Schlafstörungen erhöhen das Diabetesrisiko

4 Minuten

Schlafstörungen erhöhen das Diabetesrisiko

Nicht einschlafen können, nachts immer wieder aufwachen, generell zu wenig Schlaf bekommen – immer mehr rückt in den Fokus, dass ein gestörter Schlaf sich auf unsere Gesundheit auswirken kann. Schlafforscher beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema. Anfang Dezember tagte die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin in Mainz. Wir waren vor Ort und haben natürlich auch nach dem Zusammenhang zwischen Diabetes (Typ 2) und Schlaf gefragt.

Sechs Prozent der Deutschen haben Ein- und Durchschlaftstörungen, die behandelt werden müssen – und zwar nicht nur, damit diese Menschen besser schlafen können. Vielmehr werden Schlafstörungen schnell chronisch und können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und vor allem psychische Störungen begünstigen.

Schlechter Schlaf und Diabetes

Wieso erhöht schlechter oder auch zu wenig Schlaf das Risiko, an Diabetes zu erkranken? Ganz geklärt ist der Zusammenhang noch nicht, führten die Experten von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) während ihrer Jahrestagung in Mainz aus. Hinweise konnte Tagungspräsident Dr. Dipl.-Psych. Hans-Günter Weeß, der im Pfalzklinikum Klingenmünster das Interdisziplinäre Schlafzentrum leitet, aber geben. Er erklärte, “dass Schlafmangel vor allem in der Größenordnung unter sechs Stunden und in Assoziation mit Ein- und Durchschlafproblemen ein ungefähr 1,8-fach höheres Risiko für Diabetes darstellt, im Vergleich zu jemandem, der normal schläft, also über sechs Stunden – oder wenn er unter sechs Stunden schläft und das für sich subjektiv als normal empfindet.” Im letztgenannten Fall habe der Betroffene “ein ganz geringfügig höheres, aber doch auch höheres Risiko”, an Diabetes zu erkranken.

Dr. Alfred Wiater, Präsident der DGSM, ergänzte: “In dem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen: Schlafmangel erhöht auch das Adipositasrisiko, das sehen wir schon bei Kindern. Und wir wissen, dass wir hormonelle Inbalancen haben bei schlafgestörten Menschen zwischen den hormonellen Substanzen, die das Sättigungsgefühl fördern und denen, die das Hungergefühl fördern, und das könnte vielleicht auch ein Aspekt sein, der mit dem erhöhten Diabetesrisiko in Zusammenhang steht. Das heißt, dass die hormonellen Substanzen, die eher ein Sättigungsgefühl vermitteln, reduziert zur Ausschüttung kommen und eher das Hungergefühl gefördert wird, wenn man zu wenig schläft.”

Wiater bezieht sich hier darauf, dass übergewichtige Menschen eher einen Typ-2-Diabetes entwickeln als Menschen mit Normalgewicht. Interessant ist auf jeden Fall, dass Schlafdauer und Schlafqualität sich auf die Produktion bestimmter Hormone auswirken.

Was tun bei Schlafstörungen?

Schlafmittel oder Verhaltensänderung – was wirkt besser? Schneller wirken natürlich Schlafmittel, führte Dr. Hans-Günter Weeß aus. Vergleicht man allerdings die beiden Maßnahmen, schneidet auf lange Sicht die Änderung des Verhaltens besser ab. Mit Schlafmitteln begreift man eben nicht, dass gestörter Schlaf auch aus eigener Kraft verbessert werden kann; wird das Schlafmittel abgesetzt, ist alles beim Alten. Hinzu kommt das Risiko, abhängig zu werden – in Deutschland geht man von bis zu 1,9 Millionen Menschen aus, die abhängig sind von Schlafmitteln. Lernen, sein Schlafverhalten zu ändern, ist zum Beispiel im Pfalzklinikum Klingenmünster durch “Schlafseminare” möglich.

Was bringen Smartphone-Apps und Schlafprogramme aus dem Internet?

Ist es auch sinnvoll, z. B. Smartphone-Apps (Schlaf-Apps), Fitness-Tracker, entsprechende Armbänder zu nutzen? Weeß ist skeptisch: “Eine ganze Reihe von Apps suggeriert, die Qualität des eigenen Schlafs zu erfassen und Rückmeldungen zu geben, ob der Schlaf erholsam ist oder nicht und dass er sich verbessern lässt. Von der technischen Seite her sind das keine validen Diagenoseinstrumente.” Während im professionellen Schlaflabor mit sensiblen Messgeräten Hirnströme, Muskel- und Augenbewegungen und Herzfrequenz aufgezeichnet und wissenschaftlich ausgewertet werden, registrieren die Fitness-Tracker oft nur sehr ungenau die Bewegungen des Schläfers und lassen ihn mit den Ergebnissen allein. Die große Gefahr liege darin, dass Anwender bei vermeintlich schlechten Daten entweder unnötig verunsichert werden oder sich bei angeblich guten Ergebnissen in Sicherheit wiegen, obgleich sie tatsächlich unter Schlafstörungen leiden, die behandelt werden müssten. Deshalb seien solche “Handgelenks-Ärzte” sehr kritisch zu bewerten.

Professor Dieter Riemann, Freiburg, hat dennoch einige Empfehlungen, wie Betroffenen die moderne Technik sinnvoll nutzen können: “Was Smartphone-Apps betrifft, so ist es durchaus sinnvoll, z. B. Schlaftagebücher, die bislang ja handausgefüllt wurden, auch als Smartphone Application umzusetzen. Dies ermöglicht eine zeitnahe Erhebung und auch eine Rückmeldung, etwa in Form von Grafiken”, so Riemann. Internetprogramme für Menschen mit Schlafstörungen gibt es auch, SHUTi und Sleepio nennt Riemann als positive Beispiele, die wissenschaftlich geprüft wurden. Sie könnten zum Beispiel Menschen helfen, “die wegen ihrer Schlafproblematik nie einen Arzt oder entsprechenden Experten konultieren würden.” So gut wie die klassische Therapie beim Arzt/Therapeuten seien die Programme aber nicht. Er gibt außerdem zu bedenken, dass Nutzer immer darauf achten sollten, welche persönlichen Daten sie preisgeben und wer diese Daten dann einsehen kann.

Schlafmediziner beklagen Druck durch die Kostenträger

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin beklagt, dass schlafmedizinische Leistungen “in der Gebührenordnung nicht hinreichend abgebildet sind” – dass es also schwierig ist, für diese Leistungen auch bezahlt zu werden. Auch sei es schwierig, Menschen mit Schlafapnoe (Schlafapnoe: Atemstillstände während des Schlafes) mit atmungsunterstützenden Apparaten zu versorgen, Grund dafür sei der Druck durch die Kostenträger.

Um die Versorgung von Menschen mit Schlafstörungen zu verbessern, sucht die DGSM die Zusammenarbeit mit den Hausärzten. Dazu DGSM-Präsident Wiater: “Wir streben an, in enger Kooperation mit den hausärztlichen Verbänden die hausärztliche Schlafmedizin weiter zu etablieren. Wir haben schon ein Fortbildungs-Curriculum für Hausärzte etabliert, und hoffen, dass wir auf diese Art und Weise an der Basis eine Verbesserung der schlafmedizinischen Versorgung erreichen können.”

Weitere Informationen zum Thema Schlaf
  • In diesem Artikel zum Thema “Schlafstörungen fördern Diabetes und Übergewicht” geht es unter anderem um das “obstruktive Schlafapnoe-Syndrom”, aber auch um die hormonellen Zusammenhänge.
  • Hier lesen Sie das Protokoll eines Online-Chats zum Thema “Schlafprobleme – was Menschen mit Diabetes dagegen tun können”.
  • Um den Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und der Blutzuckereinstellung von Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes geht es hier.
  • Und hier können Sie Broschüren der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin herunterladen, in denen es um die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen geht.

Quelle: Pressegespräch der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und DGSM-Presseinformation

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf

Der DiaCup 2026 bringt im Juni erneut Menschen mit Diabetes zu einem Tischtennisturnier in Düsseldorf zusammen. Im Trainingszentrum von Borussia Düsseldorf stehen Bewegung, gemeinsames Erleben und Austausch im Mittelpunkt. Die Anmeldung läuft bis zum 5. Juni.
Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf | Foto: DiaCup/DDZ

2 Minuten

Vorstoß bei der Zuckersteuer: Frische Brise aus dem Norden

Einige Zeit war es ruhig um die Zuckersteuer. Nun hat sich die CDU-geführte Landesregierung Schleswig-Holsteins der Sache verschrieben und einen Vorstoß gemacht. Die Argumente sind bekannt: Zu starker Zuckerkonsum verursacht erhebliche gesundheitliche Probleme und auch enorme gesellschaftliche Kosten.
Vorstoß bei der Zuckersteuer: Frische Brise aus dem Norden | Foto: anaumenko - stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände