- Eltern und Kind
Libre, Linse und liegende Sensoren
4 Minuten
In der Diabetesbehandlung sind Patienten, Eltern und Behandlungsteams bei der Beurteilung der Stoffwechsellage voll auf die Blutzuckerwerte “eingeschossen”. Aktuelle technische Entwicklungen laden dazu ein, sich näher mit Alternativen zu beschäftigen
Die Blutzuckermessung im klinischen Gebrauch und auch im Alltag für Menschen mit Diabetes gibt es erst seit den 80er Jahren. Zuvor konnte lediglich der Zucker im Urin gemessen werden, was nur ein Rückblick auf den Blutzuckerspiegel der vergangenen Stunden war. Trotzdem war diese Methode seit dem Altertum über Jahrtausende als diagnostische Methode etabliert (ganz früher als Geschmacksprobe).
Blutzuckermessung: Revolution der Therapie
Die Möglichkeit der Messung des Blutzuckers am Patienten und somit die Möglichkeit, aktuelle Werte zu gewinnen, hat als eine Voraussetzung zu einer Revolution der Therapie geführt, nämlich zur Etablierung der intensivierten Insulintherapie.
In den letzten 30 Jahren hat sich die Größe der Blutzuckermessgeräte immer weiter verkleinert, die Vielfalt der Geräte hat zugenommen und auch deren Zusatzfunktionen (z. B. die Berechnung der Durchschnittswerte, des abgeschätzten HbA1c-Wertes oder die Tagebuchführung) sind stetig mehr geworden. Doch durch den zunehmenden Fortschritt verlieren die Geräte ebenso schnell an Aktualität. So ist ein kleines Messgerät, dass mit dem iPhone 4 kombiniert auch als Tagebuch diente, heute schon nicht mehr “up-to-date” – aufgrund der veränderten Stecker neuerer iPhones.
Sehnsucht nach Alternativen zum Piks
Da eine Blutzuckermessung immer mit einem kleinen Einstich zur Gewinnung des Blutes verbunden ist, ist die Suche nach Alternativen zur “blutigen” Messung fast ebenso alt wie diese selbst. Als erste mobile Möglichkeit, Zuckerwerte im Körper kontinuierlich zu messen, gilt die Ulmer Zuckeruhr, die im innerklinischen Bereich eingesetzt wurde, eine Art Vorläufer heutiger Sensorsysteme. Über einen Mini-Schlauch, der in die Haut eingeführt wurde, konnte die Gewebsflüssigkeit in dieser Uhr auf ihren Zuckergehalt hin untersucht und ausgewertet werden.
Im menschlichen Körper sind alle vorhandenen Flüssigkeiten mehr oder weniger miteinander verbunden. Daher können die in diesen Flüssigkeiten gelösten kleinen Teilchen wie Salze oder eben auch Zuckermoleküle von der einen Flüssigkeit in die andere wandern. Und genau das geschieht auch, nach dem Prinzip des Konzentrationsausgleichs: Erhöht sich in einer der Flüssigkeiten die Menge eines Stoffes, so wandert er auch in die anderen Flüssigkeiten, bis in allen Teilen die gleiche Menge des Stoffes vorhanden ist.
Prinzip der Glukosesensoren
Dieses Prinzip machen sich Glukosesensoren, die schon seit einigen Jahren erhältlich sind, zunutze. Ebenso wie bei einem Blutzuckerteststreifen sind Enzyme, die den Zucker verstoffwechseln können, auf einem kleinen Plättchen angebracht. Durch die Verstoffwechselung kommt es zu einer Art geringen Stromfluss, der dann gemessen und in einen Blutzuckerwert umgerechnet wird.
So können Glukosesensoren, die in der Haut angebracht sind, die Konzentration in der Flüssigkeit zwischen den Hautzellen kontinuierlich messen und darstellen. Dass diese Sensoren im Vergleich zum Blutzuckerwert etwas nachhängen, liegt vor allem an dem Konzentrationsausgleich, der eben erst einmal stattfinden muss.
Ebenso kann es sein, dass z. B. in der Phase des Muskelauffülleffektes, z. B. nach Sport bei rascher Aufnahme von vielen Kohlenhydraten, der Blutzucker sehr rasch ansteigt. Da sich die Muskeln aber sehr schnell den Zucker “zurückholen”, und zwar bevor es zum Konzentrationsausgleich kommen kann, ist der Sensorwert in solch einer Phase immer niedriger als der Blutzuckerwert. Solche Phasen können von Anwendern aber schnell als Sensorfehler gedeutet werden.
Daher ist eine gute und kontinuierliche Schulung wesentlicher Bestandteil auch der Sensoranwendung, die im besten Fall zu einer Sensortherapie wird, wenn die Anwender (bei Kindern: die Eltern) den Umgang mit dem Sensor beherrschen, also z. B. die richtige Reaktion auf Alarme. Ganz neue Pumpen können nun in Kombination mit einem Sensor sogar die Insulinzufuhr unterbrechen, bevor eine Unterzuckerung entsteht.
Ein Versuch, den Blutzucker oder einen Näherungswert ohne Einsatz einer Nadel oder eines Sensordrahtes zu verwenden, war die “Pendra-Uhr” um 2004, die jedoch nie Marktreife erreichte.
Flash Glucose Monitoring
Das neue und gerade viel diskutierte Gerät FreeStyle Libre (Flash Glucose Monitoring) ist im Grundprinzip ein Sensorsystem wie zuvor beschrieben. Allerdings werden bei diesem System die Werte nicht kontinuierlich angezeigt, sondern müssen durch ein Ablesen am Sensor aktiv angefordert werden. Dann allerdings wird außer dem aktuellen Wert auch die Verlaufskurve der letzten acht Stunden angezeigt, ebenso wie ein Trendpfeil, der die aktuelle Richtung des Zuckerverlaufs schnell und einfach zeigt.
Viele weitere Funktionen wie eine Tagebuchfunktion oder ein Insulinrechner können den Anwendern helfen. Allerdings setzt dieses eine konsequente Anwendung der Funktionen und auch das Rekapitulieren der dokumentierten Werte voraus, um daraus einen Nutzen ziehen zu können.
Bei Anschluss an einen Computer kann mithilfe einer Software ein Bericht über die letzten Wochen erstellt werden, der im besten Fall bei konsequenter Eingabe von Kohlenhydraten, Insulinmengen und Aktivitäten eine Dokumentation ersetzen kann. Wichtig zu wissen ist aber, dass diese Daten in anonymisierter Form bei einer bestehenden Internetverbindung an die Firma gesendet werden. Auch wenn in der Facebook-Ära das Wahren der eigenen Daten nicht mehr so wichtig genommen wird, sollte man sich dessen bewusst sein.
Als erste Krankenkasse hat die DAK in Deutschland ein großes Programm gestartet, um ihren Versicherten regelhaften Zugang zu den Libre-Geräten zu gewähren. Doch nicht nur für Anwender bieten diese Sensorgeräte Vorteile. Auch für Diabetesteams lassen sich aus den gewonnenen Daten viele nützliche Informationen für die Anpassung von Therapie und Verhaltensweisen erzielen.
Die größte Herausforderung für alle Beteiligten ist die Vielfalt der verschiedenen tabellarischen und graphischen Aufbereitung, z. B. von Blutzuckerdaten aus Geräten, Computerausdrucken oder Apps.
Was wird sich durchsetzen?
Welche der vielen Messmethoden sich letztendlich im Alltag durchsetzen wird, ist derzeit offen. Die Anwendung eines Sensors ist aus Expertensicht etabliert, der regelhafte Einatz scheitert aktuell an der Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Hier könnte das FreeStyle Libre ebenso ein Wegbereiter sein wie die Fachleute, die in großen und umfangreichen Stellungnahmen und Verfahren den behördlichen Stellen den Nutzen und die Sicherheit aktueller Sensoren darlegen.
Bereits jetzt können Insulinpumpen, die mit einem Sensor kombiniert sind, die Insulinzufuhr bei Unterzuckerungsgefahr ausschalten. Der Weg zu einem kompletten Regelkreislauf aus Zuckerwert, Messung und Insulinabgabe ist damit vorgebahnt und nur noch eine Frage der Zeit.
Als Zukunftsmusik gilt aktuell die Kontaktlinse zur Zuckermessung in der Tränenflüssigkeit, die u. a. von Google entwickelt wurde. Wie eine als Sehhilfe getragene Kontaktlinse soll diese Linse speziell den Zuckerwert in der Tränenflüssigkeit berechnen und per Funk an ein Empfängergerät übertragen. Weitere Ideen hierbei sind z. B. ein Lichthinweis als Warnung für den Anwender.
Die Blutzuckermessung hat in den letzten 30 Jahren die Werte für die tägliche Anpassung der Insulindosis, mögliche Kohlenhydrateinnahmen oder besonderes Verhalten (z. B. Sport) geliefert. Die aktuelle Vielfalt der technischen Neuerungen und die stetige Verbesserung der Technologien lassen daran zweifeln, dass es in weiteren 30 Jahren noch Blutzuckermessungen geben wird. Welche technischen Entwicklungen die Diabetestherapie auch nehmen wird: Gewinner ist immer der Betroffene.
Fazit
Lange Zeit konnte der Zucker nur im Urin gemessen werden – damit erhielt man einen Rückblick auf den Blutzuckerspiegel der letzten Stunden. Als die Messung des Blutzuckers möglich wurde, entstand daraus auch eine Revolution in der Therapie (Etablierung der intensivierten Insulintherapie). In den letzten Jahren wurden Technologien entwickelt, die eine kontinuierliche Messung der Glukosewerte in der Gewebsflüssigkeit möglich machen. Solche CGM-Systeme können helfen, Unterzuckerungen zu vermeiden.
Auch beim Flash Glucose Monitoring (FGM) zeigen Trendpfeile den Zuckerverlauf schnell an, so dass der Nutzer rasch reagieren kann. Diese Entwicklungen könnten das Ende der Blutzuckermessungen bedeuten.
von PD Dr. med. Torben Biester
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2015; 8 (2) Seite 8-10
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 2 Stunden, 56 Minuten
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 2 Stunden, 6 Minuten
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
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uho1 antwortete vor 7 Minuten
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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