- Behandlung
Wenn man schlechter sieht, ist es zu spät …
4 Minuten
Bei Frühformen der diabetischen Retinopathie lassen sich Netzhautveränderungen noch gut aufhalten. Das Tückische: In diesen Stadien verursachen sie keine merkbaren Beschwerden. Erfahren Sie im Diabetes-Kurs, worauf es zu achten gilt, um die Augen zu schützen!
Als sie jedoch bei ihrer letzten Fahrt beinahe eine die Straße überquerende Frau mit Kinderwagen übersah, machte sie einen Augenarzttermin fest: An alles, aber nicht an einen diabetischen Augenschaden hatte sie gedacht – bei einem HbA1c-Wert von etwa 8 bis 9 Prozent die letzten Jahre über hätte sie das Risiko aber kennen können.
Die diabetische Retinopathie und die Makulopathie sind bei Diabetes die häufigsten mikrovaskulären Komplikationen, also Komplikationen an den kleinen Blutgefäßen. Die Veränderungen werden anfänglich von den Betroffenen nicht bemerkt – Frühformen der diabetischen Retinopathie verursachen keine Minderung der Sehstärke. Nur aufwendige Tests, die in der Routine nicht durchgeführt werden, zeigen beginnende Veränderungen an den Nervenzellen, die am Sehen beteiligt sind. Also: Nur durch regelmäßige Untersuchungen können Frühformen der diabetischen Retinopathie entdeckt werden.
Begriffserklärungen
- Retinopathie: Schädigung der kleinen Blutgefäße der Netzhaut (Retina)
- Makulopathie: Schädigung der Stelle des schärfsten Sehens (Makula, “gelber Fleck”) der Netzhaut
- Mikroaneurysmen: kleine Gefäßaussackungen
- proliferative Retinopathie: in der Netzhaut Bildung neuer Gefäße, die brüchige Gefäßwände haben
Ohne Hinweise? 2-Jahres-Rhythmus
Einige Neuerungen sind in den Leitlinien zur diabetischen Retinopathie zu berücksichtigen: Wenn ein Diabetiker bisher keinerlei Hinweise auf eine Retinopathie hatte, auch keine weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie) oder krankhafte Nierenveränderungen (Nephropathie) und einen guten Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) unter 7 Prozent, dann reicht ein Screening-Intervall von 2 Jahren aus. Ansonsten bleibt es bei den Empfehlungen zur jährlichen Kontrolle beim Augenarzt.
Welche Untersuchungen führt der Augenarzt bei Bedarf durch? |
|
| Untersuchung | Ziel |
| Sehtest | Sehschärfe? |
| Spaltlampenuntersuchung | vorderer Augenabschnitt (Hornhaut) |
| Augenspiegelung (Funduskopie) | hinterer Augenabschnitt (Netzhaut mit Blutgefäßen) |
| Fluoreszenzangiographie | Darstellung der Netzhautgefäße |
| optische Kohärenztomographie (OCT) | Vermessung der Netzhaut |
| Amsler-Gitter (Patienten-Selbsttest) | Verzerrtsehen, Prüfung des zentralen Gesichtsfelds |
| (nach Dr. David Kubiak, Augenzentrum Stuttgart) | |
In Deutschland fehlen große Studien, die helfen, das Risiko einzuschätzen, ob eine diabetische Retinopathie auftritt. Zwei Studien geben jedoch Hinweise für die zu erwartende Häufigkeit: In der Gutenberg-Gesundheitsstudie(1.124 Patienten mit Diabetes von insgesamt 15.010 untersuchten Menschen) betrug die Häufigkeit der Retinopathie – nicht unterschieden nach Typ-1- und Typ-2-Diabetes – etwa 22 Prozent.
Stadieneinteilung der Retinopathie
- nichtproliferative diabetische Retinopathie: mild, mäßig, schwer
- proliferative diabetische Retinopathie: Gefäßneubildungen, Blutungen
- diabetische Makulopathie: Makulaödem: Wasseransammlungen im Bereich der Macula lutea (“gelber Fleck”) in verschiedenen Ausprägungen; Diagnose nur durch den Augenarzt möglich
Im DPV-Register (64.700 Menschen mit Typ-2-Diabetes) hatten etwa 20 Prozent nach 9 Jahren Diabetesdauer und einem HbA1c-Wert von im Mittel 6,1 Prozent eine diabetische Retinopathie; etwa 9 Prozent hatten eine fortgeschrittene Retinopathie, 0,8 Prozent eine Makulopathie. Neuere Daten großer Krankenkassen zeigen aber, dass bei der Neudiagnose eines Typ-2-Diabetes nur bei 30 Prozent eine Augenuntersuchung erfolgt!
Da aber ca. 30 Prozent der Typ-2-Diabetiker bereits zu Beginn ihrer Erkrankung eine “milde Retinopathie” haben und sich bei Menschen mit Diabetes und Retinopathie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verdoppelt, ist ein rechtzeitiges Erkennen unabdinglich!
Die Ursachen: hoher Blutzucker, hoher Blutdruck, Rauchen
Durch erhöhte Blutzuckerspiegel kommt es zu Einlagerungen von Eiweißen und fettähnlichen Substanzen in die Blutgefäße der Netzhaut und zur Ausbildung kleiner Gefäßaussackungen (Mikroaneurysmen); aus diesen kann auch Blut austreten und es können sich harte Absonderungen (Exsudate) aus Fettablagerungen bilden; diese sind ein Zeichen der “nichtproliferativen Retinopathie”. Durch Gefäßneubildungen verschlechtert sich paradoxerweise sogar die Durchblutung der Netzhaut: Blutungen können auftreten und Gefäße in den Glaskörper einwachsen. Weitere wichtige Risikofaktoren sind ein erhöhter Blutdruck sowie das Rauchen!
Aufbau des Auges
Die Retina (Netzhaut)
- ist die lichtempfindliche Schicht des Auges,
- wandelt Licht in elektrische Signale um,
- leitet die Signale über den Sehnerv an das Gehirn.
Für diese Funktionen ist sie auf eine ungestörte Durchblutung angewiesen, weil sie viel Sauerstoff benötigt – mehr als Herz oder Gehirn.
Die Makula (gelber Fleck)
- Die Makula ist ein nur ca. 3 mm durchmessender, äußerst wichtiger Bereich der Netzhaut.
- In der Makula sind Sinneszellen dicht gebündelt.
- Das scharfe Sehen erfolgt über die Makula; sie ist die Stelle des schärfsten Sehens.
- Bei Schädigungen der Makula ist deshalb die Sehschärfe beeinträchtigt, nicht das periphere (seitliche) Sehen.
Therapiemaßnahmen bei diabetischer Retinopathie
- gute Einstellung des Blutzuckers; Achtung: bei Typ-1-Diabetes und Retinopthie den Blutzucker nicht zu schnell senken – dies könnte anfangs zu einer Verschlechterung der Retinopathie führen
- Blutdruck normalisieren (z. B. mit Wirkstoffen wie ACE-Hemmern)
- nicht (mehr) rauchen, besonders Typ-1-Diabetiker
- Behandlung hoher Blutfettwerte
Therapie bei fortgeschrittenen Stadien
Bei proliferativer diabetischer Retinopathie und Makulopathie ist die Laserfotokoagulation das Routine-Therapieverfahren. Droht hingegen eine Netzhautablösung, wird auch die Vitrektomie angewendet: Der Glaskörper des Auges wird entfernt, wenn eine Entfernung von Blutungen bzw. Neubildungen im Glaskörper nicht gelingt. So versucht man, die Netzhaut ggf. wieder an die sie ernährende Aderhaut anzulegen.
Empfehlungen zur Untersuchung des Augenhintergrunds
Typ-1-Diabetiker
- ab dem 11. Lebensjahr oder nach einer Diabetesdauer von 5 Jahren
- bei bereits bestehenden Augenveränderungen nach Maßgabe des behandelnden Augenarztes
- Untersuchung immer nach vorausgegangener Pupillenerweiterung
Typ-2-Diabetiker
- bei Diagnosestellung sofort, danach alle 2 Jahre, wenn keine
- Begleiterkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Nierenveränderungen) bekannt sind und der HbA1c-Wert unter 7 Prozent liegt
- ansonsten 1-mal jährlich bzw. nach Maßgabe des behandelnden Augenarztes
(z. T. geänderte Leitlinien DDG, Gesundheitsbericht 2018)
Therapie der diabetischen Makulopathie
Spezialisierte Augenärzte injizieren in oft mehreren Sitzungen Wirkstoffe direkt ins Auge: “Wachstums-Faktoren-Hemmer” wie die Medikamente Avastin, Lucentis oder Eylea – speziell beim Makulaödem und bei der feuchten Makula-Degeneration. In einigen Fällen werden auch Steroide eingesetzt (wie Kortison).
Fazit
Auch bei Augenerkrankungen, die mit Diabetes zusammenhängen, ist es sehr wichtig, dass Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammenarbeiten (Hausarzt, Diabetologe, Augenarzt, Nierenarzt etc.) – von Anfang an. Internistischerseits sind besonders eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung ausschlaggebend dafür, dass es nicht zu einer diabetischen Retinopathie kommt bzw. dass sie nicht schnell fortschreitet. Regelmäßige Screening-Untersuchungen beim Augenarzt sind dringend angeraten! Wenn der Betroffene aber wartet, bis er etwas “beim Sehen” bemerkt, ist es manchmal schon später als 5 vor 12!
Autor:
|
|
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (3) Seite 30-33
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Technik
Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen
3 Minuten
- Bewegung
Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause
2 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 18 Stunden, 45 Minuten
Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!
Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.
Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.
LG Wolfgang
-
laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 13 Stunden
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
-
suzana antwortete vor 1 Tag, 12 Stunden
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 1 Tag, 9 Stunden
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
-
wolfgang65 antwortete vor 19 Stunden, 11 Minuten
Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.
Gruss Wolfgang
-
michatype3 antwortete vor 18 Stunden, 47 Minuten
Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.
-
-
vio1978 postete ein Update vor 3 Tagen
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀


