Kohlenhydrate verstehen

3 Minuten

© © Tobif82 - Fotolia.com
Kohlenhydrate verstehen

Wie ernähren sich Kinder heute?

Daten zum Lebensmittelverzehr aus der EsKiMo-Studie zeigen, dass Kinder und Jugendliche zu wenig Gemüse, Obst, Brot und Kartoffeln essen, dagegen deutlich zu viele fettreiche, tierische Lebensmittel (z. B. Fleisch- und Wurstwaren). Die Eiweißzufuhr liegt weit über der empfohlenen Menge. Auch unerwünschte, stark verarbeitete Lebensmittel, z. B. Fast Food, stehen zu oft auf dem Speiseplan.

Die Zufuhr einfacher Kohlenhydrate aus Lebensmitteln, die den Blutzucker schnell steigen lassen, geht in allen Altersgruppen weit über die Empfehlungen hinaus. Auch Getränke wie Limo, Saft, gesüßte Tees und viele Sorten Wasser mit Geschmack enthalten zu viel Zucker und werden zu oft getrunken. Sie sind besonders bei Jugendlichen beliebt, bei Kindern sind es z. B. "Quetschies".

Wunsch und Wirklichkeit

Was sind die Empfehlungen? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass Kohlenhydrate 50–55 % der gesamten Energiemenge ausmachen sollten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt 45–50 %. Beide Fachgesellschaften sind sich einig, dass komplexe Kohlenhydrate, die nicht so schnell ins Blut gelangen, bevorzugt werden sollten. Gerade diese werden jedoch zu wenig gegessen.

Einfache und komplexe Kohlenhydrate

Komplexe Kohlenhydrate zeichnen sich durch eine hohe Nährstoff- und Ballaststoffdichte aus. Sie haben eine längere Verdauungszeit, machen dadurch länger satt und lassen den Blutzucker langsamer steigen. Zu den komplexen Kohlenhydraten zählen u. a. Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Kartoffeln und Hülsenfrüchte.* Diese Lebensmittel sollten fast ausschließlich auf unserem Speiseplan stehen. Durch zusätzliches Gemüse bei jeder Mahlzeit wird diese nährstoffreicher und der Blutzuckeranstieg verlangsamt. Es ist egal, ob das Gemüse roh oder gekocht gegessen wird. Einfache Kohlenhydrate werden besonders für den Geschmack und für küchentechnische Eigenschaften in der Lebensmittelindustrie verwendet.

Richtiger Umgang mit Süßem

Alternativen zum Süßen sind gefragter denn je. Ob Süßstoffe, Zuckeraustauschstoffe oder Honig, für jeden Bedarf gibt es etwas im Supermarkt. Während Süßstoffe den Blutzucker nicht beeinflussen und für Kinder unter 3 Jahren nicht geeignet sind, können Zuckeraustauschstoffe abführend wirken und sollten individuell berücksichtigt werden.* Ein mäßiger Umgang ist die Antwort auf die Frage: Wie süß muss es wirklich sein? Denn wir alle können unseren Süßigkeiten- und Zuckerkonsum reduzieren. Nicht nur zur Freude des Diabetesteams, sondern auch der Zahnärzte und für unsere Gesundheit.

Die Höhe der maximalen Zuckerzufuhr hängt von Alter, Geschlecht und auch davon ab, wie viel man sich bewegt. Als Hinweis bei der täglichen Portionsgröße dient die Handfläche des Kindes/Jugendlichen.* Berücksichtigt werden sollten neben Keksen, Fruchtgummis und Schokolade auch "Quetschies", Fruchtjoghurt, getrocknetes Obst und Marmelade.

Vor- und Nachteile von Low Carb

Wäre somit eine Low-Carb-Ernährung die Lösung? Nicht unbedingt. Bei einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr steigt der Proteinanteil der Nahrung übermäßig. Bei übermäßiger Proteinzufuhr kann der Körper Eiweiß zum Aufbau von Glukose (Zucker) nutzen. Dies wird Zuckerneubildung aus kohlenhydratähnlichen Eiweißbausteinen (Gluconeogenese aus glucoplastischen Aminosäuren) genannt. Somit führt eine hohe Proteinzufuhr bei reduzierten Kohlenhydraten zum Blutzuckeranstieg.

Mengen schätzen

Zur Einschätzung der richtigen Menge verwenden wir in der Beratung die sogenannte Ernährungspyramide. Alle Lebensmittelgruppen sind in Bausteine, die Portionen, zerlegt. Die tägliche Portion sollte so groß sein, wie die Handfläche desjenigen, der sie verzehrt. Während man früher zur Abschätzung der notwendigen Insulindosis die KE oder BE (Kohlenhydrat- bzw. Broteinheit) verwendete, ermöglichen die modernen Insulinbolusrechner die direkte Eingabe der Kohlenhydratmenge in Gramm.

Kohlenhydrate begrenzen

Durch die weite Verbreitung von Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) werden die Auswirkungen verzehrter Lebensmittel auf den Blutzucker sichtbar. Musste man früher in den Beratungen ausführlich die Theorien des glykämischen Indexes und der glykämischen Last zur Beschreibung des nahrungsbedingten Glukoseanstiegs erläutern, können heute praktisch die CGM-Kurven betrachtet und analysiert werden. Hierdurch wird die Therapie sichtbarer.

Neben der Bewegung hat die Ernährung für den Kurvenverlauf eine große Bedeutung, sowohl bei der richtigen Berechnung der Kohlenhydratmenge als auch bei der Auswahl und Zubereitung. So steigt z. B. die Glukose bei Zubereitung einer Kartoffel zu Kartoffelbrei gegenüber der Pellkartoffel viel schneller an.

Mahlzeitenrhythmus ist wichtig

Es zeigt sich besonders, dass regelmäßige Mahlzeiten und ausgewogene Ernährung Schlüssel zu stabilen Blutzuckerkurven sind. Trotz der immer smarteren Technik können auch die neuesten Insulinpumpen zu große Portionsmengen nicht ausreichend abdecken. Eine Begrenzung der Kohlenhydratmengen ist weiterhin sehr wichtig.* Zudem sollte auf einen ausreichenden Mahlzeitenabstand von mindestens 3 Stunden geachtet werden. Dies wird sowohl zur Entleerung des Magens benötigt als auch, und das gilt für alle Menschen, zur Bildung eines erneuten Hungergefühls.

Fazit

Es ist weiterhin nötig, Kohlenhydrate zu berechnen. Zudem sollten Menge und Qualität berücksichtigt werden. Die verschiedenen Glukosesensoren geben unmittelbar Aufschluss darüber, ob die Mahlzeit beim nächsten Mal optimiert werden sollte.


Kontakt:

Anika Maass
Ernährungsberaterin
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult”, Hannover

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Die Kunst des Krieges: Kenne den Diabetes und dich selbst!

Ein 2.500 Jahre altes Zitat aus dem Buch „Die Kunst des Krieges“ und der Diabetes: Was hat das miteinander zu tun? Daniel Kaul erklärt, warum das Kennen des „Feindes“ und seiner selbst über Erfolg oder Scheitern in der Diabetes-Therapie entscheiden kann.
Die Kunst des Krieges: Kenne den Diabetes und dich selbst! | Foto: Yazid Nasuha - stock.adobe.com

9 Minuten

Community-Beitrag

Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Stephan Seiler – vom stillen Kämpfer zum Podcast-Host

In der Podcast-Reihe „Höhen und Tiefen“ spricht Stephan Seiler über seine Diabetes-Diagnose mit 15, den Umgang mit Stigmatisierung und den Weg in die Diabetes-Community. Gemeinsam mit Host Stephanie Haack diskutiert er Themen von Technik über Sprache bis zur mentalen Belastung.
Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Stephan Seiler – vom stillen Kämpfer zum Podcast-Host | Foto: privat / MedTriX

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • thomas55 antwortete vor 6 Tagen

      @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

Verbände