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Schwanger mit Typ-1-Diabetes: 10 Dinge, die ich im 1. Trimester gelernt habe. Teil 1
4 Minuten
1. Wenn möglich, sollte die Schwangerschaft gut geplant sein
Als Mensch mit Typ-1-Diabetes wird einem immer gesagt, dass man eine Schwangerschaft möglichst vorher planen sollte. Damit es einem selbst und dem Baby gut geht, sollte der Blutzucker schon vorher gut eingestellt und die passende Therapie gefunden werden. Natürlich kann man das auch gleich zu Beginn der Schwangerschaft machen, aber oft hat man dann so viele andere Dinge im Kopf und zu erledigen, dass es einfach schöner ist, wenn man zumindest die Suche nach der geeigneten Therapieform abhaken kann. Außerdem weiß man eben nie, wie es einem so geht während der Schwangerschaft.
Ich selbst bin Anfang des Jahres ungeplant schwanger geworden und hatte in den ersten Wochen ganz schön zu kämpfen, meine Gefühle, Gedanken, alles Organisatorische und den Diabetes unter einen Hut zu bekommen. Vor allem, da ich die meiste Zeit mit starker Übelkeit zu kämpfen hatte.
2. Neue Zielwerte
Denn in der Schwangerschaft gelten etwas andere Regeln und vor allem andere Ziele als zuvor. So sollte nach den DDG-Praxisempfehlungen eine möglichst normnahe Stoffwechseleinstellung angestrebt werden. Das bedeutet einen HbA1c-Wert von unter 7, besser aber noch unter 6,5%. Deswegen liegt der Blutzuckerzielbereich nüchtern und vor dem Essen während einer Schwangerschaft bei 65 mg/dl (3,6 mmol/l) – 95 mg/dl (5,3 mmol/l). Eine Stunde nach dem Essen sollte er nicht über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) liegen und zwei Stunden nach dem Essen am besten schon wieder unter 120 mg/dl (6,7 mmol/l).
Für mich war dies erstmal eine Umstellung. Gestartet bin ich mit einem HbA1c-Wert von 7,5%, denn mein Diabetes war einige Wochen außer Rand und Band. Das musste ich zunächst wieder in den Griff bekommen. Und sich dann an die neuen recht niedrigen Zielwerte zu gewöhnen, dauerte ein paar Wochen.
3. Neuer Insulinbedarf
Die Umstellung war für mich nicht so leicht, weil sich mein Insulinbedarf komplett verändert hatte. Eigentlich liest man häufig davon, dass Frauen ihre Schwangerschaft bemerken, weil ihr Insulinbedarf fällt. Bei mir war jedoch das Gegenteil der Fall. Ich spritzte Insulin wie Wasser und bekam meinen Blutzucker einfach nicht runter. Deswegen auch der erhöhte HbA1c-Wert zu Beginn der Schwangerschaft. So durfte ich also erstmal wieder meine Basalrate und Faktoren testen. Was gar nicht so einfach ist, wenn so viele Veränderungen anstehen. Schon im ersten Trimester habe ich gemerkt, dass sich mein Insulinbedarf mehrfach geändert hat. Immer wieder musste ich meine Faktoren und auch die Basalrate neu ausrichten.
4. Neue Insulinsensitivität
Erschwerend kam hinzu, dass sich eben meine Insulinsensitivität ebenfalls ständig änderte. Zunächst brauchte ich einen langen Spritz-Ess-Abstand, dann musste ich einige Wochen spritzen, nachdem ich mit dem Essen schon halb fertig war, weil ich ständig unterzuckerte. Nach der 12ten Woche konnte ich dann wieder anfangen, den Spritz-Ess-Abstand einzuführen. Mittlerweile benötige ich oft einen SEA von 30-45 Minuten, das Ganze hängt natürlich auch von meinem Ausgangsblutzucker ab. Wie ihr seht, arbeiten der Körper und besonders die Hormonausschüttung auf Hochtouren, so dass kaum ein Tag vorhersehbar war. Ich hatte mich auf all das eingestellt und hatte viel gelesen. Trotzdem waren die ersten Wochen für mich selbst wirklich anstrengender, als ich es mir vorgestellt hätte. Ich kam mir vor wie ein absoluter Diabetes-Neuling. Alles, was 20 Jahre lang mehr oder weniger gut funktioniert hatte, half nun gar nichts mehr. Ich musste mich, meinen Körper und auch meinen Diabetes neu kennenlernen. Und dass gefühlt alle paar Tage aufs Neue. Zum Glück hatte ich wenigstens schon die passende Therapieform für mich gefunden, mit der ich die Schwangerschaft gut hinbekommen würde.
5. Neue „Hypo“-Symptome
Auch neu waren einige „Hypo“-Symptome. Eine taube Zunge kannte ich schon von wirklich niedrigen Werten. Doch nun wurde mein ganzer Mundbereich taub, ich konnte kaum kontrolliert kauen oder etwas schmecken. Und das schon bei einem moderat niedrigen Wert. Auch mein Geschmack änderte sich. Dafür blieb das Zittern weg. Mit der Zeit konnte ich meine Unterzuckerungen immer später wahrnehmen, was natürlich auch an dem niedrigeren Zielbereich lag. Genau da liegt während einer Schwangerschaft sogar die Gefahr.
Ganz schön viel, oder? Das kann am Anfang erschlagend oder überfordernd wirken.
Lasst euch davon jedoch keine Angst machen! Was hier zunächst viel erscheinen mag, dient der Aufklärung. Im Alltag sind wir alle schließlich Profis im Umgang mit unserem Diabetes und auch, wenn der Eindruck täuschen mag: Eine Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes ist kein Hexenwerk! Besonders mit dem richtigen Diabetes-Team an seiner Seite.
Im zweiten Teil hört es mit den neuen Situationen, Wehwehchen und neuen Rechten aber auch noch nicht auf.
Video: Schwangerschaft mit Typ 1 – Tipps, die ich mir schon früher gewünscht hätte – Auch Kathi ist Mama mit Typ-1-Diabetes und hat ihre Erfahrungen zum Thema geteilt!
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stephanie-haack postete ein Update vor 1 Tag, 1 Stunde
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Tag, 3 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Tag, 1 Stunde
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
