Unternehmen, die Insulin herstellen: Sanofi

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Unternehmen, die Insulin herstellen: Sanofi

Vor 100 Jahren wurde der erste Mensch erfolgreich mit Insulin behandelt. Viel wurde darüber schon geschrieben, viele Blicke wurden bereits in die Geschichte dieser lebensrettenden Entdeckung geworfen. Wir vom Diabetes-Journal wollen noch einen anderen Blickwinkel einnehmen und bitten pharmazeutische Unternehmen, die Insulin herstellen, zum Interview. Thema darin ist aber nicht nur Insulin, sondern es gibt auch Blicke über den Tellerrand. In Teil 3 der Serie: Sanofi.

Interview mit Prof. Dr. W. Dieter Paar, Direktor Medizin beim Unternehmen Sanofi

Seit wann produziert Sanofi Insulin und wo wird es heute produziert – insbesondere das Insulin, das Menschen mit Diabetes in Deutschland nutzen?
Seit rund 100 Jahren: Am 31. Oktober 1923 hat Sanofi (Vorgänger-Unternehmen Hoechst) Insulin als Medikament auf den Markt gebracht und war seitdem führend in der Entwicklung von Insulin-Behandlungen. Im Jahr 1936 gelang es Hoechst als erstem Insulin-Produzenten, seine gesamte Produktion auf kristallines Insulin umzustellen, womit eine bessere Reinigung des Insulins erreicht wurde, verbunden mit einer besseren lokalen Verträglichkeit.
In den folgenden Jahrzehnten kamen immer wieder wesentliche Beiträge zum Fortschritt der Insulintherapie aus Frankfurt-Hoechst – daran hat sich bis heute nichts geändert. Die in den 1970er-Jahren von Hoechst mit Nachdruck betriebene Entwicklung von Synthese-Methoden für das Humaninsulin ließ unter anderem eine neue Methode zur Herstellung körpereigener Stoffe interessant werden: die Gentechnologie. Im Juli 1994 erhielt Hoechst die Genehmigung für den Betrieb der biotechnischen Produktion von Humaninsulin. Im Jahr 2000 hat die Einführung eines langwirksamen Insulin-Analogons die basale Insulintherapie nahezu revolutioniert, den Standard gesetzt und im Jahr 2015 mit der Einführung eines verbesserten Insulin-Analogons weitere Vorteile erreicht. Mehr zu dieser Erfolgsgeschichte findet man im Internet unter bit.ly/3PU9dXR.

Sanofi bietet neben Insulin noch anderes für Menschen mit Diabetes an. Was zum Beispiel? Und warum engagiert sich das Unternehmen auch in dieser Hinsicht?
Wir arbeiten gemeinsam mit Partnern, wie Start-ups, an innovativen Lösungen für Patienten, die das individuelle Blutzucker-Management in den Mittelpunkt eines vernetzten Ökosystems stellen, um den Daten-Zugriff für Patienten und ihre medizinischen Betreuer/Teams in Zukunft zu verbessern. Dazu zählen vor allem telemedizinische Lösungen. Auch werden Schulungsprogramme für Patienten erstellt, die dazu beitragen, dass ein einfacher und sicherer Einstieg in die Insulintherapie möglich ist.
Darüber hinaus engagiert sich Sanofi mit “Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS” insbesondere in der Aufklärung und Information von Betroffenen. Im Rahmen dessen findet regelmäßig virtuell der #DiabetesDialog statt, bei dem über wichtige Themen im Zusammenhang mit Diabetes informiert wird und Betroffene die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen. Die von uns initiierte Aktion kooperiert seit dem Jahr 2005 mit Fachgesellschaften, Patienten-Organisationen und Medien.

Es gibt mehrere Projekte, die Menschen mit Diabetes in der Ukraine helfen. Engagiert sich Sanofi auch in diesem Bereich?
Als Teil der deutschen Hilfeleistungen für die Ukraine koordiniert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die staatlichen zivilen Hilfeleistungen Deutschlands. Im Zuge dieser Hilfe konnte Sanofi die Insulin-Versorgung von Menschen mit Diabetes vor Ort für mehrere Wochen sichern. Im April übergab Anne Reuschenbach, Leiterin pharmazeutische Produktion von Sanofi in Deutschland, dem BBK-Präsidenten Armin Schuster 40 500 Insulin-Pens. Die Spende von Sanofi war die erste Großspende an Arzneimitteln und Medizinprodukten, die über das BBK an die Ukraine vermittelt wurde.

Wie versucht Sanofi, Menschen mit Diabetes im Alltag zu unterstützen? Welchen Stellenwert haben dabei Social-Media-Kanäle?
Wie bereits oben erläutert, unterstützt Sanofi in Zusammenarbeit mit einem großen Netzwerk von mehr als 20 Partnern Betroffene durch den #DiabetesDialog. Dieser wird darüber hinaus über die Social-Media-Accounts der Partner übertragen, z. B. dem Facebook-Kanal der Blood Sugar Lounge. Außerdem informiert der Twitter-Kanal von “Gesünder unter 7 PLUS” regelmäßig über wichtige Themen rund um Diabetes.

Sanofi – Unternehmens-Daten:
  • mehr als 100 000 Mitarbeitende in etwa 90 Ländern; davon mehr als 9000 Mitarbeitende in Deutschland (Stand April 2022)
  • Gesundheitslösungen sind in etwa 170 Ländern verfügbarcirca 70 Produktions-Stätten (mit mehr als 34 000 Mitarbeitenden) und circa 20 Forschungs-Standorte
  • der Gesamtumsatz betrug im Jahr 2020 36,04 Milliarden Euro
  • vier Geschäftsbereiche: General Medicines (mit Fokus auf Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie etablierte Produkte), Specialty Care (Therapien für seltene und komplexe Erkrankungen), Vaccines (Impfstoffe, v. a. Grippe- und Kinder-Impfstoffe für die Grundimmunisierung, Auffrischungs-Impfungen und Reise-Impfungen), Consumer Healthcare (apothekenpflichtige Arzneimittel und Gesundheitsprodukte für die Selbstmedikation)

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (9) Seite 36-37

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 5 Tagen, 12 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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