Praktische Tipps für den Alltag mit CGM

4 Minuten

Praktische Tipps für den Alltag mit CGM

Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) ist eine praktische Sache, liefert sie doch fortlaufend Glukosewerte. Praktisch sind auch die Tipps für den CGM-Alltag von Dr. Nicolin Datz – z. B. für Trageort, Urlaub und medizinische Untersuchungen.

Die kontinuierliche Glukosemessung (engl. Continuous Glucose Monitoring (CGM)) bestimmt fortlaufend Glukosewerte im Unterhautfettgewebe (durch Glukosesensoren) und überträgt diese auf ein für den Patienten sichtbares Display.

Dadurch erhalten die Sensorträger 24 Stunden lang Informationen sowohl über ihren aktuellen Gewebezucker als auch über die Änderung des Wertes.

Dies beinhaltet auch eine Anzeige bezüglich der Richtung der Glukosewerte (ansteigender oder abfallender Wert) sowie der Geschwindigkeit mittels Trendanzeige. Des Weiteren warnen die Geräte vor zu hohen und zu tiefen Werten und ermöglichen so, Stoffwechselentgleisungen vorzubeugen.

CGM im Alltag

In Ausgabe 02/2015 des Diabetes-Eltern-Journals ist in der Serie “Gute Schule” bereits über den Einsatz des kontinuierlichen Glukosemonitorings beim Sport berichtet worden. In dieser Ausgabe sollen praktische Tipps und Informationen zum CGM für den Alltag gegeben werden.

1. Die Notwendigkeit von Blutzuckermessungen trotz CGM

CGM ersetzt nicht die kapillären, mittels Fingerpiks durchzuführenden Blutzuckermessungen. Diese müssen weiterhin regelmäßig zur Kalibrierung (Abgleichung) des Systems (normalerweise zweimal täglich) sowie vor Therapieentscheidungen (Insulinabgabe, Kohlenhydratgabe …) durchgeführt werden.

2. Was bedeutet “Messung des Gewebezuckers”?

Bei der Blutzuckermessung mittels Fingerpiks findet eine Messung der Glukosekonzentration im kapillären Blut statt, während bei CGM die Glukosekonzentration zwischen den Körperzellen – also im Gewebe – gemessen wird.

Da die Glukose zunächst noch aus dem Blut in den Zellzwischenraum übertreten muss, kann es 5 bis 15 Minuten dauern, bis sich eine Änderung des Glukosewertes im Gewebe bemerkbar macht. Daher stimmen der Wert für den Blutzucker und der für den Gewebezucker nicht genau überein. Insbesondere bei rascher Veränderung des Blutzuckers (schneller Anstieg oder Abfall) kann es zu größeren Differenzen kommen.

3. Wo und wie lange wird der Sensor getragen?

Die Anlage des Sensors ist an den Körperstellen möglich, die auch zur Insulininjektion bzw. zur Anlage eines Insulinpumpenkatheters genutzt werden. So ist grundsätzlich eine Anlage an Bauch, Gesäß, Oberschenkel und Rückseite des Oberarms möglich. Die Herstellerangaben sind hier zu beachten, da nicht alle Geräte z. B. auch am Oberarm angelegt werden können.

Narbengewebe eignet sich nicht für die Anlage des Sensors. Durch Gürtelschnallen, Piercings und Sicherheitsgurte sind Beeinträchtigungen möglich – das sollte beachtet werden. Auch die Tragedauer der Sensoren ist vom Gerätemodell abhängig und variiert zwischen 5 bis 7 Tagen.

4. Mit dem Sensor zum Schwimmen – geht das?

Die Glukosesensoren und -transmitter sind wasserdicht. Beim Duschen, Baden und Schwimmen müssen sie daher nicht entfernt werden. Da die Pflaster sich im Wasser leichter lösen können, wird eine zusätzliche Fixierung des Sensors mit einem wasserdichten Pflaster empfohlen.

Nicht wasserdicht hingegen sind die meisten CGM-Empfänger. Diese müssen mittels einer wasserdichten, für Funkwellen durchlässigen Tasche (z. B. Handytasche) geschützt werden. Verfügt man nicht über eine solche Tasche, dürfen CGM-Empfänger nicht mit ins Wasser genommen werden. Wissen muss man allerdings, dass die Funkwellen des Senders im Wasser nur eingeschränkt übertragen werden und es deshalb zu Störungen bei der Aufzeichnung kommen kann.

5. CGM im Urlaub

Wie für die Insulintherapie auch, ist vor der Abreise in den Urlaub darauf zu achten, dass alle Utensilien in ausreichender Menge vorhanden sind. Mit der Checkliste rechts kann vor der Abreise überprüft werden, ob auch alles Wichtige mit im Gepäck ist.

