Rein in die Wanderschuhe!

4 Minuten

© Fotolia
Rein in die Wanderschuhe!

Raus aus dem Haus – rein in die Wanderschuhe: Steht das auch bei Ihnen auf dem Programm? Der Spätsommer und der Herbstanfang bieten oft ideales Wanderwetter. Mit unseren Tipps fürs Diabetes-Management sind Sie dabei auf der sicheren Seite – und auch alle, die sich auf andere Art mehr bewegen, profitieren davon.

Mehr Bewegung, mehr Sport – ist das auch Ihr Ziel? Bewegung kann ja ganz unterschiedliche Formen annehmen: Wandern, viel Gartenarbeit, Schwimmbad – oder etwas ganz anderes. Viele Menschen mit Diabetes spritzen Insulin oder nehmen blutzuckersenkende Medikamente und fragen sich: Wie wirkt sich mehr Bewegung auf meinen Blutzucker aus? Was sollte ich beachten, wenn ich mich mehr bewege als sonst?

Die Therapie anpassen

Bei Bewegung oder Sport benötigt der Körper mehr Kohlenhydrate, die aus den Speicherdepots der Muskulatur und der Leber freigesetzt werden. Die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen ist gesteigert; daher wird weniger Insulin benötigt und/oder es müssen zusätzlich Kohlenhydrate aufgenommen werden.

Wie genau sich die körperliche Aktivität auf den Stoffwechsel auswirkt, ist bei jedem anders und hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt kein Patentrezept, wie Insulin oder Tabletten (orale Antidiabetika) an die jeweilige Aktivität angepasst werden müssen – am besten passt learning by doing.

Zuerst Blutzucker messen

Vor Bewegung und Sport sollte der Blutzucker bestimmt werden – vor allem dann, wenn eine Insulintherapie oder eine Behandlung mit oralen Antidiabetika (z. B. mit Sulfonylharnstoffen wie Glibenclamid oder Glimepirid) erfolgt, die zu Unterzuckerungen führen können. Wer sich lange körperlich bewegt, sollte alle 1 bis 2 Stunden den Blutzucker kontrollieren, um die Therapie anpassen zu können.

Der Ausgangsblutzuckerwert vor körperlicher Aktivität sollte bei einer Insulintherapie bzw. einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen zwischen 150 und 180 mg/dl (8,3 und 10 mmol/l) liegen. Wird im Urlaub eine Sportart betrieben, mit der man bis dahin keine Erfahrung hatte und deren Wirkung auf den Blutzucker nicht genau eingeschätzt werden kann, ist ein Blutzuckerwert zwischen 180 und 200 mg/dl (10 und 11,1 mmol/l) sinnvoll.

Hypoglykämie? Sofort aufhören!

Wer beim Sport unterzuckert, sollte sofort aufhören. Jetzt heißt es, erst einmal schnellwirksame Kohlenhydrate zuzuführen, mindestens 20 g Kohlenhydrate in Form von Apfelsaft, Cola, Traubenzucker oder eines Glukose-Gels. Dabei gilt: Erst essen, dann messen! Anschließend sind zur Sicherheit noch 20 bis 40 g langwirksame Kohlenhydrate (Müsliriegel, Brot) erforderlich, um den Blutzucker hoch zu halten.

Es sollte in der Regel eine Verschnaufpause von 30 Minuten erfolgen, bevor es mit der körperlichen Aktivität weitergeht. Steigt der Blutzucker nach der Pause nicht deutlich an, sollten lieber noch weitere 30 Minuten abgewartet und zusätzliche Kohlenhydrate gegessen werden.

Auch nach einem bewegungsreichen Tag muss noch an den Diabetes gedacht werden: Denn nach der körperlichen Aktivität sind die Zuckerdepots der Leber und Muskulatur leer. Dem Blut wird verstärkt Zucker entzogen, um die Depots aufzufüllen; die Gefahr zu unterzuckern besteht – dieser Muskelauffülleffekt kann einige Stunden bis tief in die Nacht dauern. Die Dosis der Insulingabe zur Nacht muss daher häufig reduziert werden. Eine zusätzliche nächtliche Blutzuckerkontrolle bringt Sicherheit.

5 Tipps gegen eine Unterzuckerung beim Sport
Damit es beim nächsten Mal ohne Unterzuckerung klappt, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
Wie hoch war der Ausgangsblutzuckerwert?
Hat noch eine (zu) hohe Menge Insulin gewirkt?
Habe ich die Intensität der Bewegung unterschätzt?
Hat die vorherige Berechnung der Mahlzeit gepasst?
Wurde Alkohol getrunken?

Alkohol und Bewegung

Erholt oben an der Berghütte angekommen, liegt es vielleicht nahe, sich ein Bierchen zu gönnen, um den Tag ausklingen zu lassen …

Die Leber schüttet in der Regel ständig Zucker aus; durch Alkohol wird die kontinuierliche Zuckerausschüttung gehemmt, der Blutzucker kann absinken. Deshalb ist es besser, bei Sport auf Alkohol zu verzichten. Falls nicht, gilt: Unbedingt die Insulindosis anpassen und/oder vermehrt Kohlenhydrate zuführen, um Unterzuckerungen zu vermeiden.

Was Sie immer dabeihaben sollten – die Checkliste
Blutzuckermessgerät: ausreichend Teststreifen, evtl. Ersatzbatterie(n), Stechhilfe, Lanzetten
Spritzen und Pens: ausreichend Insulin
Glukagon-Notfallset, wenn vorhanden
Ausreichend Kohlenhydrate: schnelle Kohlenhydrate (Apfelsaft, Cola, Glukosegel, Traubenzucker) und langwirksame Kohlenhydrate (Brot, Müsliriegel, Kekse)
Ausreichend Flüssigkeit (Wasser)
Bei Typ-1-Diabtes: Ketonteststreifen
Insulinpumpe: Ersatzbatterie, Ersatzkatheter
Bei Typ-2-Diabetes: ausreichend Tabletten

Trinken Sie genügend …

Wenn der Durst da ist, ist es schon zu spät. Durch die Schweißproduktion des Körpers kommt es bei körperlicher Aktivität zu einem Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust. Die Muskelzellen müssen ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, dafür ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme entscheidend.

… auch wegen höherer Werte!

Zusätzlich muss beachtet werden, dass vor der körperlichen Aktivität ein höherer Blutzuckerwert toleriert wird: Das bedeutet unter Umständen, dass die Blutzuckerwerte über der Nierenschwelle liegen; dadurch wird vermehrt Urin über die Niere ausgeschieden, was zusätzlich ausgeglichen werden muss. Auch vor dem Sport sollten Sie schon ein großes Glas Mineralwasser trinken.

Geeignete Getränke sind vor allem kalorien- und alkoholfreie Getränke wie Mineralwasser. Während des Sports reicht es aus, kleine Mengen an Flüssigkeit aufzunehmen. Um die Blutzuckerwerte während der Aktivität stabil zu halten, können Saftschorlen hilfreich sein; gut geeignet sind 100-%-Fruchtsäfte im Mischverhältnis 1:3 bis 1:1 (Kohlenhydratanteil von 30 bis 60 g pro Liter). Der größte Teil des Flüssigkeitsverlustes sollte nach dem Sport ausgeglichen werden. Die Menge richtet sich nach Intensität und Belastung.

Welche Getränke sind geeignet?

Ein zusätzlicher Ausgleich von Mineralstoffen ist nicht notwendig – eine gesunde, ausgewogene Ernährung reicht aus. Zuckerhaltige Getränke wie Cola oder pure Fruchtsäfte sind für einen schnellen Flüssigkeitsausgleich genauso ungeeignet wie koffeinhaltige oder alkoholische Getränke.

Auf Sportlergetränke, isotonische Getränke, kann in der Regel verzichtet werden. Eine Fruchtsaftschorle im oben genannten Verhältnis bietet einen genauso guten Flüssigkeits- und Mineralstoffersatz. Zusätzlich zum Flüssigkeitsausgleich bei körperlicher Aktivität sollte die Trinkmenge bei mindestens 1,5 Litern kalorienfreier Flüssigkeit pro Tag liegen.

Tipp: Sollten die Blutzuckerwerte nach körperlicher Aktivität erhöht sein, gleichen Sie erst einmal das Flüssigkeitsdefizit aus. Häufig gehen die Blutzuckerwerte so nach rund 30 Minuten von allein herunter.

Die Voraussetzungen

Es ist wichtig, für die geplante Sportart und Intensität der Belastung fit zu sein. Wer länger nicht aktiv war oder die Sportart wechselt, sollte sich vom behandelnden Diabetesteam beraten lassen.


von Kerstin Sielemann
Diätassistentin/Diabetesberaterin DDG und Übungsleiterin Rehabilitation

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Jammern über Diabetes: Das Leben als halbVOLLES Glas sehen
Diabetes kann ganz schön nerven. Er mischt sich zum Beispiel beim Essen ein, meldet sich beim Sport, fährt mit in den Urlaub und kann selbst nachts Aufmerksamkeit verlangen. Aber kann man lernen, häufiger das halbvolle statt das halbleere Glas zu sehen?
Eine Frau vergleicht zwei Gläser mit unterschiedlich hohem Wasserstand und blickt dabei nachdenklich auf das fast volle Glas.

4 Minuten

Gemeinsam beim Fußball: Alle spielen mit Diabetes
Fußball kann man im Verein vor Ort spielen. Dort Kinder und Jugendliche zu treffen, die auch mit Diabetes leben, ist selten. Beim FC Diabetes ist das definitiv anders.
Gemeinsam beim Fußball: Alle spielen mit Diabetes | Foto: privat

8 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • olivers postete ein Update vor 5 Tagen, 1 Stunde

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 6 Tagen, 2 Stunden

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

    • olivers antwortete vor 5 Tagen

      Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
      Gruß Oliver

    • @olivers: Haben wir alles gemacht und hat dennoch nicht geholfen 🙁
      Wir haben auch spezielle Pflaster zum drauf kleben,aber die machen keine Probleme.
      Nun sollten bis mitte nächster Woche die neuen Sensoren kommen und ich hoffe es klappt dann mal ohne Probleme

      Gruß Sandra