugung: Die hohe Kompetenz an Disziplin, Innovation und Problemlösung von Diabetiker_innen erweist sich mir als offensichtlich. Genau diese Fertigkeiten, welche benötigt werden, um so einen Alltag zu meistern, werden durch den Diabetes gelehrt. Einer tödlichen Krankheit, die ohne medizinische Versorgung in wenigen Tagen zum Tod führt (6).
Eine „Schule“, deren Anforderungen nicht jeder_jede zu meistern vermag, der_die sich von extern erlaubt, das Verhalten von Diabetikern als negativ beurteilen zu können. Dies erscheint mir von den entsprechenden Kritiker_innen manchmal als voreilig und schlichtweg falsch angenommen. Dazu gebe ich zu bedenken, dass die meisten Diabetiker_innen eben diese, nicht einfache, Schule tatsächlich und erfolgreich durchlaufen haben. Für mich zumindest gibt es keinen ernsthaften Grund anzunehmen, als Diabetiker_in weniger Potenzial in einer Leistungsgesellschaft entfalten zu können als andere Mitstreiter_innen. Die Schule des Diabetes ist sicher keine Garantie für ein erfolgreiches Leben in jeder Hinsicht. Aber sie kann helfen, mit den normalen, für alle geltenden Aufwänden gut klarzukommen. Und wenn dies im Idealfall auch auf die Umgebung abfärbt, identifiziere ich es als Treibstoff für eine Art von „Win-Win-Situation“.

Literaturverzeichnis
- Jacobs E., Rathmann W. (2021). Epidemiologie des Diabetes in Deutschland. Deutscher Gesundheitsbericht. 9-16. Zuletzt aufgerufen am 16.08.2021: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/06_Gesundheitspolitik/03_Veroeffentlichungen/05_Gesundheitsbericht/2020_Gesundheitsbericht_2020.pdf
- Ebert E. (2017). Diabetes und Beruf: Grundsätzlich nur wenige Einschränkungen. Dtsch Arztebl. 114(20): [16]; DOI: 10.3238/PersDia.2017.05.19.04
- Heidemann C, Scheidt-Nave C. Prevalence, incidence and mortality of diabetes mellitus in adults in Germany – A review in the framework of the Diabetes Surveillanc. Journal of Health Monitoring 2017; 23: 98-121. https://doi.org/10.17886/RKI-GBE-2017-062
- Codella R, Terruzzi I, & Luzi L. Why should people with type 1 diabetes exercise regularly?. Acta diabetologica 2017; 54: 615–630. https://doi.org/10.1007/s00592-017-0978-x
- Franz, M. J., MacLeod, J., Evert, A., Brown, C., Gradwell, E., Handu, D., Reppert, A., & Robinson, M. (2017). Academy of Nutrition and Dietetics Nutrition Practice Guideline for Type 1 and Type 2 Diabetes in Adults: Systematic Review of Evidence for Medical Nutrition Therapy Effectiveness and Recommendations for Integration into the Nutrition Care Process. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 117(10), 1659–1679. https://doi.org/10.1016/j.jand.2017.03.022
- International Diabetes Federation. Zuletzt aufgerufen am 16.08.2021: https://diabetesvoice.org/en/diabetes-views/insulin-insecurity/
Am 25. September findet unser digitales #Diabetesbarcamp statt. Alle Infos bekommt ihr hier.
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Bewegung
Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause
2 Minuten
- Behandlung
Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?
5 Minuten
Keine Kommentare
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 15 Stunden, 9 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
-
suzana antwortete vor 13 Stunden, 16 Minuten
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 10 Stunden, 39 Minuten
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
-
-
vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 1 Stunde
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
-
renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
-
moira antwortete vor 5 Tagen, 17 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
-