Geht es mit dem Flugzeug in den Urlaub, ist es ratsam, eine Zollbescheinigung für den Transport von Nadeln, Sensoren und Insulin im Handgepäck dabeizuhaben. Diese Bescheinigung stellt das Diabetesteam aus.

Sensoren gehören – genau wie das Insulin – ins Handgepäck. Weitere Besonderheiten sind herstellerbezogen und müssen im jeweiligen Handbuch nachgelesen werden.

Urlaubs-Checkliste: Was muss mit?
  • ausreichend Sensoren
  • genügend Pflaster
  • Hautdesinfektionsmittel
  • Ladegerät; Achtung: ggf Adapter für Steckdose erforderlich
  • Blutzuckermessgerät und ausreichend Teststreifen für Blutzucker und Ketone
  • Datenblatt/Programmierung von CGM-System und ggf. Insulinpumpe
  • Handbuch für das CGM-System
  • alle weiteren notwendigen Utensilien für die Insulintherapie in ausreichender Menge
  • Hotline-Nummer des Herstellers – im Ausland können andere Telefonnummern gelten

Zeitverschiebung

Reist man in Länder mit einer anderen Zeitzone, sollte man auf die Zeitverschiebung vorbereitet sein:

  • Bei einer Flugreise nach Westen verlängert sich der Tag um eine oder mehrere Stunden, dadurch wird/werden diese Stunde(n) doppelt erlebt und auch doppelt aufgezeichnet. Auf dem Display des Empfängers ist nach Umstellung der Uhrzeit eine doppelte Kurve zu sehen. Der angezeigte Wert ist dann korrekt, aber die Trendanzeige kann fehlerhaft sein. Solch eine doppelte Aufzeichnung gibt es auch bei der Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit.
  • Fliegt man hingegen nach Osten, wird der Tag kürzer, sodass nach der Zeitumstellung auf dem Display eine Lücke in der Aufzeichnung entstehen kann. Der angezeigte Wert und die Trendinformationen sind hier jedoch korrekt und können weiterverwertet werden. Dieses Phänomen gilt auch bei der Umstellung von Winterzeit auf Sommerzeit.

6. CGM im OP/MRT

Bei medizinischen Untersuchungen wie z. B. bei einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) müssen sowohl die Insulinpumpe als auch der Sensor komplett entfernt und außerhalb des Untersuchungszimmers gelagert werden, da die Geräte sonst geschädigt werden.

Wird eine Operation geplant, muss vorher geklärt werden, ob sich das Operationsteam mit der Insulintherapie auskennt und ob ein Glukosesensor weiterhin getragen werden darf. Meistens wird die Insulintherapie während einer Operation auf eine Infusionstherapie über die Vene umgestellt.

Ob der Glukosesensor trotz des Eingriffs in der Haut bleiben darf, ist abhängig von der Lage des Sensors und dem Operationsgebiet, auf das der Chirurg uneingeschränkt und steril zugreifen können muss.

Fazit

Mit der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) werden fortlaufend Glukosewerte im Unterhautfettgewebe bestimmt. Wichtig ist zu wissen, dass dadurch Blutzuckermessungen nicht vollständig ersetzt werden können. Getragen werden kann der CGM-Sensor grundsätzlich an allen Stellen, die sich auch für die Insulininjektion und den Pumpenkatheter eignen. Glukosesensoren sind wasserdicht – CGM-Empfänger nicht. Bei Reisen in andere Zeitzonen und bei medizinischen Untersuchungen wie CT, MRT und Operationen gibt es einige Besonderheiten zu beachten.


von Dr. med. Nicolin Datz
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin „Auf der Bult“, Hannover, E-Mail: datz@hka.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2015; 8 (3) Seite 22-24

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf

Der DiaCup 2026 bringt im Juni erneut Menschen mit Diabetes zu einem Tischtennisturnier in Düsseldorf zusammen. Im Trainingszentrum von Borussia Düsseldorf stehen Bewegung, gemeinsames Erleben und Austausch im Mittelpunkt. Die Anmeldung läuft bis zum 5. Juni.
Tischtennisturnier für Menschen mit Diabetes: Jetzt Anmelden für den DiaCup 2026 im Juni in Düsseldorf | Foto: DiaCup/DDZ

2 Minuten

Vorstoß bei der Zuckersteuer: Frische Brise aus dem Norden

Einige Zeit war es ruhig um die Zuckersteuer. Nun hat sich die CDU-geführte Landesregierung Schleswig-Holsteins der Sache verschrieben und einen Vorstoß gemacht. Die Argumente sind bekannt: Zu starker Zuckerkonsum verursacht erhebliche gesundheitliche Probleme und auch enorme gesellschaftliche Kosten.
Vorstoß bei der Zuckersteuer: Frische Brise aus dem Norden | Foto: anaumenko - stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände